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maihof-Puppentheater in Dresden-Weißig führt Schneewittchen-Märchen auf

maihof-Puppentheater in Dresden-Weißig führt Schneewittchen-Märchen auf

Dori, Nori, Ori, Oin und Gloin, Kili und Fili, Bifur, Bofur und Bombur, Dwalin und Balin und natürlich Thorin Eichenschild: in manchen Ohren klingt diese Namenskette so verheißungsvoll wie der Schiffskatalog der Ilias.

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Hella Müller zeigt das Märchen "Schneewittchen" am maihof-Puppentheater.

Es sind die Namen der Zwerge, die in die behagliche Behausung von Bilbo Beutlin hereinschneien und den Hobbit zur Teilnahme an an einem scheinbar wahnwitzigen Beutezug nötigen. Zu sehen in Peter Jacksons Verfilmung des Kultbuches "Der Hobbit", die ab kommenden Donnerstag in den Kinos startet.

Atze und Fritze, Didi und Flitz- piepe lauten hingegen die Namen von vier der sieben Zwerge in Hella Müllers Inszenierung des Märchens "Schneewittchen", die am Wochenende im maihof-Puppentheater Premiere hatte. Das werden sich jetzt manche fragen: Alle sieben Zwerge gemeinsam auf die Bühne? Dazu noch Schneewittchen? Wie soll das gehen? Auch eine Puppenspielerin hat schließlich nur zwei Hände. Und die Inszenierungen Hella Müllers sind doch stets eine One-Woman-Show. Es geht, die sieben Zwerge hängen aufgereiht an einem kleinen Plasteschlauch und singen munter an ihrem jeweiligen Faden im Takt wippend: "Wir sind die sieben Zwerge / und graben tief im Berge ..."

Am Grundkonflikt der Grimmschen Vorlage wird nicht gerüttelt: Es kann nur eine geben. Aber es gibt nun mal zwei. Das ist - das wissen wir, damit sind wir alle aufgewachsen - das große Dilemma im Schneewittchen-Märchen. Klar, rein theoretisch könnte natürlich die Ältere der Jüngeren die Jugend gönnen, von wegen Toleranz und Generationenvertrag und so. Aber nein, es läuft bekanntlich immer anders als sich das die Gutmenschen so erträumen.

Es gab ja in letzter Zeit Schneewittchen-Verfilmungen, in denen die Titelheldin nicht mehr das arme, passive Mädchen war, das von den Zwergen beschützt und vom Prinzen geküsst werden muss. Hier steht das Schneewittchen selbst seinen Mann. Bei Müller richten ganz traditionell erst die Zwerge, dann der Prinz die von der Stiefmutter verbrochene Chose.

Ein Hingucker sind einmal mehr die Figuren, die Liebe zum Detail verraten. Sie sind nicht auf süße Lieblichkeit getrimmt, was als Abwechslung zu manchen Zeichentrickfilmen mal ganz angenehm ist. Auch was Geräusche angeht, zeigt sich die altgediente und doch junggebliebene Puppenspielerin einfallsreich. Mal erklingt die Melodie einer Spieldose, mal quakt es entenmäßig aus einer Tröte. Gespielt wird unter einer Art Baldachin, im Zentrum der Bühne eine überdimensionale alte Schachtel, die einleitend auch mal selbst den Schnabel aufmacht, denn alte Schachteln erzählen ja gern und viel.

Textmäßig gibt es ein paar hübsche Nuancen: Bei Müller lautet die Frage, die die zwar ebenfalls schöne, aber zutiefst unsympathische (weil eitle, hochmütige und stolze) Königin an den Spiegel richtet: "Spieglein, Spieglein in der Hand, wer ist die Schönste im ganzen Land?" Weil der partout glaubt, mit der Wahrheit herausrücken zu müssen, während fast alle anderen Spiegel diskret ihr Wissen für sich behalten, gerät Schneewittchen als eindeutig Schönste im Land erst mal in die Bredouille.

Eine eigene Komponente der Inszenierung ist die Figur eines (Glücks-)Schweins, das aber nur kurz auftaucht und dann verschwindet, was fast verschenkt ist. Ein bisschen mehr Tempo hätte der Inszenierung vielleicht ganz gut getan, jedenfalls um die Buben im Publikum etwas mehr in Bann zu ziehen. Während die Mädchen andächtig lauschten und hinguckten, waren zumindest bei ein paar Jungs die Hummeln im Hintern nicht zu beruhigen. Christian Ruf

Nächste Vorstellungen: 15. und 16. Dezember, jeweils 15 Uhr, am 16. Dezember auch 11 Uhr. Kontakt: Hauptstr. 46, Dresden-Weißig, Tel. 0351/2 69 00 72, www.puppentheater-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.12.2012

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