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Das 25. Dresdner Filmfest startet im April und wirft bereits seine Schatten voraus

Das 25. Dresdner Filmfest startet im April und wirft bereits seine Schatten voraus

Beim Jubiläum geht es auch um die kulturelle Institution, die das "International Short Film Festival" inzwischen geworden ist. Denn als man im März 1989 mit dem Filmfest begann, war nicht abzusehen, dass es sich länger halten würde als die DDR. Der damals dafür verantwortliche Organisator hieß Jörg Polenz, heute eher bekannt als Macher der Filmnächte am Elbufer.

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Ate Fassade und HipHop: Geschichten aus dem Ghetto Neustadt. Ausschnitt aus dem Animationsfilm "In my neighborhood".

Quelle: Filmfest

25 Jahre Filmfest Dresden. Polenz, gerade 26 Jahre alt, war kulturpolitischer Mitarbeiter der Stadtbezirksverwaltung Dresden Süd und langweilte sich im Amte sehr, auch, weil ihm niemand sagen konnte, was genau er dort eigentlich machen sollte - außer Kaffeetrinken. Er und sein Team erfanden dann einfach das erste, nicht staatlich kuratierte Filmfestival der DDR.

Das "Filmfest Süd" wurde allerdings noch vor seiner Durchführung verboten und durch offizielles Material aus der Bezirksfilmdirektion ersetzt. Wer von den Gästen aber fragte, was mit den ursprünglichen Festivalfilmen passiert war, der konnte nachts zur illegalen Vorstellung gehen und Regimekritisches sehen. Jörg Polenz kostete diese Aktion seinen Verwaltungsjob. Nur ein Jahr, aber ein System später galt er als revolutionärer Geist hinter dem Festival, dessen Fokus sich schnell änderte. Der Feind hieß nun Hollywood. Man war gegen Kommerz und Amerikanisierung des deutschen Kinos, man zeigte westdeutsche Autorenfilme und einige DDR-Erstaufführungen, war politisch. Man konnte auch gar nicht anders, wenn man dagegen sein wollte.

Der revolutionäre Geist von einst trägt seine Haare jetzt kurz und grau, Polenz ist nun nur noch in der Sichtungskommission des Nationalen Wettbewerbs. Seit 2011 dirigiert das Frauentrio Katrin Küchler, Alexandra Schmidt und Karolin Kramheller (in diesem Jahr aus der Halbentfernung eines Elternjahres) das Kurzfilmfestival. Doch im Pressegespräch äußert Polenz klare Worte zum Kulturgefälle. Er erzählt von den schlechten Bedingungen für bedeutsame Veranstaltungen wie das Filmfest. "Der Kampf ums Geld war damals frustrierend und daran hat sich bis heute nichts verändert." Er teilt im Verlauf des Gesprächs noch ein paar Mal in Richtung Dresdner Kulturpolitik aus und macht den Vorschlag, die Stadt solle doch das Geld "halbe-halbe mit den Musikfestspielen" aufteilen. Die Unterstützung fürs Filmfest beliefe sich dann, statt der tatsächlichen 100 000 Euro, auf stolze 1,2 Millionen.

Was Polenz polemisch raushaut, bekräftigt Organisatorin Katrin Küchler im Anschluss noch einmal. "Zwar hat die Stadt zum Jubiläum die Fördersumme leicht erhöht. Aber es ist nervenzerreibend, wenn man ungefähr 20 Anträge stellen und immer bangen muss, ob sie bewilligt werden." Vier feste und viele freie Mitarbeiter haben ein Jahr lang gut zu tun, um das spartenreiche Haupt- und Sonderprogramm des Filmfests aufzustellen. Die endlose Verwaltungsarbeit verkompliziere den ohnehin schon straffen Zeitplan. Küchler träumt von einer Mehrjahresförderung, so eine Projektförderung, wie sie der Scheune e.V. gerade bekommen hat, um auch mal längerfristig planen zu können. Bislang ermöglichen private Sponsoren, dass es so vielfältig weitergeht.

Bei wenig rosigen Zukunftsaussichten lenkt man den Blick lieber nach hinten. Einige Filme der Retrospektiv-Reihe "5x5" (fünf Tage, fünf Events) zeigen alte Aufnahmen von bröckelnden Altbauten, Trabbis und Plattenbauten, Menschenmengen vor leeren Innenstädten und eine Elbe, die das alles seelenruhig an sich vorbeiziehen lässt. Unterlegt sind die Filme mit auffallend unterhaltsamer Musik, mal ist es Hip Hop, der vom Ghettoleben erzählt, und mal elektronisches Geplucker, das die grauen Alltagsszenen bepulst. Dieses Jahr wird ausnahmsweise auch mal ein Langfilm gezeigt. "Das alte Lied" handelt von einer enteigneten Familie, die nach der Wende zurück nach Dresden kommt und ihr Haus zurückhaben will. Der Streifen gilt als erster Dresdner Nachwendefilm.

Die beiden Kernstücke des Festivals - der Nationale und Internationale Wettbewerb (NW/IW) - sind noch in Filmkisten verschlossen. Insgesamt gibt es ein paar Filme weniger als im letzten Jahr, dafür sind sie im Durchschnitt länger und darunter sind mehr Weltpremieren. Auch ein Berlinale-Film vom letzten Jahr geht in den IW. Engin Kundaerzählt in "Ararat" von einem Deutschtürken, der in seiner ehemaligen Heimat nur auf Fremde und Unverständnis stößt.

Auch in diesem Jahr sei die Auswahl wieder einigermaßen schwermütig, so Polenz, besonders im deutschen Wettbewerb. Im letzten Jahr gewannen immerhin drei Filme übers Sterben die Goldenen Reiter. Warum das so ist? "Die Komödie ist ein schwieriges Genre für Deutsche." Jörg Polenz muss es wissen, er hat schließlich in seinem anderen, dem großen Kino an der Elbe ein paar von den deutschen Komödien im Programm und die haben entweder Til Schweiger oder Matthias Schweighöfer zur Hauptfigur. Kann man nur hoffen, dass sich das Filmfest wieder etwas sucht, wogegen es anspielen kann.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.03.2013

Juliane Hanka

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