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Dresdner Schauspieler Jonas Friedrich Leonhardi wird im Film zu Ernst Jünger: ein Interview

Dresdner Schauspieler Jonas Friedrich Leonhardi wird im Film zu Ernst Jünger: ein Interview

Der 24-jährige Jonas Friedrich Leonhardi gehört seit 2013 zum festen Ensemble des Dresdner Staatsschauspiels. Gleichzeitig sammelt er erste Erfahrungen bei Film und Fernsehen.

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In der Hölle der Schützengräben: Jonas Friedrich Leonhardi als Ernst Jünger.

Quelle: arte

Aktuell ist Leonhardi in dem mehrteiligen Doku-Drama "14 - Tagebücher des Ersten Weltkriegs" als Frontsoldat Ernst Jünger zu sehen. Die Serie nutzt als Schwerpunkt reale Lebenserinnerungen verschiedenster Zeitzeugen, um die menschliche Seite des Konfliktes aufzuzeigen. Im Interview mit den DNN spricht Jonas Leonhardi über das Projekt, die Anforderungen der Rolle und seine Karrierepläne.

Wie nähert man sich als Schauspieler einer realen Figur im Unterschied zu einem fiktiven Charakter?

Ich muss zugeben, dass mir Ernst Jünger zunächst gar kein Begriff war - ich habe erst nach dem Casting mitbekommen, wie bekannt er ist und dass er mit seiner NS-Vergangenheit durchaus kontrovers diskutiert wird. So jemanden zu verkörpern ist natürlich eine Verantwortung. Hier hat mich aber der Regisseur beruhigt und mir geraten, mich vor allem auf die einzelnen Szenen zu konzentrieren. Ich spiele nicht Ernst Jünger mit all seiner Lebensgeschichte, sondern meine Vorstellung von einem Menschen in seinem Alter, der sich plötzlich im Krieg wiederfindet.

Wie hat sich Ihr Verhältnis zu der Figur entwickelt?

Mich hat fasziniert, wie offen und direkt er in seinen Tagebüchern schreibt. Am Anfang sagt er, er möchte gern in den Krieg, das sei etwas Spannendes - wo man natürlich aus heutiger Sicht weiß, dass den jungen Menschen damals gar nicht klar war, was Krieg wirklich bedeutet. Aber dann bist du da an der Front, jeden Tag passiert Schlimmes, und du stumpfst immer mehr ab. Die Selbstverständlichkeit, mit der Jünger auch schreckliche Dinge aufschreibt, war teilweise erschreckend. Entsprechend habe ich auch versucht, ihn un- geschönt und unkommentiert zu spielen.

War es schwierig, sich in Jüngers Gedankenwelt und seine Erfahrungen hineinzuversetzen?

Wenn man diese Erlebnisse nicht nur liest sondern nachspielt, Leute erschießt und Hassreden von sich gibt, da muss man hinterher schon innehalten und wieder etwas Distanz gewinnen. Man spürt ja auch diese Faszination von Macht, wenn man mit der Waffe in der Hand durch den Schützengraben läuft und den Befehl hat. Wir erhielten für den Dreh Originalwaffen, mit denen wahrscheinlich im Ersten Weltkrieg wirklich Menschen getötet wurden. Ich war nicht beim Bund und hatte vorher noch nie eine Waffe in der Hand. Das war schon beklemmend.

Inwieweit hat die Rolle Ihre Sicht auf den Ersten Weltkrieg und Krieg im Allgemeinen verändert?

Ich habe vorher sehr wenig über den Ersten Weltkrieg gewusst. Ich kannte die wesentlichen Fakten, aber unsere Serie beschäftigt sich ja mit den realen Personen, die diese Zeit erlebt haben. Das ist auch das Besondere an dem Projekt - dass es mehr um die Menschen geht, Menschen, die nicht mehr leben und durch unseren Film eine Stimme bekommen.

Welche unterschiedlichen Anforderun- gen stellt die Erschaffung eines Charakters vor der Kamera im Gegensatz zur Bühne?

Die Spielweise ist einfach eine ganz andere. Im Theater kann ich viel größer spielen - ich muss schließlich auch die letzte Reihe erreichen -, während es beim Film vor allem darum geht, authentisch zu sein. Gerade in einem Kriegsfilm sind ja die Emotionen sehr intensiv, und die Kamera ist ganz nahe dran an dir. Da darf es nicht zu viel und nicht zu wenig sein.

Beeinflusst sich die Arbeit im Theater und bei Film und Fernsehen gegenseitig?

Absolut. Beim Theater lernst du, extrem schnell zwischen verschiedenen Emotionen umzuschalten, jeder Auftritt kann ganz anders sein. Und einen Film dreht man ja nicht der Reihe nach, sondern manchmal kommt das Ende zuerst und dann etwas aus der Mitte - da ist dieses Umschalten sehr hilfreich. Umgekehrt lernt man beim Film, Präsenz mit minimalen Mitteln zu erzeugen, und das ist auf der Bühne zum Beispiel bei Kammerspielen hilfreich.

Möchten Sie in Zukunft Theater- und Filmarbeit nebeneinander betreiben oder gibt es einen klaren Schwerpunkt?

Mein Herz hängt momentan noch vor allem am Theater, weil es mich am meisten ausfüllt. Gerade, weil ich gern sehr körperlich spiele, was beim Film etwas weniger geht. Aber natürlich möchte ich mich sehr gern auch weiter vor der Kamera ausprobieren. Beides bietet unterschiedliche Herausforderungen, und das ist sehr gut - schließlich lerne ich noch und würde mich nicht als fertigen Schauspieler bezeichnen.

Möchten Sie Dresden als beruflicher wie privater Heimat auf absehbare Zeit treu bleiben?

Ich komme ja aus Radebeul, meine Eltern leben da, und darum war ich natürlich sehr froh, dass es mit der Arbeit hier geklappt hat. Und es macht sehr viel Spaß am Staatsschauspiel Dresden, wo ich kleine wie große Rollen spielen kann. Irgendwann wünsche ich mir schon einmal den Thrill eines ganz fremden Ortes, wo ich noch nie gelebt habe. Aber wenn ich hier noch ein bisschen bleiben darf, dann tue ich das sehr gerne.

"14 - Tagebücher des Ersten Weltkriegs" läuft aktuell auf ARTE, wo die letzten 3 Folgen heute ab 20.15 Uhr ausgestrahlt werden. Ab dem 27.5. wiederholt die ARD die Serie in komprimiertem Format.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.05.2014

Rafael Kühn

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