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Das Leben und der Mensch - Dresdner Schauspieler Rolf Hoppe im Interview

Das Leben und der Mensch - Dresdner Schauspieler Rolf Hoppe im Interview

Auch nach einer Jahrzehnte umspannenden Karriere auf Bühne und in Film und Fernsehen ist Rolf Hoppe nach wie vor schauspielerisch aktiv und agiert aktuell in "Ohne Dich", dem Debütspielfilm des Münchner Regisseurs und Drehbuchautors Alexandre Powelz.

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Ein Moment heiterer Besinnlichkeit: Hoppes Vater Hans mit Schwiegersohn Marcel (Charly Hübner) und Pflegerin Astrid (Anna Böger).

Quelle: © ophir film GmbH/ Volker Roloff

Im mit Abstand stärksten Segment des eher unnötig episodisch verschachtelten Films spielt Hoppe den Vater der krebskranken Katja Riemann und fügt sich nahtlos in ein lebensecht agierendes Ensemble ein. Mit Rafael Kühn sprach der Schauspieler am Rande der Aufführung in der Dresdner Schauburg über die Themen des Films, seinen Beruf und seine Wahlheimat.

Frage: Was hat Sie an dem Filmprojekt "Ohne Dich" und Ihrer Rolle darin gereizt?

Rolf Hoppe: Mich reizt, unabhängig von dem Film, immer der Mensch, den ich zu spielen habe. Wenn der dann so wenige Szenen hat, von sich zu erzählen, interessiert mich das besonders - mit wenigen Worten eine ganze Figur zu zeichnen, das ist eine spannende Herausforderung.

Wie unterscheidet sich die Arbeit auf einem Filmset im Jahr 2014 von, sagen wir, Dreharbeiten im Jahr 1984?

Da gibt es gar keinen so großen Unterschied. Man sagt immer, heutzutage wäre weniger Zeit, würde schneller und kürzer gedreht. Das kann ich nicht bestätigen. Solange ich vor einer Kamera mitspielen darf, gibt es immer genug Zeit, um der Figur gerecht zu werden.

Wie beurteilen Sie die Bandbreite der heutigen deutschen Film- und Fernsehlandschaft?

Mich interessiert, dass das Lachen hier einen festen Platz hat. Denn je humorvoller man auch ein ernstes Thema erzählt, desto besser ist das in meinen Augen. Aber für eine Beurteilung der ganzen deutschen Filmszene fehlt mir der Überblick - da bin ich zu sehr auf die Schauspielerei fokussiert. Ich bin jetzt 83 Jahre alt, aber bekomme noch immer Rollen angeboten. Viele sind es nicht mehr, aber interessante Figuren sich nach wie vor dabei.

Manche ihrer Kollegen haben sich mittlerweile in den Ruhestand verabschiedet. Wäre das für Sie vorstellbar oder ist das Schauspiel zu sehr Passion?

Ich hatte mir vorgenommen: Wenn ich 80 werde, hör ich auf. Aber das betrifft nicht die Filmerei - nur das Theater, dort habe ich das auch gemacht. Am Hoftheater bin ich zurückgetreten, meine Arbeit dort beschränkt sich darauf sicherzustellen, dass es weiter existiert. In Filmen, wenn die Rolle gut ist und ich keine Angst habe vor den Menschen, die sich da treffen, spiele ich nach wie vor sehr, sehr gerne. Als nächstes drehe ich in Irland für die Ken-Follett-Verfilmung "Die Pfeiler der Macht". Darauf freue ich mich schon.

Auf den Filmtitel "Ohne Dich" Bezug nehmend - wen oder was möchten Sie in Ihrem Leben nicht missen?

Die Tatsache, dass ich meine Frau kennengelernt habe, meine Kinder - und dass ich auch in meinem Alter noch spielen kann. Es gibt natürlich auch Dinge, die ich missen möchte. (lacht) Ich würde im Nachhinein schon einiges anders machen - glaube ich jedenfalls.

Das Segment, in dem Sie im Film agieren, behandelt die Themen Krankheit, Alter und Sterblichkeit. Glauben Sie, dass diese Dinge in der heutigen Gesellschaft zu sehr verdrängt werden?

Ich finde, das ist ja alles ein Thema: Das Leben und der Mensch. Es wäre schon schön, wenn der Mensch hier und da mehr im Mittelpunkt stehen würde und nicht so sehr das Geld. Die Frage nach dem Umgang mit dem Tod halte ich für eine sehr persönliche, und ich weiß gar nicht, ob das Thema so sehr in die Öffentlichkeit gehört.

Welche Dinge sind Ihrer Auffassung nach am besten angetan, oder welcher Blickwinkel ist am geeignetsten, um dem Tod seinen Nimbus zu nehmen?

Für mich hat der Tod keinen Schrecken. Wenn ich lebe, muss ich irgendwann sterben - das ist das Normalste von der Welt. Ich dachte erst gestern: Du hast ein erfülltes Leben gehabt, du hast lange leben können, deine Kinder sind gesund und auf einem guten Weg. Ich bin da schon sehr zufrieden mit allem.

Sie leben seit nunmehr 53 Jahren in Dresden. Wie kam es zu dieser Verwurzlung als Lebens- und Schaffensort?

Erst mal habe ich in Dresden ein Engagement und eine Wohnung gefunden, und dann gingen die Kinder hier zur Schule - so führte eins zum anderen. Ich fühle mich in Dresden einfach wohl. Ich habe keine andere Stadt gefunden, in der ich so gern hätte leben wollen.

Hat sich Dresden im Laufe der Zeit verändert, oder ist es von Lebensart und Atmosphäre das gleiche geblieben?

Ich finde, die Stadt hat sich zum Positiven verändert. Die Beziehung zwischen mir und den Menschen hier ist dabei immer noch sehr stark. Dresden hat ja nicht nur den Ruf, sondern es ist eine Tatsache, dass es seine Schauspieler mag. Das ist vielleicht höchstens noch mit Wien vergleichbar. Und das ist mir als Schauspieler natürlich sehr angenehm.

"Ohne dich" läuft in der Schauburg.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.09.2014

Rafael Kühn

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