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Dresdens 2. Cinestrange-Festival mit Ehrenpreisträger Joe Dante

Dresdens 2. Cinestrange-Festival mit Ehrenpreisträger Joe Dante

Horror-Regisseure sind die freundlichsten Menschen der Welt. So wird u.a. mit Verweis auf den gelernten Englischlehrer Wes Craven ("A Nightmare on Elm Street") kolportiert, und Bestätigung findet das Vorurteil auch in Joe Dante, dem diesjährigen Stargast beim 2. Cinestrange-Festival in Dresden.

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Joe Dante beim Fantastic Film Festival in Madrid im Juni.

Quelle: Victor Lerena, dpa

Einen besseren Mittelpunkt hätten sich die Organisatoren nicht in ihr Zirkuszelt am Fuß der Augustusbrücke zaubern können, wo am Wochenende acht Kurz- und sechs Langfilme um die Jurypreise stritten. Cinestrange hat sich dem lebendigen Kontakt zwischen Publikum, etablierten und jungen Filmemachern verschrieben, ohne auf nur ein Genre fokussiert zu sein. Im Festivalprogramm gesellt sich Haifisch-Horror zur Musik-Doku, und der Ehrengast, der im Rahmen der Abschlussveranstaltung mit einem Lebenswerkpreis (und einer Laudatio durch den Filmwissenschaftler Marcus Stiglegger) geehrt wurde, verkörpert selbst die Freude am Stilmix. Dante zitiert in seinem Werk nicht nur den kompletten Genrekanon, sondern verwischt auch hingebungsvoll die Grenzen zwischen den Gattungen - mal zum Schreien gruslig, mal brüllkomisch.

Beim Werkstattgespräch und im Kontakt mit Fans gibt er nicht nur redselig Einblick in den Schaffensprozess, sondern nimmt sich zugleich auf sympathische Art zurück, um die Leistungen seiner Mitarbeiter zu betonen. Dabei hätte Dante, dessen Filme beim Publikum stets besser aufgehoben waren als bei der Kritik, durchaus Grund zur Verbitterung. Im Herbst seiner Karriere ist es - zumal im gegenwärtigen Klima der Filmindustrie - schwerer geworden, Projekte zu realisieren. "Movie Jail" (zu Deutsch: den Filmknast) nennt man diesen Wartesaal, wo Projekte in letzter Minute gekippt und Entscheidungen über Drehbücher von Schlipsträgern gefällt werden, die in der Regel nur eindimensionale 3D-Materialschlachten für 12-Jährige absegnen - Dantes letzter Kinofilm liegt vier Jahre zurück.

Doch auch als Abonnent von Ehrenpreisen verzichtet er darauf, öffentlich seine Wunden zu lecken (wiewohl er sich heute nach eigener Auskunft lieber gepflegt betrinken geht, statt zum 78. Mal "Die Reise ins Ich" im Beisein von Bewunderern zu schauen). Stattdessen hat er mit "Trailers from Hell" eine wunderbare, vergessenen Klassikern des Genrekinos gewidmete Website ins Leben gerufen, stemmt Auftragsarbeiten fürs Fernsehen und erzählt auf Festivals wie Cinestrange aus seiner Werkbiographie: von frühen cineastischen Erweckungserlebnissen, von Lehrlingsjahren beim B-Film-Guru Roger Corman, ersten Gehversuchen im Horrorfilm und seiner Glanzperiode im intelligenten Blockbuster der 1980er-Jahre, der die parallel zu den Wettbewerbsscreenings laufende Retrospektive am Wochenende dominierte: "Gremlins", "Das Tier" und die u.a. gemeinsam mit Steven Spielberg realisierte Hommage an die Gruselserie "Twilight Zone", in der Dante Klein-Anthony, das garstigste Kind der Filmgeschichte, auf die Menschheit los ließ. Dass die mit Tom Hanks und Bruce Dern besetzte, schwarzhumorige Vorstadt-Groteske "The Burbs" (im Deutschen zu "Meine teuflischen Nachbarn" verhunzt), von der Kritik geschmäht, mittlerweile zum Kultfilm avanciert ist, kann der Autor dieser Zeilen aus eigener Erfahrung bezeugen: Bei einem Schulaustausch bekam er ihn von seinen amerikanischen Gastgebern mit der Begründung vorgeführt, wer diesen bitterbösen Film sehe, verstehe auch die USA!

Mit der Abschlussfeier am Sonntagabend endete das Festival, dem man in Dresden nur eine lange Zukunft und eine ebenso gelungene Fortsetzung im kommenden Jahr wünschen kann. Es wäre schön, wenn (wie im Vorjahr) ein Dresdner Kino als Partner und Veranstaltungsort gewonnen werden könnte - dann darf die wohlige Gänsehaut wieder den gezeigten Filmen zugeschrieben werden, und nicht dem herbstlichen Luftzug im Festivalzelt.

@www.cinestrange.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.10.2013

Wieland Schwanebeck

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