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Digitalisierung bietet Filmkunst- und Programmkinos Chancen zur Profilerweiterung

Digitalisierung bietet Filmkunst- und Programmkinos Chancen zur Profilerweiterung

Medienwirksam übergab Sachsens Kunstministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) im August einen Förderbescheid zur Anschafffung digitaler Vorführtechnik an das Dresdner Programmkino Ost.

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Die Betreiber des Programmkinos Ost sehen in der Umstellung auf digitale Vorführtechnik eher eine Chance als eine Crux.

Quelle: Archiv

Die kleinen und mittleren Kinos sollen nicht von der Bildfläche gewischt werden, wenn in Zukunft keine neuen Filme mehr in Form der altbewährten analogen Filmrollen vertrieben werden. Selbst wenn alle derzeitigen Fördermöglichkeiten ausgeschöpft würden, bedeutete diese Umrüstung im Falle des "Ost" nach derzeitigem Stand immer noch einen zusätzlichen Aufwand von rund 100 000 Euro, die erst einmal wieder eingespielt sein wollen, wenn in den kleinsten Sälen gerade einmal 50 oder 60 Zuschauer Platz haben. Das gelegentliche "Schnuppern" am Mainstream wie im Falle von Harry Potter, solche breitenwirksame Streifen wie "Das weiße Band" oder "Nichts zu verzollen", die PK Ost-Betreiber Sven Weser als Crossover bezeichnet, sind bei Kapazitäten von mehr als 500 Plätzen zwar absolut lebenswichtig, aber andererseits liegen in den kleinen und kleinsten Nischen auch große Herausforderungen und Chancen für die Zukunft.

Einerseits betrifft das die für Reihen und Festivals unerlässlichen Reprisen, andererseits den künstlerisch anspruchsvollen oder sozial engagierten Low-Budget-Bereich. Mit der Ablösung der traditionellen Filmrolle bei der Distribution durch wesentlich preiswertere Medien von der aus Gründen der Kopiersicherheit bevorzugten Festplatte, Bluray und künftig den Datenstrom vom Satelliten, wird im Prinzip die gesamte Filmgeschichte ebenso zugänglich wie die weltweite aktuelle Produktion. Weser glaubt allerdings nicht daran, dass die Verleiher mit der Zeit den gesamten historischen Filmbestand digitalisieren werden, und bei vorhandenen Fassungen auf DVD oder Bluray bleibt oft noch das Problem, an die Aufführungsrechte heranzukommen.

Zeigbar sind auch die etwas geringeren Auflösungen in je- dem Fall - und "wesentlich besser als das Vorführen von alten verschrammten Kopien", konstatiert Weser. Hinzu kommt der mehr und mehr geschätzte Vorteil, dass über digitale Träger mehrere Sprachfassungen, auch die originale mit (OMU) und ohne Untertitel (OV), abrufbar sind. Andererseits machen es die Vervollkommnung der Technik und der Preisverfall möglich, dass nach dem Audiobereich nun auch der des Videos für jedermann auf fast professionellem Niveau zugänglich wird. Für das Geld, das man einst für eine gute Super-8-Produktion ausgeben musste, kann man heute locker in Full-HD-Auflösungen drehen; als funktionelle Zugabe können das sogar moderne Spiegelreflexkameras. Ein riesiges Feld des Erkundens und Experimentierens, aber auch ein gewaltiges Paradoxon: Es gibt immer mehr verfügbares Material, das de facto immer weniger Interessenten erreichen wird, wenn sich nichts am eingebürgerten Informationsfluss ändert.

Die Frage ist, wie Filmkunst- und Programmkinos ihr Publikum für die ganze Breite des Angebots interessieren und sich zunächst selbst einmal kundig machen können. Auch wenn im PK Ost nach Bewältigung der mit Umbau und Erweiterung verbundenen technischen Probleme die inhaltliche Arbeit wieder in den Vordergrund rückt, ist Weser in mancher Hinsicht eher skeptisch. So kommt aus seiner Sicht die klassische Filmkritik in den Medien aufgrund der erhöhten Zahl parallel anlaufender Streifen zunehmend "unter die Räder. Leider bleiben oft die für uns interessanten Arthaus-Filme auf der Strecke", beklagt Weser, während er nur schwer nachvollziehen kann, dass eine Tageszeitung, deren Leser sich vermutlich ebenfalls mehr dafür interessieren, dennoch meist die großen Hollywoodfilme bevorzuge.

Zwar werden im Programm-kino statt des sonst oft üblichen "Ex und Hopp" für wichtig oder wertvoll gehaltene Filme be-wusst über vier, fünf Wochen "gepflegt", doch die Wirkung von Mundpropaganda sei doch begrenzt. Es werde eher immer unwahrscheinlicher, dass sich wie aus dem Nichts ein Film zum Kult entwickelt, meint der Kinobetreiber, der als solcher immerhin schon über mehr als zwanzigjährige Erfahrung in Dresden verfügt. Ob soziale Netzwerke im Internet oder andere neue Kommunikationsformen leisten werden, was die Werbebranche den Programm-kinos mehr und mehr versagt, bleibt abzuwarten.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.01.2012

Tomas Petzold

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