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Film "Zwei Mütter" zeigt bei bei Dresdner Premiere, wie schwer es Lesben haben, wenn sie ein Kind wollen

Film "Zwei Mütter" zeigt bei bei Dresdner Premiere, wie schwer es Lesben haben, wenn sie ein Kind wollen

Eine Bronzeplastik auf der Dresdner Bürgerwiese trägt den Titel "Zwei Mütter". Sie stellt eine Menschen- und eine Tigermutter bei der Rettung ihrer Kinder aus den Wasserfluten dar.

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Darstellerin Karina Plachetka , Regisseurin Anne Zohra Berrached und Catharina Jäger vom Veranstalter B90/Grüne und Gerede e.V. (v.li.)

Quelle: Dietrich Flechtner

Jede Mutter hat ihr eigenes Kind, so will es die Natur. Was aber, wenn es zwei potenzielle Mütter gibt, dafür aber kein Kind? Die junge Regisseurin Anne Zohra Berrached studiert im dritten Semester an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigburg und hat eben einen Berlinale-Preis für "Zwei Mütter" gewonnen. Ihr erster Langfilm zeigt, dass Frauen sogar beim Kinderkriegen diskriminiert werden können. In sehr nahen und ungeschönten Bildern scheitert eine liebevolle Beziehung daran, dass sie für das Intimste Hilfe von außen benötigt.

Isa (Karina Plachetka) und Katja (Sabine Wolf) lieben sich. Sie leben zusammen, Katja arbeitet in einer Videothek, Isa lebt von gelegentlichen 400-Euro-Jobs. Sie beschließen, ein Kind zu bekommen, und beginnen, sich zu informieren, wie ein lesbisches Paar das schaffen kann. In Telefonaten erfährt Isa, dass nur vier von elf Samenbanken in Deutschland überhaupt Lesben behandeln und dass es keine einheitlichen rechtlichen Richtlinien gibt. Eine Stimme sagt, es sei verboten, eine andere, es sei kompliziert, noch eine andere sagt, es wäre heterosexuellen Paaren vorbehalten, denn zwei Lesben in einer festen Partnerschaft, das sei ja nun mal nicht das Gleiche wie eine Ehe.

Trotzdem landen die Beiden bei einem Anwalt, der ihnen abstrus hohe Einkommensnachweise abverlangt, nämlich 3500 Euro brutto pro Elternteil, damit sie die Samenbank im Nachhinein nicht auf Unterhalt verklagen. Trotzdem landet Isa auf dem Stuhl einer Samenbank und lässt sich Inseminieren, so heißt es, wenn man sich künstlich befruchten lässt. Neun Monate später treffen wir das Paar dann wieder. Wo andere Frauen Bäuche zum Platzen dick vor sich hertragen, hat Isa ihre elfte Insemination hinter sich, macht Yoga und kauft Schwangerschaftstests im Fünferpack. Ihre Gedanken kreisen ausschließlich um das eine Thema, während Katja sich immer mehr zurückzieht. Sie fühlt sich überflüssig, denn eine Mutter ist eigentlich genug.

Nach vielen Versuchen und zum Teil absurden Vorschlägen (in der Apotheke rät die Angestellte, mal zum Veterinär zu gehen, weil die dort größere Inseminationsspritzen haben) lässt sich das Paar auf einen im Internet gefundenen Samenspender ein. Es ist der letzte Schritt, der zwar zum Baby, nicht aber zum glücklichen Ende führt.

Berrached hat lange für diesen Film recherchiert. Sie befragte vier lesbische Paare und verknüpfte deren Erfahrungen zu einem Drehbuch. Sie mischte Statistiken, Fakten und Prognosen, Wünsche und Wirklichkeiten. Gedreht wurde in sensationellen acht Tagen, das fehlende Material besorgten Nachdrehs in den Theaterpausen von Karina Plachetka (die ja Ensemblemitglied des Staatsschauspiels Dresden ist) in Dresdner Geschäften und Restaurants. Einiges erkennt man im Film wieder.

"Zwei Mütter" wurde auf den 63. Internationalen Filmfestspielen in Berlin uraufgeführt und gewann in der Sektion "Perspektive Deutsches Kino" den Preis  "Dialogue en Perspective" für "filmästhetische Form, inhaltliche Tiefe und Authentizität". Das erreichte Berrached auch, weil sie auf vieles verzichtete. Bis auf die beiden Hauptdarstellerinnen waren alle am Set Laien, die einfach sich selber spielten. Anwälte, Ärzte, Samenspender - alle erzählten den Beiden, was sie auch jeder anderen (lesbischen) Frau erzählen würden. Das gibt dem Film den dokumentarischen und über die Schulter gefilmten Eindruck. Man hat oft das Gefühl, dass hier unmöglich noch ein Set drum herum aufgebaut sein kann. Diese Distanzlosigkeit erinnert an die Paradies-Trilogie von Regisseur Ulrich Seidl. "Zwei Mütter" ist freilich eine viel kleinere Produktion ohne großes Budget, auch deshalb der experimentelle Charakter. "Wir drehten ohne Licht und ohne Texte. Wir klärten keine Kameraeinstellungen ab, alles geschah im Moment" sagt Berrached. "Das war wie Jazz, alle haben umeinander getanzt", versucht Plachetka die ungewöhnlichen Dreharbeiten noch schöner zu erklären.

Bei der Kinopremiere im Kino im Dach im Rahmen der Dresdner CSD-Woche kam dieser Tanz gut an. Unter der Moderation von Catharina Jäger vom Bündnis 90/Die Grünen und in Kooperation mit dem Gerede e.V. stellten sich Berrached und Plachetka dem fast ausschließlich weiblichen Publikum. Das fragte einige Details ab und bestätigte die Fakten aus eigener Erfahrung. Es wurde viel gelacht, denn trotz des wenig erheiternden Einblicks hat der Films ein paar echt komische Szenen. Und ein Klischee ist doch immer noch, dass es unter Frauen keinen Humor gibt.

i"Zwei Mütter" läuft noch bis Dienstag im Programm des kid, immer um 18.45 Uhr.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.06.2013

Juliane Hanka

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