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Dresdner Verein lobt Filmpreis für Nachhaltigkeit aus, der Ausbeutung thematisieren soll

Dresdner Verein lobt Filmpreis für Nachhaltigkeit aus, der Ausbeutung thematisieren soll

Gerade einmal 101 Euro verdient eine Näherin von Berufsbekleidung in der südeuropäischen Republik Mazedonien im Monat. 625 Euro sollten es laut Menschenrechtsorganisationen mindestens sein.

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Sascha Kornek vom Verein Sukuma Arts rief den Millennium-Award mit ins Leben.

Auch Dresdner Arztkittel, Tarnanzüge oder Polizeiuniformen werden unter diesen Bedingungen hergestellt. Das sagt Bettina Musiolek von der Initiative "Sachsen kauft fair". "Fast alle Bundesländer haben ihre Beschaffungsgesetze bereits geändert, um faire Bedingungen bei der Produktion vorzuschreiben. In Sachsen ist das noch nicht der Fall", erklärt Musiolek. Das derzeitige Vergabegesetz würde Menschenrechte und ökologische Standards außen vor lassen.

Um auf die Misere aufmerksam zu machen, hat die Initiative "Sachsen kauft fair" zusammen mit dem Dresdner Verein "Sukuma Arts" einen Filmpreis für Nachhaltigkeit ins Leben gerufen, den "Dresdner Millennium Award". Unter dem Motto "Die (fast) nackte Wahrheit über Uniformen" soll in den nächsten Wochen ein 30-Sekunden-Film entstehen, der am 28. August bei den Filmnächten am Elbufer Premiere hat. Damit der Film produziert werden kann, sind Ideen gefragt. Noch bis zum 8. Juli kann jeder seine Idee über die Internetseite www.millenium-award.com einreichen.

"Wir haben bereits 2007 und 2011 Wettbewerbe veranstaltet, die sich mit den Bedingungen bei der Kaffeeherstellung und bei der Textilproduktion beschäftigt haben. Diesmal liegt der Schwerpunkt im lokalen Bereich und konzentriert sich auf die Missstände in Dresden", erzählt Sascha Kornek, Sprecher des Awards. Er finde es wichtig, dass auch in Zeiten knapper Kassen ein verbindlicher rechtlicher Rahmen existiere, der die Ausbeutung bei der Kleidungsproduktion verhindere. "Selbst wenn wir mehr bezahlen müssten, wären am Ende die gesellschaftlichen und sozialen Kosten geringer, als es bei den derzeitigen Dumpinglöhnen der Fall ist", so Kornek. Obwohl der 33-jährige Promotionsstudent weiß, dass die kurzen Spots, die in der Vergangenheit in über 120 Kinos bundesweit liefen, die Welt nicht sofort verändern, hofft er auf ein Umdenken: "Es ist notwendig, dass ein Bewusstsein dafür entsteht. Ganz egal ob Kommunen Kleidung kaufen oder der Privatverbraucher: Wichtig ist, dass nachgefragt wird, wo und unter welchen Bedingungen die Textilien hergestellt worden sind."

Im laufenden Wettbewerb rechnet Kornek voraussichtlich mit 50 bis 100 Einreichungen, so viel waren es ungefähr auch bei den zuvor ausgeschriebenen zwei Filmpreisen. Umgesetzt wurden die Ideen jedes Mal vom Potsdamer Drehbuchautor und Werberegisseur Thomas Frick. Im vergangen Jahr besuchte Kornek mit ihm einen sogenannten Sweatshop im indischen Mumbai, wo Menschen tagtäglich bei großer Hitze unzählige Stunden Kleidung zusammennähen und das Wort "Arbeitsschutz" quasi nicht existiert. "Es war gar nicht so leicht, dort hineinzukommen. Wir haben es eigentlich nur mit falschen Angaben geschafft, in der Fabrik zu drehen", so Kornek. Wo es sie diesmal hinverschlägt, können sie nur ahnen. Denn das hängt ganz von der Kreativität der eingereichten Ideen ab. Aus diesem Grund hofft er auf möglichst viele Einsendungen.

Der von den Initiatoren des Filmpreises kritisierten Stadt Dresden sind auf DNN-Anfrage indes keine Fälle bekannt, in denen bestellte Kleidung für die Feuerwehr, das Ordnungsamt oder andere Bereiche nicht fair hergestellt und gehandelt wurde. Allerdings gibt es bisher auch noch kein Verfahren, dass diese Gefahr gänzlich ausschließen kann, und das obwohl der Stadtrat bereits am 30. September 2010 beschlossen hat, ein derartiges System zu erarbeiten.

Zumindest scheint jedoch Bewegung in die Sache zu kommen: "Das Vergabebüro hat im November 2011 im Stadtrat Bericht erstattet, dass ein System in Arbeit sei, das die Vergabestellen verpflichtet, das Herkunftsland und gegebenenfalls das Vorhandensein von Zertifikaten abzufragen, die belegen, dass die Produkte beispielsweise nicht aus ausbeuterischer Kinderarbeit stammen", teilte eine Sprecherin mit.

Stephan Hönigschmid

www.millennium-award.com

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.07.2012

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