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Dresden-Power für den neuen Polizeiruf aus Magdeburg

Dresden-Power für den neuen Polizeiruf aus Magdeburg

Claudia Michelsen weiß noch genau, wie sie Sylvester Groth zum ersten Mal live und in Farbe gesehen hat. Es war 1982 im "Großen Haus" am Postplatz. Sylvester Groth, der gefeierte Shooting-Star jener Zeit, steht vorn auf der Bühne als Don Karlos.

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Claudia Michelsen und Sylvester Groth gehen ab Sonntag in Magdeburg auf Verbrecherjagd. Das neue Ermittlerduo könnte gegensätzlicher nicht sein.

Quelle: Ralf U. Heinrich

Die damals 13-jährige Claudia sitzt im Publikum und hat Herzklopfen. "Was besseres kann einem in der Pubertät gar nicht passieren, was mir damals passiert ist. Diese Inszenierung mit Sylvester und Dagmar Manzel hat mich unheimlich bewegt und geprägt", erzählt Michelsen den DNN.

Damals als Teenager hätte sie sich nicht träumen lassen, dass sie 30 Jahre später zusammen mit Sylvester Groth die Hauptrolle in einem "Polizeiruf 110" spielt. Tut sie aber, an diesem Sonntag zum ersten Mal. Michelsen und Groth bilden ein ganz neues Ermittlerduo, das in Magdeburg Verbrecher jagt. Während der Dreharbeiten sollen auch Anekdoten aus der gemeinsamen Zeit in Dresden nicht aufgespart worden sein. Claudia Michelsen hat hier die ersten 16 Jahre ihres Lebens verbracht. Sie ist die Tochter des Komponisten Udo Zimmermann, den sie allerdings erst mit 15 kurz vor ihrem Weggang nach Berlin zur Schauspielschule kennenlernte. Sylvester Groth kam 1982 nach Dresden, er lebte in der Stadt drei Jahre lang. In dieser Zeit war er am Staatsschauspiel nicht nur als Don Karlos, sondern auch in den Stücken "La Guerra", "Lulu" und "Bruder Eichmann" (alle 1983) sowie in Peter Shaffers "Amadeus" (1985) zu erleben.

Noch heute braucht Groth nicht lange zu überlegen, wenn er nach seinem Lieblingsplatz in Dresden gefragt wird: "Ganz klar, der Blick von den Elbwiesen auf die barocke Altstadt", sagt er. Bei dem Gedanken, dass genau der gleiche Fluss auch durch Magdeburg fließt, sei ihm bei den Dreharbeiten immer wieder "das Herz aufgegangen". Da hören die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Landeshauptstädten aus seiner Sicht allerdings auch schon auf. "Strukturmäßig könnten Dresden und Magdeburg natürlich kaum verschiedener sein. Sachsen hat nach der Wende gut den Anschluss gefunden, während es hier in Sachsen-Anhalt sehr viel größere Probleme mit Arbeitslosigkeit und Abwanderung gibt. In Magdeburg wurde über die Jahre ja auch spürbar mehr dicht gemacht als in Dresden", betont Groth.

Für Claudia Michelsen ist es wichtig, im Polizeiruf eine Geschichte zu erzählen, die zu Magdeburg passt. "Sie soll die Menschen, die hier leben, und ihre Probleme thematisieren", sagt sie. Der zweite Aspekt hat in Sachsen-Anhalt schon lange vor der ersten Ausstrahlung im Fernsehen hohe Wellen geschlagen. Denn der Film "Der verlorene Sohn" gibt tiefe Einblicke in die rechtsextreme Szene, selbst der Sohn von Hauptkommissarin Doreen Brasch (Claudia Michelsen) ist darin verstrickt. Mitglieder der Landesregierung fürchten, dass der neue Polizeiruf mit dieser Themensetzung die Klischees von Nazi-Hochburgen in Sachsen-Anhalt wiederbelebt. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) wurde sogar vorab eine Kopie des Streifens in die Staatskanzlei geschickt. "Der Zuschauer wird am Sonntag darüber entscheiden, ob er die Darstellung angemessen findet oder nicht. Ich selber habe nicht darüber zu befinden, was die Fernsehmacher für Inhalte präsentieren. Da gibt es eine ganz klare Trennung, für die wir zur Zeit der Friedlichen Revolution gekämpft haben", betonte Haseloff auf Anfrage unserer Zeitung.

Ganz unabhängig von der politischen Brisanz spielt der neue Polizeiruf 110 bewusst mit Gegensätzen. Claudia Michelsen verkörpert als Kommissarin Doreen Brasch eine deutsche Lara Croft. Abgebrüht düst sie auf dem Motorrad durch Magdeburg und schreckt auch nicht davor zurück, mit ihrer Maschine Treppenstufen herunterzufahren. Brasch ist impulsiv, überschreitet Grenzen und Gesetze, wenn sie so dem Täter schneller auf die Spur kommt. Sylvester Groth alias Hauptkommissar Jochen Drexler spielt das genaue Gegenteil. Er überprüft jedes, auch scheinbar noch so unwichtige Detail gründlich und achtet stets auf die Einhaltung der Vorschriften. Diese Attitüde hat ihm seinen Spitznamen "Paragraphen-Drexler" eingebracht. Die Chemie zwischen den beiden Ermittlern stimmt von Anfang an nicht. Im konkreten Fall müssen sie sich aber notgedrungen zusammenraufen, denn es gilt den Tod eines Afrikaners in einem Fitnessstudio aufzuklären.

Anfangs scheint klar zu sein, dass der Asylbewerber bei einem Einbruch überrascht und erschossen wurde. Doch bei ihren Ermittlungen stoßen Brasch und Drexler auf immer mehr Ungereimtheiten, bis schließlich der Blick frei wird auf eine in gutbürgerlichen Kreisen vernetzte Neonazi-Szene, in der ein Student die Fäden zieht. "Wir wollen mit unseren Krimis durchaus zur Auseinandersetzung mit unangenehmen Themen anregen", erklärte MDR-Intendantin Karola Wille bei der Vorpremiere des Films in einem Kino in Magdeburg.

iPolizeiruf 110 "Der verlorene Sohn", Sonntag 20.15 Uhr, ARD

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.10.2013

Christoph Stephan

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