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Der 19. Februar bei Twitter: Unmut, ein wenig Weltgeltung und Justin Biber

Der 19. Februar bei Twitter: Unmut, ein wenig Weltgeltung und Justin Biber

An einem Tag, an dem sich die Lage so unübersichtlich gestaltet wie am 19. Februar in Dresden, kommt einem Medium wie dem Kurznachrichtendienst Twitter schon in der Theorie eine besondere Bedeutung zu.

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Quelle: Screenshot

Das war in der Praxis auch am Samstag nicht anders. Wie auch schon eine Woche zuvor ratterten im Minutentakt hunderte Tweets über den Äther.

Dabei hielten sich die Rechtsextremisten in gewohnter Weise zurück. Bis auf einzelne, die vor allem mit Falschmeldungen und überhöhten Aktivistenzahlen in die Irre führen wollten, lief die Kommunikation offensichtlich über andere Kanäle.

Ganz anders die Gegenseite. Bereits am Morgen glühten die Drähte, zunächst um ganz grundsätzliche Informationen auszutauschen, wie etwa die Telefonnummern für Info, medizinische Hilfe (offenbar reisen eigene Sanitäter mit zu den Protestaktionen) oder den Ermittlungsausschuss bei Festnahmen. Andere sprachen den Demonstranten Mut zu und Dank aus. „Ich denke an alle in Dresden & danke ihnen auch dafür, dass sie alle ein so deutliches Zeichen gegen Nationalsozialismus setzen!"

Wie in der Vorwoche mahnten Besonnene zum friedlichen Protest. „Leute, ihr könnt auch demonstrieren, ohne was anzuzünden", schrieb ein User, als die ersten Meldungen von brennenden Blockaden die Runde machten. „Liebe Dresdener! Macht eure Gegendemos zu Straßenfesten, so wie es bei uns in Leipzig Tradition ist. Bleibt bitte friedlich!", erinnerte ein anderer User, der offenbar in der Messestadt schon Erfahrungen bei Aufzügen der rechten Szene gesammelt hatte. Immer wieder twitterten Besorgte auch einfach: „Achtet aufeinander!"

Bei vielen Usern herrschte indes sogar eine Art Galgenhumor. „Ihr könnt nachher ohne Bedenken zur Demo auf dem Schlossplatz in Stuttgart kommen. Die Wasserwerfer sind in Dresden", konnte ein Schwabe dem Chaos an der Elbe sogar etwas Positives abgewinnen. „Beheizbare Schuhsohlen sind übrigens gut gegen Nazis und gegen Castoren. Zumindest für Frostbeulen wie mich", freute sich ein anderer User über seine jüngste Anschaffung.

Unmut herrschte dagegen beim Blick auf die mediale Berichterstattung zum 19. Februar. Während der Hashtag #19februar zu den weltweiten Twitter-Topthemen des Tages gehörte, fehlte vielen das Echo in den überregionalen Medien. Während die Washington Post online einen Artikel zu den Vorgängen in Dresden veröffentlichte, beschwerten sich Aktivisten vor Ort: „N24 bringt Nachrichten. Aber scheinbar keine Aktuellen - kein Wort über #Dresden und #19februar." Offenbar brachte auch ein Anruf eines User bei der ARD keinen (kurzfristigen) Erfolg: „Bei Nachfrage bei der ARD, kommt nur die Frage: Warum, was ist denn da?" Ein User nutzte die Gelegenheit für ein Pro-Twitter-Statement: „Wenn man sich das Twittergewitter zu #19februar anschaut und die Null-Berichterstattung im TV, erkennt man, wie wichtig Twitter ist."

Dass es auch Nachteile hat, zu den „Trending Topics" beim weltweit größten Kurznachrichtendienst zu gehören, stellte sich am Samstagmittag heraus. Denn zu diesem Zeitpunkt verfielen auch Heerscharen junger Damen dem Hashtag #19februar. Allerdings aus anderen Gründen: Sie feierten ein wie auch immer geartetes Jubiläum ihres Lieblingspopstars Justin Biber und mokierten sich über die unwissenden Deutschen, die dem Hashtag vergessen hatten ein „y" anzuhängen.

Antje Henselin-Rudolph

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