Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 11 ° heiter

Navigation:
Google+
"nass in nass": Aquarellmalerei und -zeichnungen in der galerie drei in Dresden

"nass in nass": Aquarellmalerei und -zeichnungen in der galerie drei in Dresden

In der galerie drei werden Arbeiten von 15 Künstlerinnen gezeigt, von Sezessionistinnen und ihren Gästen, die sich in ihrem Werk der Aquarellmalerei und Aquarellzeichnung verschrieben haben.

Voriger Artikel
Kunstfonds zeigt in Dresden erstmals große Schau zu Förderankäufen
Nächster Artikel
Parov Stelar spielte in vollem Schlachthof in Dresden

Franziska Fennert. China. 2010.

Quelle: Repros: galerie drei

Die Schöpfungsgeschichte ihrer Arbeiten, deren Grundlage die Materialität von Papier und die gewisse Leichtigkeit, Transparenz und Lebendigkeit von Lavur und Lasur wasserlöslicher Farben ist, trägt den Zauber scheinbar unendlicher Möglichkeiten in sich, den Kreislauf der Natur, Mythologisches und Monströses ebenso wie das eigene Dasein zu beschreiben. Sie erzählen ihre Geschichten über das Innen und das Außen, das sie berührt, bewegt, einschränkt oder wachsen lässt.

So stilistisch unterschiedlich der erste Eindruck auch sein mag, besitzen alle Künstlerinnen die Fähigkeit, Unsichtbares unverhofft sichtbar zu machen. Die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit sind zuweilen fließend. Manchmal verbinden sich in der Ausstellung auch gekonnt asiatische Grunderfahrungen mit europäischem Gedanken- und Formengut. Zahlreiche Unwirklichkeiten zeugen von der Notwendigkeit der Träume, dem Grau des Alltags seine Hoffnungslosigkeit zu nehmen. Melancholie wechselt mit sinnlicher Opulenz und experimenteller Neugier.

In der Ausstellung wird mit Zugehörigkeiten, Ungehörigkeiten, Geheimnisvollem, Erotischem, Monströsem, mit Lieblichem, Romantischem, mit Märchenhaftem, mit Innenbildern, ja mit Erinnerungsbildern gearbeitet. Trotz unendlicher mysteriöser Düsternisse feiert eine heitere Unbekümmertheit triumphale Siege, ebenso ein vollendetes Formbewusstsein sowie figurative Delikatesse. Es macht Freude, sich auf Entdeckungsreise durch diese Welt der Aquarelle zu begeben.

Manchmal sprechen die Künstlerinnen mit den Bäumen, spüren den Wind an Ufern, manchmal liegen sie im Gras oder schauen einfach nur aus dem Fenster in den weiten Himmel. Das verspricht Geborgenheit innerhalb der Ruhelosigkeit und Ungewissheit unserer Tage. Sie streifen durch die Landschaft, gehen die Wege, die sie so oft gegangen sind, sehen die Dächer, die Häuser, die Felder, den Fluss und gesunden und fühlen sich abermals berufen, die Schönheit der Landschaft zu beschreiben. Der Drang nach schöpferischer Erfüllung treibt dann Blüten im Werden des Werkes, im Ringen um Gestaltung, im Aufglühen der Farben, im Erschließen des Atmosphärischen. Und wer dann noch die Fähigkeit wertender Distanz, bei allem sinnlichen Enthusiasmus besitzt, der kommt seinem Bild immer näher. Die Künstlerinnen sind empfänglich für Natureindrücke und auch fähig zu stiller Kontemplation, ebenso wie zu gestaltender Vision.

Nass in nass ist die am meisten verwendete Aquarelltechnik und doch auch die schwerste in der Handhabung, da man kaum Kontrolle über den Verlauf der Farben hat. Das typische Ineinanderfließen ist bei wasserlöslichen Farben unvermeidbar und wird bewusst als Gestaltungsmittel eingesetzt. Farbmischungen entstehen durch das Übereinandermalen transparenter Farbschichten. Bei der Lasur wird auf trockenem Malgrund die Farbe schichtweise lasierend aufgetragen mit farbsteigernder oder farbdämpfender Wirkung, bei der Lavur wird auf feuchtem Papier gearbeitet.

Betrachtet man sich nun die Werke der Ausstellung, könnte man irritiert behaupten, das Aquarell nicht immer wahrzunehmen. Die Weiterentwicklung ist offensichtlich, verschiedene Techniken werden miteinander kombiniert. Neben reinen Aquarellmethoden kommen auch Prinzipien der Zeichnung, der Kalligrafie sowie der Einsatz deckender Farben wie Gouache und Acryl hinzu, die Verwendung von Bunt- und Bleistiften sowie von Pastellkreiden. Trockene und nasse Stellen auf den Papieren wechseln. Dieses weist nicht mehr nur eine raue Textur auf, auch Japanpapiere kommen zum Einsatz.

Steffi Deparade-Becker zeigt zart empfundene Ostseelandschaften in locker atmosphärischer Hingabe in gedeckter Farbigkeit. Auch Christa Jura fasziniert mit Landschaftsräumen wie Franziska Hesse, wobei sie mit Bunt- und Bleistift Einzeichnungen vornimmt. Nadja Pope folgt dem Pinsel und Farbfluss, um Figurationen in blockhaft monumentaler Weise zu umreißen. Anija Seedler überrascht mit großformatigen, abgründig animalischen Grotesken. Kerstin Quandt folgt abstrahierten portugiesischen Landschaftseindrücken in Tupfenmanier und Christine Heitmann einer blauen Pflanzenpracht an Wasseradern. Franziska Fennert, die Vielgereiste, ist surreal märchenhaften Tagträumen auf der Spur. Cornelia Effner folgt der klassischen Aquarelltechnik in reduzierter Farbigkeit und wunderbarer Formvirtuosität im übergewichtigen Schutzengel, dem Katzenstreichler und einem Porträt. Ulla Andersson fühlt sich einer expressiv leuchtenden Farbigkeit verpflichtet. Karola Smy behauptet sich episodenhaft. Caroline Kober entwickelt eine Geschichte von Wallfahrten zum Meer, zu den Vögeln, zu einer unsichtbaren Brücke. Gerda Lepke zeigt in wunderbar offener, atmosphärischer Weise Fensterausblicke, und Christine Wahl beeindruckt mit Stillleben, Interieurs und Akten. Zutiefst berührt das Triptychon von Angela Hampel "Blinde Taube". Ein Mensch mit geschlossenen Augen im Wasser, das ihm fast bis zum Hals steht, auf dem Kopf eine Taube, flugbereit, blind, verletzt...

bis 2. März, galerie drei, Prießnitzstr. 43, Di-Fr 14-18.30 Uhr, Sa 11-15 Uhr. Tel. 0351/8026710

www.sezession89.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.02.2013

Karin Weber

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr