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DNN präsentieren Festival Nordlichter XII im kino im dach

DNN präsentieren Festival Nordlichter XII im kino im dach

Weit draußen im Atlantik, wenigstens ein bisschen südlich des Polarkreises, befindet sich die abgelegene Vulkaninsel Island. Das letzte Land Europas, das von Menschen besiedelt wurde.

Am Rande der bewohnbaren Welt gelegen, scheint es auf den ersten Blick hart und unwirtlich. Hier findet man geradezu dramatische landschaftliche Gegensätze: strahlend weiße Gletscher, rabenschwarze Sandwüsten und dazwischen saftig grüne Vegetation.

Hier spielt das Roadmovie "A anan veg" ("Der andere Weg") von Hafsteinn G. Sigurdsson. Zwei Bauarbeiter bessern im Nirgendwo der Vulkanlandschaften im Auftrag des Straßenbauamtes Landstraßen aus und markieren deren Mittelstreifen. Der Film zeigt voller lakonischer Dialoge, wie zwei unterschiedliche Charaktere aufeinanderprallen. Einer ist Freddi, dessen Leben um Alkohol und Frauen kreist, woran in der Einöde hier draußen aber nicht zu kommen ist. Ein Wochenendtrip in die Stadt soll für die Entbehrungen entschädigen, doch Freddi kehrt mit einem Veilchen und einer für seinen zehn Jahre älteren Partner Finnbogi fatalen Botschaft zurück. Dieser Streifen, im Original mit englischen Untertiteln, heimste den Baltischen Filmpreis der Nordischen Filmtage 2011 in Lübeck ein.

"Der andere Weg" ist einer von fast einem Dutzend Filmen, die zwischen dem 8. und 14. Dezember im Rahmen des von den DNN präsentierten Festivals "Nordlichter XII" im kino im dach zu sehen sind. Auch in diesem Festivaljahrgang werden Filme gezeigt, die in deutschen Kinos noch nicht laufen oder es - weil sie keinen Verleih fanden, der sie hätte ins Rennen schicken können - noch nie taten. Und wenn sie denn in Deutschland zu sehen waren, dann in der Regel auf Festivals - wie den Nordischen Filmtagen in Lübeck -, die sich ganz auf die Präsentation von Filmen aus dem Norden und dem Nordosten des Kontinents spezialisiert haben. Sie sorgen dafür, dass hiesige Zuschauer von oft spannenden Tendenzen und singulären Ereignissen der Weltkinematografie nicht gänzlich abgeschnitten sind.

Auch 2011 wird, veranstaltet vom Filmverband Sachsen e.V., im Dresdner kino im dach der Beweis angetreten, dass das skandinavische Kino mehr zu bieten hat als melancholische Kommissare, schweigende Finnen und dänische Dogmatiker. So setzt man auf tragikomische Geschichten zu Themen wie etwa Familienbande ("King's Road" von Valdis Oskarsdóttir aus Island mit Daniel Brühl), mit dem das Festival am morgigen Donnerstag, 20.15 Uhr, auch eröffnet wird (vorher gibt es ab 19.30 Uhr noch einen kleinen Empfang). Rolf Kristian Larsen muss sich in dem Film "Ich reise allein", der mit einer gehörigen Portion Humor gründlich auseinandernimmt, was allgemein Familie heißt, mit dem Resultat eines One-Night-Stands auseinandersetzen, das da plötzlich in Gestalt der siebenjährigen Charlotte Isabel vor seiner Tür steht.

Im von Anton Tschechows Bühnenstück "Iwanow" inspirierten Film "White Night Wedding" des isländischen Regisseurs Baltasar Kormákur steckt Jon, ein Professor mittleren Alters, mitten in den Vorbereitungen für seine zweite Hochzeit. Diesmal heiratet er eine Frau, die nur halb so alt ist wie er und eine ehemalige Studentin von ihm. Dann laufen aber einige Dinge völlig aus dem Ruder, vor allem lässt seine Ex-Frau Jon emotional ebenso wenig los wie seine Befürchtungen bezüglich der anstehenden Hochzeit. Als die Gäste eintrudeln, bekommt Jon kalte Füße. Nach einer langen Nacht des Trinkens und Denkens muss er eine Entscheidung fällen.

Auch ernste, spannende und eigenwillig-skurrile Inhalte kommen nicht zu kurz. Um "Außenseiter" geht es in dem Film "Shamless", um fragwürdige "Erziehungsmodelle" in dem dänischen Film "Experiment" von Louise N. D. Friedberg. Der Streifen basiert auf einem Menschenversuch, der in den 1950er Jahren tatsächlich stattgefunden hat: Eine Gruppe grönländischer Kinder wurde damals ihren Eltern entrissen und nach Dänemark zu Pflegefamilien gebracht. Dort blieben die Kleinen ein Jahr, ehe der dänische Rabenvaterstaat sie in die Heimat zurückbrachte. Allerdings nicht zu ihren Angehörigen, sondern in ein Pflegeheim. Ziel des Ganzen: Dank ihren Erfahrungen in Dänemark sollten die Kinder unter dem Motto "Ein Land - ein Volk - eine Sprache" zur "Elite" Grönlands herangebildet werden. Das Experiment scheiterte: Die Kinder verlernten in der Fremde ihre grönländische Muttersprache, wurden weder in Dänemark noch in Grönland akzeptiert und litten teilweise ein Leben lang unter der Entwurzelung.

Vielleicht der Höhepunkt des Festivals: "King of Devil's Island", der diesjährige Abräumer bei den 53. Nordischen Filmtagen Lübeck, wo er sowohl mit dem Publikumspreis als auch mit dem Preis des NDR bedacht wurde. Der Streifen mit Stellan Skarsgard in der Hauptrolle erzählt die Geschichte einer Rebellion auf einer Gefängnisinsel vor Oslo im Jahr 1915. In einer dortigen Erziehungsanstalt wachsen einige Jungen unter grausamen Umständen heran und werden zu einer eingeschworenen Gemeinschaft.

Auch drei Kurzfilme von den Färöer-Inseln sind zu sehen. Am Sonntag flimmert der Stummfilm "Segen der Erde" aus den Jahr 1921 über die Lein- wand, für den damals eigens eine Musik komponiert wurde. Vor kurzem erst ist sie rekonstruiert worden. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch des norwegischen Literaturnobelpreisträgers Knut Hamsun und zeigt grandiose Bilder der Landschaft und vergangenen Lebenswelt Norwegens.

Christian Ruf

Die Filme laufen im Original, meist mit deutschen, hier und da aber auch mit englischen Untertiteln. Weitere Infos im Internet unter: www.kino-im-dach.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.12.2011

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