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Das 25. Kurzfilmfest Dresden beginnt am Dienstag und bietet knapp 70 Kurzfilme

Das 25. Kurzfilmfest Dresden beginnt am Dienstag und bietet knapp 70 Kurzfilme

Vor dem Vergnügen kommt die Arbeit, das funktioniert beim 25. Filmfest Dresden nicht anders. Eine zehnköpfige Sichtungskommission hat monatelang Filme geschaut, um aus über 2500 Spiel- und Animationsfilmen knapp 70 Kurzfilme rauszusuchen, die vom 16. bis zum 21. April im Nationalen (NW) und Internationalen Wettbewerb (IW) laufen werden.

Sehr abwechslungsreich sei die Mischung gelungen, fasst Stephan Raack vom Thalia Kino, der über 1000 Filme gesichtet und bewertet hat, die Auswahl zusammen. Eine kleine Vorauswahl lässt vermuten: Auch 2013 ist nicht das Jahr der großen Komödie im kleinen Format.

Aus den Niederlanden kommt der knapp elfminütige Film "Code A1" (2012), dessen Szenen rückwärts aneinandergeschnitten sind und einen Einsatz von Rettungssanitätern verfolgen. Sven Voigt (IW) habe diesen Film nachts um halb drei gesehen, zwischen 50 anderen und trotzdem sei er hängengeblieben. Regisseur Rolf van Eijk nahm sich Christopher Nolens Film "Memento" als Vorbild und wickelte eine Geschichte anders herum auf die Filmspule, eine engagierte Geschichte, die - chronologisch erzählt - allerdings keinen vom Kinosessel reißen würde. Eine ganz eigene Erzählperspektive findet dagegen der brasilianische Regisseur Amir Admoni in seinem Animationsfilm "Linear" (2012). Er widmet sich laut Sichtungsmitglied Danny Mellenthin (IW) den kleinen, oft unsichtbaren Leuten, von denen es abhängt, dass alles glatt läuft. Das ist hier wörtlich zu nehmen, denn im Film zieht ein klitzekleines Männchen in orangener Arbeitsjacke einen dicken, weißen Mittelstrich über die stark befahrenen Straßen von São Paulo. Dass dieser Job nicht so einfach ist, vermittelt Admoni in wunderbar vergrößerten Alltagsbildern, die er mit Humor animiert.

Nur scheinbar lustig funktioniert die Fiktion im deutschen Beitrag "Das Geschenk" (2013) von Marie-Josephin Schneider, in dem sich ein geprügeltes Kind in eine idyllische Indianerwelt träumt, bis im Traum auf einmal Winnetou und Old Shatterhand zu seinen Eltern werden und sich zurück in seine schreckliche Wirklichkeit streiten. Jörg Polenz (NW) und seine Kollegen befanden den Film als einfach und gut gemacht, mit einer klaren Botschaft. Der Besucher rutscht dabei allerdings tiefer in seinen Sessel und hofft, dass der nächste Beitrag die Stimmung wieder aufhellt.

Die Animationsfilme sind dafür oft gut geeignet. Da ist ein alterndes Männchen, das mit seinen Neurosen vor allem, was lebendig ist, dem Tod die Arbeit schwer macht (der Puppentrickfilm "Zurück auf Schwarz" von Sonja Gebhardt, 2010, im Programm der Mitteldeutschen Filmnacht) oder der Animationsfilm "Snail Trail" (2012) von Philipp Artus, der in einer ästhetischen Komposition aus Spiralen, Farben und knisternden Sounds die Lebenskurve nachahmt. Der Dauerschleicher Schnecke als Vorreiter der Evolution, von Mandy Müller (NW) für den Wettbewerb vorgeschlagen.

Die aktuellen Filme haben auch ihn wieder dabei: den Gevatter Tod, der im letzten Jahr gleich mehrere Goldene Reiter abkassierte. Aber immerhin kommt er dieses Jahr auch mal komisch daher. Es muss ja nicht immer gleich tödlich enden, nur weil ein Knochenmann mit einer Sichel durchs Bild läuft. Qualitativ sind alle Filme zweifelsohne auf hohem Niveau, einige gewannen schon in anderen Wettbewerben erste Preise, andere werden hier zum allerersten Mal gezeigt. Doch nicht jeder bleibt aufgrund von schrägen Bildern hängen. Bei "Mr. Xu" (2012) von Isabell Heimerdinger zum Beispiel muss man sich erst einmal hinein wursteln, in einen unauffälligen Familienalltag in Peking, der plötzlich Fahrt aufnimmt, weil der Vater mindestens zwei Familien hat. Der Film schwenkt vom Quasi-Dokumentationsstil zum Fiktionalen und zurück, die Kamera fängt Bilder aus einer uns so fremden Kultur ein und zeigt doch die ewig gleichen Rituale des Zusammenseins, in Mr. Xus Fall eben gleich mehrfach.

Neben den Wettbewerben konzentriert man sich im Jubiläumsjahr auf die Retrospektive, zeigt das alte Dresden und noch ältere Animationsfilme aus Deutschland oder Tschechien. Im Fokus-Programm stehen wie immer mehrere Länder, darunter Griechenland und Portugal, mit der Mitteldeutschen Filmnacht auch die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Dazu gibt es noch weitere Sonderprogramme, Seminare und die Möglichkeit, sich über das Filmemachen auszutauschen. Nah und fern, alt und neu, realistisch und fiktiv - am Ende entscheidet der Wille zur Abwechslung, ob die 25. Ausgabe des "International Short Film Festival" ein Sitzvergnügen wird oder eine Pein für den Po. Im Sinne der Abwechslung und der Retrokultur hat in diesem Jahr schon mal ein Dresdner Designer aus alten Filmfestbannern kleine und große Tragetaschen zusammengenäht. Wem das nicht Retro genug ist, der lässt sich am Ende eines langen Kinotages noch einen Eierlikör vom Thalia-Chef persönlich einschenken.

iwww.filmfest-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.04.2013

Juliane Hanka

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