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"tempora mutante" heißt eine Ausstellung mit Werken Leonore Adlers im Zahnärztehaus

"tempora mutante" heißt eine Ausstellung mit Werken Leonore Adlers im Zahnärztehaus

Ihr Werk zeichnet sich durch große Vielfalt aus. Außer mit Malerei und Grafik trat die 1953 in Plauen geborene Wahl-Dresdnerin Leonore Adler mit Objekten, Installationen und Performances, aber auch als Autorin und Illustratorin hervor.

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Leonore Adler: Das Lied des Phönix, Mischtechnik auf Bütten, 2014.

Quelle: Ralf Woehling

Wenn sie ihre derzeitige Ausstellung im Zahnärztehaus "tempora mutante" - sich verändernde Zeit - nennt, so ist dies unschwer nachvollziehbar. ZeitgenossInnen wie sie erlebten beträchtliche Wandlungen - global und im persönlichen Leben. Dies blieb nicht ohne Rückwirkungen auf das Schaffen - bei allen Konstanten, die eine künstlerische Auffassung prägen.

In den 1980er Jahren hatte Leonore Adler DDR-"Neuen Wilden" wie Angela Hampel nahe gestanden. Künstlerinnen wie sie machten gegen die fest gestanzten Verhältnisse im Osten unter einem feministisch, aber auch ökologisch geprägten Vorzeichen mobil. Der so geprägte Aufbruch zu neuen Ufern mündete im "Wendejahr" in die Dresdner Sezession '89, zu deren Gründungsmitgliedern Leonore Adler gehörte. Auch heute noch bilden für sie Fragen nach einem selbstbestimmten, ökologisch verträglichen und gleichberechtigten Leben eine "Hintergrundfolie" ihres Schaffens.

Die Vorliebe der studierten Grafikerin (1973-1978 Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig) galt und gilt der Malerei. Bezieht man sich auf die früheste der Arbeiten im Zahnärztehaus, die Mischtechnik "Lichtstrahl" von 1996, so umspannt das Gezeigte fast 20 Jahre. Ein paar wenige, in kräftigem, erdverbundenem Duktus gehaltene Bilder, etwa "Artemis" (1998), markieren zugleich das Ende der Beschäftigung mit der Ölmalerei. Aquarelle und aquarellierte Mischtechniken füllen den Platz aus. Sie wirken hochartifiziell, gleichermaßen inhaltlich prägnant wie vielschichtig. Letzteres wird "technisch" häufig durch das Mittel der (übermalten) Collage unterstrichen, wofür die Künstlerin feinste Seidenpapiere einsetzt.

Adlers malerischer Duktus hat sich dabei zweifellos verfeinert. In der "sich verändernden Zeit" trat - durchaus in Verbindung mit dem wachsenden Gewicht des Aquarells in ihrem Werk - eine Art "Beruhigung" ein, die zudem Inspirationen von asiatischen, mitunter auch surrealen Einflüssen empfing. Die Formen sind fließender und flächiger, erinnern in ihrer Farbtransparenz partiell an japanische Holzschnitte. Vorausgegangen ist dem die Beschäftigung mit asiatischer Kultur, Religion und Geisteshaltung. "Beruhigung" im Ausdruck ist nicht zuletzt Resultat gewachsener Gelassenheit und neuer Einsichten. Letztere gelten wohl auch der Untauglichkeit mittlerweile gescheiterter Utopien.

Wie schon häufig in Präsentationen der jüngeren Vergangenheit begegnet man einer ungeheuren Vielfalt von Früchten, Pflanzen, Tieren - die Künstlerin hatte in ihrer Kindheit den Wunsch, Biologin oder Tierärztin zu werden - und weiblichen Wesen, die an Feen und Nymphen erinnern. Alles scheint miteinander verwoben. Beispielhaft dafür sind die "Drei Nymphen im Gras" (2013). Während die am besten sichtbare Figur mit einer großen Frucht im Schoß auch als Symbol der Fruchtbarkeit erscheint, fällt vom nur teilweise sichtbaren Körper der zweiten die an eine Südfrucht erinnernde Brust besonders ins Auge. Die Dritte verschwindet fast im Schatten, lässt nur das Profil des Kopfes sehen, aus dem eins ihrer Augen leuchtet.

Oft ist nach wie vor ein zivilisationskritischer und ökologischer Ansatz deutlich. Ebenso bleibt es dabei, dass die Künstlerin in der weiblichen Seite der Menschheit wohl eher das positive Potenzial sieht. Bereichert wurde Leonore Adlers Kunst nicht nur durch geistige Reisen nach Asien, sondern ebenso durch tatsächliche Erfahrungen in anderen Ländern, etwa in Kuba, Nord- und Ostafrika, im Mittelmeerraum, aber auch auf atlantischen Inseln oder im Norden Europas. Dabei erfuhr sie manches über göttliche Katzen und nördliche Feen, erlebte die Kargheit des Sinai, die feuchten Nebel La Gomeras oder die "ewige" Sonne der Mittsommernacht.

Der Künstlerin gelingt es immer wieder, die Unterschiedlichkeit der geografischen Räume, die Stimmung der erlebten Natur zu erfassen. "Russisch Blau" (2006) wirkt frostig kühl, während Früchte und reifes Getreide auf anderen Bildern einer anderen Sonne zu verdanken sind. Erst recht gilt das für "Fluch der Karibik" (2012). Die Sonne dort verheißt ein scheinbares Paradies. Das Paradies gibt es aber (abgesehen von der Religion) offensichtlich nur im Märchen. Daran erinnert "Das Lied des Phönix" (2014), das Tiere aller Art friedlich der Melodie lauschen lässt.

bis 26. Juni, Schützenhöhe 11, geöffnet Mo-Do 8-17, Fr 8-16 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.06.2015

Lisa Werner-Art

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