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Die Dresdner Daten-Befreier - Neues Wissenslabor soll für Innovationsimpulse durch freien Datenzugang sorgen

Die Dresdner Daten-Befreier - Neues Wissenslabor soll für Innovationsimpulse durch freien Datenzugang sorgen

Lang sind die Gänge im ehemaligen DDR-Kombinat und verwinkelt. Wer sich nicht verirrt, findet Raum Nr. 3021. Hämmert der Besucher lange genug gegen die Tür, wird ihm aufgetan - und findet sich in einem Hauptquartier wieder, das kunstvoll das Klischee der Computerhacker-Zentrale zelebriert.

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Im Hauptquartier des Chaos-Computer-Clubs Dresden haben junge Programmierer ein "Open Knowledge Lab" gegründet. Sie setzen sich dafür ein, dass Behörden und Verkehrsunternehmen ihre Daten frei zugänglich machen, um innovative Services zu ermöglichen.

Quelle: Heiko Weckbrodt

Sofas und Sessel sind mit Notebook-beschoßten Junioren belegt, die Finger wirbeln über die Tastaturen, die Blicke fest auf die Bildschirme gebannt. "-Sourcecode releast- total verbuggt-" - Software-Kauderwelsch durchwabert den Raum, durchmischt vom Duft aus Teig, Tomate und heißer Wurst. Klar: Eine Pizza bäckt in der Küchenzeile.

Einer hat die Faxen dicke, hängt vor dem Großbildschirm ab, der gerade ein Video-Interview mit Chefenthüller Edward Snowden abspult. Auf der Wand gegenüber zeigt derselbe Snowden in "Uncle Sam"-Manier aus einem Plakat: "I want You!". Im Regal nebenan hat jemand liebevoll Guy-Fawkes-Masken, die Symbole der Anonymous-Bewegung, drapiert, darüber steht das "Linux-Vollwaschmittel" parat, umringt von übergroßen 5-1/4-Zoll-Floppies an der Wand.

Als ob eine Laboreröffnung bevorsteht, sieht es im Dresdner "Grand Chaos Head Quarter" des "Chaos Computer Clubs" nicht wirklich aus, aber das neue "OK Lab" konstituiert sich eben aus den Programmen und Internetseiten, die hier gerade entstehen. "Wir wollen Ansprechpartner für Behörden und Institutionen sein und Beispiele entwickeln, die zeigen, was möglich ist, wenn Verwaltungen ihre Daten für die Allgemeinheit freigeben", erklärt Informatiker Robert Wartenberg von der Dresdner "Open Data"-Initiative.

Da dies bisher aber noch die Ausnahme ist, behelfen sich die "Open- Data"-Experten oft noch mit Hilfskonstruktionen: selbstgemachten "Scra- per"-Programmen, die Internetseiten der Verwaltungen abgrasen und so maschinenlesbare Datenbanken aufbauen. Student Morris Jobke zum Beispiel ist aus Chemnitz zur "OK-Lab"-Gründung gekommen, um zu zeigen, wie er über diesen Umweg aus Bau-Meldungen des Rathauses eine sich ständig aktualisierende Baustellen-Karte der Stadt generiert hat.

Jungunternehmer Thomas Skowron aus Dresden wiederum entwickelt in seiner Firma "Lyrk" mit offenen Geo-Daten einen kostenlosen "Interaktiven Reiseführer" für Dresden, der weit mehr Infos bietet als die Klassiker wie Booking.com, Google Maps & Co. Dass ausgerechnet er als Unternehmer bei "Open Data" mitmacht, hat gute Gründe: "Vieles von dem, was hier entsteht, ist nichtkommerziell und kostenlos", sagt er. "Aber Open Data schließt bewusst auch eine kommerzielle Nutzung nicht aus." Denn um aufwendige Projekte zu realisieren, sind die Programmierer auf Spenden angewiesen und da hoffen sie auf Hilfe von Firmen, die durch "Open Data" neue Geschäftsmodelle aufbauen können.

Die DVB stehen nach eigenem Bekunden solchen Projekten aufgeschlossen gegenüber. "Wir sind gesprächsbereit", betont Sprecherin Anja Erhardt. Allerdings liefere die DVB-Leitstelle ihre Fahrplan- und Echtzeit-Fahrinformationsdaten an den Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) und der kümmere sich um das Ansinnen der "Open Data"-Freunde. "Der Verbund bereitet derzeit ein Regelwerk vor, in dem die automatisierte Übergabe solcher Daten geklärt wird", sagte Erhardt. Darin sollen auch urheberrechtliche und technische Fragen geregelt werden. "Das Papier ist aber noch im Abstimmungsprozess."

@Mehr Infos: computer-oiger.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.04.2014

Heiko Weckbrodt

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