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Das 25. Dresdner Filmfest ist Geschichte

Das 25. Dresdner Filmfest ist Geschichte

66 Wettbewerbsfilme und ein reichhaltiger Rahmen im Geiste des Jubiläums - der 25. Jahrgang des Dresd-ner Kurzfilmfest ist Geschichte - und zwölf Filmteams wurden bei der kurzweiligen Preisgala am Sonn-abend im Kleinen Haus mit Reitern oder Geld belohnt.

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Szene aus "Flucht nach vorn", dem besten deutschen Kurzspielfilm, mit Gerdy Zint als Wolf.

Quelle: Filmfest

Nur bei der Zuschauerbilanz schlug der warme Frühlingseinbruch just zum Start am Dienstag ein Freiluft-Schnippchen, so dass die Organisatoren mit der Vorjahreszahl von 16500 Besuchern rechnen.

Wer sich nach der Eröffnung für das erste Programm des Nationalen Wettbewerbs entschied, traf gleich ein gute Wahl: Er hatte drei der sieben später prämierten Filme schon gesehen, auch beide Jury-Hauptpreise. Nur dass "Achill", eine privat-philosophische Animationsmischform von Gudrun Krebitz über das Gute der Unschärfe beim Sehvermögen an der Persönlichkeitsentwicklung junger Frauen, als bester seiner Art gekürt werden würde, kam leicht überraschend. Mit "Toteninsel" von Vuk Jevremoic, "Snail Trail" von Philipp Artus oder "Wind" von Robert Löbel lauerte große Konkurrenz. Die beiden letzteren gewannen dafür anderweitig: Artus den "Universal Music Promotion Award" und Löbel den DEFA-Förderpreis. Dies passt besonders gut, denn Robert Löbel, der in Hamburg studiert, ist gebürtiger Dresdner, also als weitläufiger Nachfahre der leicht verblichenen lokalen Trickfilmära zu bezeichnen. Und: Er erzählt zudem in seiner "Wind"-Animation eine witzige, komplett abstrakte Geschichte, in der es nicht an Tiefe fehlt.

Der eigentliche Hauptpreis, der zehnte Preis des sächsischen Kunstministeriums, der 20000 zweckgebundene Euro offenbart, ging an "Das Geschenk" - eine zwölfminütige Fa-milientragödie der Berlinerin Marie-josephin Schneider. Sie zeigt beeindruckend bedrückend, wie prägend gewalttätige Familienbande wirken. Vorjahresgewinner Philipp Döring gewann 2013 locker den nationalen Publikumspreis - auch dies zurecht, weil mit relevantem Stoff. Ohne großen Aufwand, aber mit sehr guten Spielern erzählt er in einer perfekt gefühlsgekühlten Behördenatmosphäre die steten, nur per feiner Mimik angedeuteten Stimmungswandel zwischen einem jungen, hoffnungslosen und inzwischen getrennten Paar und dem eingespielten, aber leider kinderlosen Eheteam, dem das Kind zur familiären Vollendung fehlt. Dort ist auch die seltene Form des ausgespielten Dialoges zu sehen: Das spannungsgeladene Männergespräch zwischen Max Mauff und Christian Erdmann hat Qualität in Inhalt wie Form. Das Beste bekannte Döring zum

Schluss: Das Vorjahrespreisgeld harrt dank guter Planung noch komplett der Leinwand-Umsetzung auf dem Konto.

Völlig verdient auch der Preis für den besten deutschen Kurzspielfilm an "Flucht nach vorn": Der neunminütige, sehr dynamische Frauenknasteinbruch von Gerdy Zint als kleinkriminellen, schwer zu zügelnden Wolf, der seiner abholden Vicky als Zeichen seiner unendlichen Liebe nur den Mops in die Zelle bringen will, hat jenen Witz und die dramaturgische Stringenz, die es braucht, um den ganzen Kinosaal zum Toben zu bringen. Dieser Film von Florian Dietrich beendete als würdiger Höhepunkt der zweiten Preisträgerrolle das Filmfest am Sonntagmitternacht in der Schauburg.

Der Trend der letzten Jahre, immer öfter die Kurzfilmschmerzgrenze von knapp dreißig Minuten auszureizen und sich damit einen Großteil der Programmzeit zu ergattern, wird zum Glück von den Erwachsenenjurys nicht sonderlich goutiert. Dass eine sympathische Präsenz durch das Filmteam live im Saal nicht nur für den Publikumspreis förderlich ist, kann niemand bestreiten. Auffällig dabei: Die Unsicherheit über das Beschreiben künftiger Projekte. Der Gedanke an den nächsten Film scheint erst nach Preisgeldern, oft die einzige Refinanzierungsquelle, erquicklich. Insofern waren die 64 250 Euro, die im Jubiläumsjahrgang in die Hände der Filmemacher gerieten, nicht nur Glücks-, sondern auch ein Kreativquell.

Ansonsten muss sich das Filmfest, welches - dank der Gnade der frühen Ausgeburt im letzten echten DDR-Frühling - die kommende 25-Jahre-Wende-Welle einläutete, im zweiten Vierteljahrhundert nicht neu erfinden. Die Verankerung in der Neustadt und die Einbeziehung der modernen Ostkinohochburg funktioniert - und man darf in den nächsten Jahren gespannt sein, ob und wie das Thema Eurokrise durchschwappt, denn gewöhnlich geschieht dies schneller und schräger als bei den Etablierten.

@www.filmfest-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.04.2013

Andreas Herrmann

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