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ultiinstrumentalist, Komponist, Produzent und Arrangeur: Der talentierte Mr. Bauer

ultiinstrumentalist, Komponist, Produzent und Arrangeur: Der talentierte Mr. Bauer

Bescheidenheit ist auch für Ludwig Bauer eine Zier. "Ach, ich werde einfach immer wieder gefragt, ob ich nicht ein bisschen mitmachen kann", sagt der 29-Jährige in seiner wohl ureigenen Art.

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Hat mit dem Althorn gerade ein weiteres Instrument für sich entdeckt: Ludwig Bauer.

Quelle: Anke Volkmann

Es ist eine Mischung aus beneidenswerter Gelassenheit und der Weigerung zu reden, ohne etwas zu sagen. Der talentierte Mr. Bauer - das lockere Sprachspiel zu Patricia Highsmith' gewieftem Helden sei uns verziehen - ist dabei, wenn ihn einige der kompetentesten Dresdner Rock- und Popkünstler live oder im Studio brauchen: bergen, Garda, The Gentle Lurch, Lestat Vermon. In der "Hamlet"-Inszenierung steht er auf der Bühne des Schauspielhauses und füllt auch ansonsten mit den Woods Of Birnam eine Position aus, die er schon bei Polarkreis 18 besetzt hielt. Andreas Körner traf Ludwig Bauer zum Sommerinterview - in aller Ruhe.

Sie stehen zumeist als stiller Linksaußen auf der Bühne und wirken sehr zufrieden damit. Täuscht der Eindruck? Ist es vielleicht nur Tarnung?

Nein, ich fühle mich wirklich wohl dabei, wenn ich in den Projekten anderer einfach nur mitwirke. Mir fällt es relativ leicht, mich gut und schnell einzufühlen, zu spüren, was in der Musik eventuell noch fehlt oder wo sich Akzente durch mich verschieben könnten. Der Singer/Songwriter Thos Henley hat es mal so schön gesagt, als er bei einem Konzert im Societaetstheater seine Mitspieler vorstellte und mich als "the glue" bezeichnete. Das fand ich ganz passend: Der Typ, der dafür sorgt, die Musik zu verleimen.

Hat sich das im Laufe der Jahre homogen entwickelt? Wollten Sie nie ganz vorn sein?

Mit 16 war ich zusammen mit meinem Bruder und dessen Kumpel in einer klassischen Rockband. Da habe ich zwar auch nicht gesungen, nur Gitarre gespielt, aber das dringende Bedürfnis, unbedingt vorn stehen zu müssen, hatte ich eigentlich nie. Das habe ich auch schon in der Schule nie gemocht. Es ist wohl Veranlagung. Eine Sache ganz allein durchzuziehen und mich dabei selbst zu verwirklichen, mag ich nicht.

International gibt es eine ganze Reihe Musiker, deren Namen längst vor allem als Edel-Produzenten auftauchen: Joe Henry, T Bone Burnett, Tchad Blake. Wäre das auch für Sie ein Weg?

Auf jeden Fall. Für andere arbeite ich schon jetzt als Co-Produzent. Um das Ganze aber richtig professionell anzugehen, fehlt mir noch der Mut. Es mag etwas komisch klingen, aber ich möchte mich weiterhin als Amateur bezeich- nen. Das bedeutet vor allem, dass bei mir die Leidenschaft, Musik zu ma- chen, über allem anderen steht. Wenn ich von befreundeten Bands oder Künstlern höre, dass sie sich wünschen, ihre nächste Platte von mir produziert zu bekommen, kann ich mir das vorstellen, weil die Chemie zwischen uns bestens stimmt.

Geht es bei Ihnen gar soweit, dass der zwischenmenschliche Aspekt über dem künstlerischen steht?

Ich sag mal so: Wenn es menschlich stimmt, ist das für die Musik immer zuträglich. Konflikte in Bands entstehen wie von selbst, das gehört dazu. Der Produzent muss manchmal eher Mediator sein.

Haben Sie Scheu, nur in einer Band zu spielen, weil die Gleise zu schnell eingefahren sein könnten?

Scheu nicht, eher siegt bei mir die Lust, mehrere Sachen zu machen. Das Interesse ist da und die Kapazitäten sind es auch.

Betrifft das auch die Instrumente? Sie spielen unter anderem Klavier, Gitarre, Vibraphon, Trompete, Electronics.

Ja. Ich habe mit dem Klavier begonnen. Die anderen Instrumente habe ich mir mehr oder weniger selbst beigebracht. Ich bin generell ein Typ, der einerseits neugierig auf Dinge ist, dem aber an- dererseits schnell wieder langweilig wird. Gerade habe ich mir ein Althorn hergenommen und eigne es mir seit ein, zwei Monaten an. Ich weiß aber auch, dass in weiteren ein, zwei Monaten die erste Euphorie schon vorbei sein wird. Vielleicht kommt dann die Gitar- re wieder. Das ist innerhalb eines Projektes ähnlich. Ich merke schnell, was fehlt und was ich beitragen kann, merke aber auch, wofür kein Platz ist und was eher in ein anderes Projekt passen würde. Woods Of Birnam beispielswei- se streben nach Größe und musikalischer Breite, da sehe ich meine Posi- tion eher im Fundament, im Leim eben. Also widme ich mich dort der Elektronik und den Atmosphären. Das Althorn braucht da niemand. Bei The Gentle Lurch sieht das schon wieder ganz anders aus.

Sidemen und Produzenten sind extrem wichtig, werden öffentlich aber eher wenig beachtet. Fühlen Sie sich wenigstens von den Kollegen ausreichend gewertschätzt?

Doch, sehr. Ich glaube, dass es in all meinen Projekten echte Gegenseitigkeit gibt, dass man sich motiviert und Energien freisetzt, sich mitzieht, wie es so schön heißt. Ich profitiere am ehesten davon und gebe ab, was den anderen als Impuls nutzen könnte.

2007 kamen Sie zu Polarkreis 18. Da war die Band in Deutschland gerade durch die Decke gegangen. Haben Sie es genießen können oder eher Gefahr gespürt?

Der Einstieg bei Polarkreis 18 kam zu einer Zeit, als ich gemerkt habe, dass ich wirklich mit anderen Musik machen will. Zuvor hatte ich in Weimar zwei Jahre lang versucht, Musik- und Politikwissenschaft zu studieren. Das Studium kam mir vor wie eine Sackgasse. Das Polarkreis-Angebot stand seit 2005 im Raum, wir kannten uns ja schon seit langer Zeit, ich war also auf ihrem Zettel. Dass die Band so abging, war eine zusätzliche Bestätigung dafür, dass meine Entscheidung richtig war.

Nun ging es raus aus Scheune und Schauspielhaus in Arenen und Stadien, unter anderem als Vorprogramm von Depeche Mode, Bloc Party und den Smashing Pumpkins. War es als eher stiller Typ, der Sie sind, immer nur schön?

Ach, ich habe mich in meiner Rolle ganz wohlgefühlt. Sicher auch, weil Felix Räuber den Frontmann sehr gut ausgefüllt hat. Als dann zwangsläufig darüber diskutiert wurde, ob man nun eine eigene Bühnenshow entwerfen sollte, kann man sich aber vorstellen, dass ich nicht unbedingt der Motor gewesen bin. Ich hatte damals hauptsächlich eine musikalische Sicht auf die Dinge.

Wir als Außenstehende sagten wohlwollend: Sollen Polarkreis mal die Größe mitnehmen und genießen, der Wind dreht sich schneller als gedacht

Genuss war die eine Seite, dass aber auch Druck bis hin zur Lähmung entstanden ist, die andere. Ich habe meine Position dabei immer mit den anderen abgeglichen und hatte natürlich eigene Ambitionen: Gute Lieder zu schreiben, sie mit Lust auf der Bühne zu spielen. Und ich bin der Typ, der entdecken will und sich schon mal eine Seite über Musik im Zeitungs-Feuilleton durchliest. Eine gute Besprechung im Deutschlandradio war mir damals eben auch für Polarkreis wichtig.

Was entscheidet darüber, ob ein großes oder kleines Konzert gut war für Sie?

Die Tagesform entscheidet, ob ich nicht nur technisch gut bin, sondern spüre, was ich da oben mache. Oder eben nicht. Ich kann vor 30 und vor 3000 Leuten ein entspanntes Konzert spielen. Es kann aber auch beides einfach nur grauenhaft sein. Ich fühl mich am besten, wenn ich bei mir bin, in mich gehen und in mir ruhen kann. Das mag optisch immer etwas unbeteiligt aussehen, ist es aber keinesfalls. Ich bin nur extrem konzentriert. Ein Freund hat nach einer "Hamlet"-Aufführung mit den Woods Of Birnam mal so schön gesagt: Ludwig, du hast toll gestanden!

Ist die Tagesform auch abhängig von den Kollegen?

Die Abhängigkeit ist allein durch die Tatsache gegeben, dass es eine Band ist. Die Unterschiede zwischen dem, was wir auf der Bühne wahrnehmen, und dem, was davon vor der Bühne ankommt, sind enorm. Das ist manchmal sehr gut so.

Alle Ihre Projekte zirkulieren um einen festen Stamm lokal ansässiger Musiker. Lauern dort vielleicht Gefahren?

Gefahr klingt ziemlich furchteinflößend. Wenn, dann ist es eher Routine. Dass man sich an etwas gewöhnt, mit dem man eigentlich Probleme hat. Wenn einer zur Probe zu spät kommt, weil er immer zu spät kommt. Dass ich einen Vorschlag mache und weiß sehr genau, wem er gefallen wird und wem nicht. Gefahr ist das nicht, es sind eher Muster, die man entwickelt und die nerven können.

Sie sind jetzt 29. Rufen Sie noch Signale ab, die durch das Musikhören als Kind und Jugendlicher im Elternhaus gelegt wurden?

Meine Eltern haben mit ihren Vorlieben natürlich den Grundstein gelegt. Rolling Stones, Kinks - die konnten auch meine Phil-Collins-Phase nicht erschüttern. Aus dem reinen Hören entwickelte sich die eigene Lust am Entdecken, wobei es nicht unbedingt mit Antihaltung zu tun hatte. Zappa oder die "Vitalogy"-Platte von Pearl Jam habe ich zum Beispiel aus der gut gefüllten Sammlung meines Vaters. Dann kam der Punk mit Black Flag und anderem räudigen Zeug, noch später durch meinen Bruder und dessen Kumpel die Sofa Surfers, Portishead und Blur, woraus sich unsere erste Band gespeist hat. Zwischendurch bin ich noch zu einem großen Jazz-Fan geworden.

Als gefragter und hochverehrter Projektmusiker wirken Sie extrem gelassen. Sa- gen Sie jetzt bitte nicht, das sei Tarnung.

Auch ich habe meine Phasen, in denen ich bang in die Zukunft blicke. Aber wenn ich dann merke, dass keine Angst daraus wird, sondern dass nur eine Laune mich zweifeln lässt, ist das ein sehr gutes Gefühl. Mag sein, dass es naiv ist, Projekte anzugehen, nur weil sie schön sind, aber ich probiere es eben auf diese Weise.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.08.2014

Andreas Körner

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