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Bernhard Reuther, Betreiber des Kinos im Dach, bekommt heute auf der Berlinale den "Manfred Salzgeber Preis"

Bernhard Reuther, Betreiber des Kinos im Dach, bekommt heute auf der Berlinale den "Manfred Salzgeber Preis"

Wer Bernhard Reuther als Print-Journalist gegenübersitzt, ist auf eine Art wohl froh, nicht beim Hörfunk oder Fernsehen zu arbeiten. Denn der Kinobetreiber ist ein Zurückhaltender seiner Zunft, ja, fast schon ein Stiller.

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In diesen Polstern ist gut sehen: Bernhard Reuther in seinem Kinosaal.

Quelle: Frank Grätz

Einer, der es partout nicht mag, sich zu produzieren. Der es nicht einmal kann. Und das, wer wüsste es nicht, ist wunderbar! Wäre er anders, hätte er alles, nur nicht seit über zwölf Jahren das kino im dach im Osten von Dresden. Das k.i.d auf der Schandauer Straße ist Bernhard Reuthers Kind.

Reuther ist gebürtiger Dresdner und sieht "seine" 98 Sitzplätze natürlich am liebsten voll besetzt oder zumindest gut gefüllt. "Für den Zuschauer", so der 33-Jährige, "kann es eigentlich nichts Besseres geben, als in einer solchen Stadt zu leben." Er meint gerade auch den Programmkinosektor, der über Jahre hinweg stabil, aber zugleich umkämpft ist, trotz einer erstaunlich grundsolidarischen Haltung der Betreiber untereinander.

Reuther als Ein-Saal-Chef am Stadtrand bekommt seit jeher den rauen Wind der Branche besonders zu spüren. Jammern aber hört ihn keiner. Wenn er sagt, dass "es immer wieder kleine Filme geben wird, für die es sich zu kämpfen lohnt", ist das keine Attitüde, sondern Überzeugung. Oft spricht er dabei von der Balance, die es im Programm zu finden gilt. Bernhard Reuther balanciert seit 1999 im obersten Stockwerk vom Medienkulturhaus Pentacon neben Initiativen, Vereinen, Firmen wie dem Filmverband Sachsen und dem Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanal SAEK. Er balanciert vor allem auch für "50 oder 80 glückliche Besucher in der Woche bei schwierigen oder eigenwilligen Filmen". Dokumentationen gehören immer wieder dazu, sind gar zu einem inhaltlichen Schwerpunkt geworden. Ebenso Nachwuchsproduktionen und kleine, eher unterbelichtete deutsche Erstaufführungen, darunter - aus reinem Selbstverständnis - jene aus dem schwul-lesbischen Bereich. Bernhard Reuther hat sie seit jeher ins Programm integriert, braucht dafür keine ausgestellte Themenreihe oder ein "Extra" wie die Konkurrenz. Er macht gleich gar kein "Event" daraus, was ihm, einer zwielichtigen Zeitströmung folgend, vielleicht sogar mehr Gäste bringen würde.

Doch will er das wirklich? Jeder, der Bernhard Reuther kennt, weiß um die Antwort und seine Sehnsucht nach echten Überraschungen, wie es in den letzten Jahren Filme wie "Kinshasa Symphony", "Rubljovka - Straße zur Glückseligkeit", "Die Frau mit den 5 Elefanten" oder "Kaboom" gewesen sind. Dafür lohnt sich jedes Detail seiner Arbeit, die bei einem Kino dieser Größe und Stellung streng personenbezogen ist, immer den selbstausbeuterischen Aspekt der freien Szene in sich trägt, aber eben auch - und so unendlich hoch im Wert - die Silbe frei.

Reuther will die Reaktionen der Besucher sehen und spüren. An 80 Prozent der Abende im Jahr ist er selbst im k.i.d. Wo sonst? Film war immer für ihn. In den bewegten 1990ern hieß seine erste Station "Holzbock", dann kam das "Filmfest Dresden", aus dem längst das Internationale Festival für Animations- und Trickfilm gewachsen ist. Die Chance einer Spielstätte im Eigenbetrieb war zugleich eine Herausforderung, denn die altdeutsche Idee eines kommunalen Kinos wurde aus guten Gründen für Dresden sehr zeitig begraben. Und: "Zauberland" heißt Reuthers eigener Filmverleih, den er in besseren Zeiten gegründet und dort kleine Feine wie "SommerHundeSöhne", "Wir", "Jena Paradies", oder "Jagdhunde" herausgebracht hat. Doch Bernhard R. weiß auch sehr genau, wann er Nein sagen muss. Das traut man ihm so vielleicht gar nicht zu.

Eigene Rechnung - eigenes Risiko - eigene Freude. Seit 1999 ging es im k.i.d um über 1000 Filme, über 9000 Vorstellungen für über 170 000 Besucher. Es ging nicht um Programmpreise von Institutionen, die Bernhard Reuther natürlich bekommen hat. Es geht sicher auch nicht vordergründig um den "Manfred Salzgeber Preis", der ihm heute im Rahmen der Berlinale verliehen wird. Mit dieser Ehrung erinnert die Edition Salzgeber an den legendären, 1994 verstorbenen Filmvermittler, Buchhändler, Kinobetreiber, Festivalkurator, Leiter des Berlinale-Panoramas und Gründer des Filmverleihs, Manfred Salzgeber. Sie kürt damit internationale Persönlichkeiten, die sich in ähnlicher Weise wie Salzgeber darum bemühen, herausragende Filme einem Publikum näher zu bringen. Der Dresdner Kinomann sei, so in der Laudatio zu lesen, "ein konsequenter und kreativer Streiter für eine Vorstellung von Kino als soziales Erlebnis und sinnliche Erfahrung."

Bernhard Reuther hat sich den Preis verdient. Er freut sich - natürlich - still. Man sieht es ihm sogar an.

Andreas Körner

www.kino-im-dach.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.02.2012

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