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Zwischen Seidenkleid und Spießigkeit - Schloss Nossen soll Schauplatz für eine Adelsausstellung werden

Zwischen Seidenkleid und Spießigkeit - Schloss Nossen soll Schauplatz für eine Adelsausstellung werden

Die Macht des Adels in Sachsen war einmal so groß, dass ein Adeliger bestimmen konnte, wie sich die Leute zu begrüßen hatten. "Glück auf!" würde heute kein Mensch sagen, hätte es nicht Abraham von Schönberg gegeben.

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Schloss Nossen soll Schauplatz für ein sächsisches Adelsmuseum werden.

Quelle: dpa

Der war im 17. Jahrhundert Oberberghauptmann und gehörte zu einer stolzen alten Familie. Sein Amt war dem Adel vorbehalten, alle anderen hatten eben nicht die nötige Bildung. In Öl hat sich der Oberberghauptmann von Schönberg malen lassen, mit Spitzenkragen und gepuderter Wallemähne. Das Bild ist ab heute in der Ausstellung zur "Geschichte des sächsischen Adels" im Dresdner Landtag zu sehen. Später soll es einmal im Adelsmuseum im Nossener Schloss hängen.

Seit Jahren ist das Adelsmuseum im Gespräch. 2005 einigten sich die Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten, die von Schönberg'sche Stiftung und der Verband Sächsischer Adel auf das Projekt. Nun rückt es näher. Zu zeigen gebe es schließlich eine "schillernde Geschichte" sagte Christian Striefler, Chef der Staatlichen Schlösser gestern in Dresden. "Wenn man einen neuen Ort schaffen will, muss das breit getragen werden." Das Projekt Adelsmuseum ist für den Landesbetrieb enorm, die Kosten nur schwer abzuschätzen.

Denn noch gleicht der Südflügel des Nossener Schlosses, einem heruntergekommenen Mehrfamilienhaus nach 20 Jahren Leerstand - mit bröckelndem Putz, grottigen Tapeten und rostenden Türschlössern. Der ideale Ort, um 1000 Jahre Adelsgeschichte authentisch abzubilden, meint Martina Schattkowsky vom Institut für Sächsische Geschichte und

Volkskunde: "Wir wollen das Thema differenziert, vorurteilsfrei und lebendig darstellen." Dabei geht es weniger um Glanz und Gloria, mehr um eine uralte Lebenswelt aus Ahnenstolz und Pflichtbewusstsein. In den über 800 Schlössern, die es einst in Sachsen gab, lebte es sich sittsam und spießig. "Die Schlösser und Gutshäuser hatten immer auch eine öffentliche Funktion", sagt die Rechtsanwältin Marion von Sahr, Nachfahrin des Oberberghauptmanns Schönberg. "Das eigentlich Besondere am Adel ist das Bewusstsein einer Tradition über die Jahrhunderte hinweg. Man fühlt sich dem verpflichtet, man nimmt sich eher als ein Glied in einer langen Kette wahr.

Das kann auch eine Last sein. Der Adel hatte immer eine wichtige Funktion. Gutsbetriebe waren gut funktionierende Einheiten, wo man füreinander sorgte. In den Dörfern war immer klar, dass die im Schloss auch Verantwortung für ihre Leute tragen." Bis 1945, dann wurden Sachsens Adelige vertrieben. Ein Drittel der sächsischen Schlösser wurde später gesprengt und abgerissen, ein weiteres Drittel ist heute vom Verfall bedroht. "Wir können nicht aus jedem Schloss ein Museum machen", sagt Christian Striefler. Stattdessen nun ein zentrales Museum.

Sachsens Adel hat sich großzügig gezeigt und über 900 Exponate bereitgestellt - vom Seidenkleid bis zum Prunksäbel. Das Konzept für die museale Präsentation ist in den vergangenen Jahren immer wieder um viele Leihgaben und Exponate gewachsen. So soll das Leben derer von Adel von der Erziehung über die Hofhaltung bis zu ihrem Lieblingshobby Jagd erlebbar werden. Ziel ist es, Vorurteile abzubauen, sagt Martina Schattkowsky: "Die widersprüchliche Geschichte des sächsischen Adels ist in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Allerdings hat sich die moderne Geschichtsforschung in den letzten 20 Jahren wieder verstärkt mit der Geschichte des sächsischen Adels beschäftigt." Das Nossener Museum sei deshalb eine wichtige Aufgabe. Noch nicht geklärt ist die Finanzierung des Umbaus. An dem bröckelnden Nossener Schloss müsste erheblich investiert werden. Allerdings wohl kaum aus dem Topf mit den zwölf Millionen Euro, die die Schlösser und Gärten jährlich an allen Objekten verbauen kann. "Sowas bestreitet man nicht einfach so aus dem laufenden Geschäft", sagt Christian Striefler.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.07.2013

Christine Keilholz

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