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tjg-Theaterakademie beschäftigt sich in "Könnte, wäre, möchte" mit der (Un-)Erkennbarkeit der Welt

tjg-Theaterakademie beschäftigt sich in "Könnte, wäre, möchte" mit der (Un-)Erkennbarkeit der Welt

Am Anfang das Wort: "Ordnung wird somit das Ziel und die Grundlage für menschliches Leben." Diese Idee, als Ende eines Zitates anfangs vorgetragen, stammt nicht von jungen Leuten und auch nicht von Dramatikern oder gar Dramaturgen, sondern von Konstruktivisten - um zu erklären, dass alle Welt nur Interpretation und daher unser Wissen nicht immer der Realität entsprechen kann.

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Josef Zschornack, Meika Rahner und Martin Witschas (v.l.).

Quelle: Dorit Guenter

"Könnte, wäre, möchte" ist bereits die zwölfte Produktion der Reihe "Tak-Ticker", in der Jugendliche eigene Konzepte auf die Bretter des Theaters Junge Generation (tjg) bringen und auf bewährte Mitspieler des Theaterakademie genannten Cottaer Jugendklubs setzen können.

Lisa Schmidt, 18-jährige Fast-Abiturientin, gewann mit ihrer Ideenskizze die Regie zur Produktion, die von Dramaturgin Kathi Loch und Theaterpädagogin Anke Engler betreut und nun im Gartenpavillon aufgeführt wird. Gemeinsam fragen sie sich, wie Spieler ihre Wirklichkeit und die Konstruktionen, die sie umgeben, erkennen und unterscheiden können. Also nach erkennbarer Ordnung - natürlicherweise ohne Lösung.

Dafür kommt das Ganze als eine Art Spielshow daher: Vorn drei Kandidaten, hinten sitzt die Showmasterin (Lisa Schmidt) und bedient statt Glücksrad eine Mikrowelle voller Papier, das dann immer wieder neu gedeutet oder umsortiert wird. Es werden Stichworte vergeben - und die Kandidaten treten in einen unklaren Wettbewerb um rasche Ordnung. Da ist die taffe Vorlaute (Meike Rahner), der schlaue Schüchterne (Josef Zschornack) und der selbstbewusste Zopfträger (Martin Witschas) - sie versuchen, vor Stehtischen mit Bürolampe und Locher, Stempel oder Klammeraffe bewaffnet, auf Zuruf Begriffe, meist gängige Schlagworte und Themen, zueinander zu bringen und am über jeden schwebenden Ordner abzuheften.

Das subtil improvisierte Stückchen hätte vielleicht noch die eine oder andere Wendung vertragen, auch um dafür eine oder zwei Spieldurchgänge zu sparen. So ist nach reichlich 40 Minuten schon Schluss - kein Vorhang zu und alle Fragen offen. Denn Witz wie Überraschungseffekte erschöpfen sich recht rasch und nicht klar wird, inwiefern die Figuren der drei vorderen Spieler Verfremdungen oder Selbstspiegelungen sind. Beides kann gut beabsichtigt sein. Regisseurin Lisa Schmidt sitzt hinten mit Sonnenbrille hinten sitzt und dient als Geräuschmaschine oder Stichwortgeber. Ein Videomitschnitt wirkt wie ein elektronisches Tagebuch.

Dabei sähe man die Akteure gern mal bei echt emotionsgeladenem Spiel. Aber das war nicht Sinn der Übung, sondern pure Reflektion. Dem Publikum bleibt die Erkenntnis, dass sich vier durchaus begabte Theaterakademiker sehr intensiv mit der Komplexität der Welt, der Vergänglichkeit wie aktenkundigen Sortierbarkeit von Papier und mit direktem Spiel beschäftigt haben. Dass zum Schluss gerade der einzige Gast, den das Problem Wehrpflicht jemals betraf, den passenden APuZ-Essay von Harald Kujat zu deren Ende (Ausgabe 48/2011) zugesteckt bekam, erscheint so eher als Zufall.

nächste Aufführung: 4. Juli (Gartenpavillon tjg)

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.05.2015

Andreas Herrmann

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