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chorus 116 mit seinem Herbstkonzert in der Himmelfahrtskirche Leuben

chorus 116 mit seinem Herbstkonzert in der Himmelfahrtskirche Leuben

Die Musica sacra hat viele Facetten - doch immer geht es um Gottvertrauen, um christliches Bekenntnis. Diesem Gedanken fühlte sich das Herbstkonzert des chorus 116 in der Himmelfahrtskirche Leuben verpflichtet, das in Wort und Musik dem Gedenken an die Reichspogromnacht 1938 gewidmet war.

Dresden. Vor dem Chor stand die Riesenaufgabe, stilistisch und musikalisch einen ganz großen Bogen zu schlagen - Schubert, Mendelssohn Bartholdy, Rossini. Dazwischen liegen Welten. Und es ist zu konstatieren, dass der Chor damit bestens zurechtkam und für jede der Kompositionen die zutreffenden gestalterischen und klanglichen Mittel fand.

Den Anfang machte mit der kleinen, liedhaft wirkenden G-Dur-Messe (D 167) ein Jugendwerk von Franz Schubert, das dieser innerhalb von nur zwei Wochen im März 1815 schrieb. Milko Kersten und sein Ensemble ließen der Wiedergabe jenen schlichten, zurückhaltenden Gestus angedeihen, der für diese Messe unabdingbar ist. Feinstens ausgekostetes, chorisches Differenzierungsvermögen wurde eingebracht. Die Sopranistin Christine Wolff, der Tenor Joaquin Asian und der Bassist Matthias Henneberg fügten sich ebenso wie das vorbildlich agierende Philharmonische Kammerorchester Dresden nahtlos in das Gesamtkonzept ein. Eine sehr eindrucksvolle, in sich stimmige Interpretation.

Noch einmal Romantik folgte, diesmal aber mit Felix Mendelssohn Bartholdys Choralmotette "Mitten wir im Leben sind" aus dem 1830 entstandenen op. 23 eine völlig andere Lesart. Die Art, wie sich chorus 116 hier auf homogenen, durchsichtigen A-cappella-Gesang verstand, sorgfältige, sehr plausible Ausdrucksakzente setzte, war einfach beispielhaft. Christoph Frenzel am Pult, der im übrigen auch für die Einstudierung des Chores verantwortlich zeichnete, ließ gar nicht erst auch nur den Anflug von langweiligem, reinem Schöngesang aufkommen. Der alte Luthertext behandelt auch in der Mendelssohn-Version existentielle Fragen der Menschheit - und so wurde der Satz auch gesungen.

Aus dem Mittelalter stammt der Text des schmerzvollen Klagegesangs der Gottesmutter am Kreuze ihres Sohnes "Stabat mater dolorosa". In diesem Konzert musste man erst einmal alles vergessen, was man diesbezüglich an Vertonungen von Pergolesi bis Dvorak jemals gehört hat. Schließlich handelte es sich um die Vertonung durch Gioacchino Rossini, der zum Zeitpunkt der Entstehung zwischen 1832 und 1841 zwar mit der Oper abgeschlossen hatte, diesen Kompositionsstil aber natürlich nicht leugnen konnte. Effektvolle Opernsprache findet sich in den innigen Duetten, in groß angelegten Arien und schließlich auch in der herrlichen Doppelfuge am Ende des Werkes. Auf den ersten Blick ist diese Literatur sicher nicht unbedingt das, was man mit dem chorus 116 verbindet. Aber es spricht absolut für das vielseitige, musikalische Verständnis des Chores, für seine immense Einsatzbereitschaft, sich auch auf ein solches Terrain zu wagen. Und das mit Leidenschaft und Verve ausgefüllte Ergebnis konnte sich absolut hören lassen.

Reiche dynamische Schattierungen und eine wahre Farbenglut waren allgegenwärtig. Und so etwas wie die hinreißend musizierte Doppelfuge am Schluss des Werkes wird auf alle Fälle im Ohr bleiben. Im Idealfall sind die umfänglichen Soloaufgaben dieses Stabat mater mit einem Quartett besetzt, das sich auf die Feinheiten des Italiantà-Ton versteht. Da musste man hier von vornherein Abstriche machen. Aber Christine Wolff, Annekathrin Laabs, Joaquin Asiain und Matthias Henneberg nutzten ihre stimmlichen und gestalterischen Möglichkeiten mit aller Hingabe und Klangschönheit aus, so dass man auch daran seine Freude haben konnte. An der geschmeidigen, orchestralen Präsenz des Philharmonischen Kammerorchesters gab es auch bei Rossini nichts zu deuteln.

von mareile Hanns

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