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Zwischen Kunst und Wissenschaft: Ausstellung in der Altana-Galerie Dresden

Elbsandstein Zwischen Kunst und Wissenschaft: Ausstellung in der Altana-Galerie Dresden

Es dürfte sich herumgesprochen haben: In der ALTANA-Galerie im Görgesbau der Technischen Universität Dresden ist wieder eine lohnenswerte Ausstellung zu besichtigen. "Elbsandstein - Im Spannungsfeld zwischen Kunst und Wissenschaft".

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Hermann Krone. Der kleine Kuhstall bei Hohnstein, 1879.

Quelle: Hermann-Krone-Sammlung der TU Dresden

Dresden. Es dürfte sich herumgesprochen haben: In der ALTANA-Galerie im Görgesbau der Technischen Universität Dresden ist wieder eine lohnenswerte Ausstellung zu besichtigen. "Elbsandstein - Im Spannungsfeld zwischen Kunst und Wissenschaft" führt Kunstwerke, die sich mit der Landschaft der Sächsisch-Böhmischen Schweiz auseinandersetzen, sowie Fotografien und Objekte aus universitären wie außeruniversitären Sammlungen zusammen. Im Zentrum der umfangreichen Präsentation stehen die Arbeiten dreier Dresdner Künstlerinnen, die zugleich wesentliche Ideengeberinnen des Gesamtprojektes waren. Gemeint sind Gudrun Brückel (Jg.1954), Jana Morgenstern (Jg. 1967) und Claudia Scheffler (Jg.1962), deren Werke die Ausstellung durch ihre Qualität und ihre durchgängige Präsenz prägen.

Beteiligt - auch kuratorisch - sind weiter die Initiative 10 plus 10 mit Nils Hilkenbach und Jonas Wietelmann sowie Studierende der HfBK und der TU Dresden. Umfangreich einbezogen und jeweils in Bezug zu den Kunstwerken gebracht wurden obendrein zahlreiche historische Fotografien mit Motiven aus der Sächsischen Schweiz, darunter solche von Hermann Krone aus dem Jahr 1853. Dabei handelt es sich um die ältesten Landschaftsaufnahmen aus Sachsen, die das Stadtmuseum Pirna zur Verfügung stellte.

Die Ergänzung, ja "Durchsetzung" der Ausstellung mit Fotografien dieser Landschaft, nicht zuletzt in hoher Zahl mit Aufnahmen markanter Felsgebilde und Kletterfelsen sowie aus Steinbrüchen, etwa von Walter Hahn und Walter Möbius, bildet die Grundlage für die Herstellung interessanter Bezüge - beispielsweise mit Collagefolgen Gudrun Brückels wie "In der Nähe so fern" (2014), der an alte Fotografien erinnernden "Felsen und Schluchten" (2014) sowie dem Objekt "Felssturz" (2015). Die farblich vorrangig in zurückhaltendem Grau-Schwarz-Weiß gehaltenen Folgen, die nur vereinzelt noch weitere Farbtöne einbeziehen, basieren auf Fotos der Künstlerin, die zerschnitten, teils auf Seidenpapier gedruckt, collagiert und geschichtet wurden, wodurch bestimmte Details oder, wie in diesem Fall oft, die Strukturen der Felsen betont werden. Damit wird nicht zuletzt eine Ahnung vom naturgeschichtlichen Prozess des Entstehens dieser Gebirgsformation beim Betrachter angestoßen.

Bleibt bei Brückel jedoch die Verbindung zur Landschaft sichtbar, laufen die Arbeiten Claudia Schefflers - für die Autorin eine echte Entdeckung - ganz entschieden auf das Thema "Struktur" und auch "Körper" hinaus. Ihre Formensprache ist hier weitgehend konstruktiv - nachvollziehbar beispielsweise an einer Folge vom Rechteck abgeleiteter Collagen unter dem Titel "Eigenleben" (2015). Die nach verschiedenen Richtungen verschobenen Formen zeigen sich schwarz auf weiß oder auch umgekehrt wie die Serie "Projektion" (2015). Eine direkte und erkennbare Verbindung zum Elbsandstein findet man bei einer Gruppe Kohlezeichnungen unter dem Motto "Wehlener Steinbruch" (2015), die äußerst fein und sorgsam den Stein mit seinen Kanten und Abbruchflächen nachempfinden. Die Künstlerin stößt mit ihren Arbeiten zudem in die dritte Dimension vor, schafft etwa "Klappfiguren" (2015), die sich aus dem Quader ableiten oder ebenso von kristallinischen Mikro-Strukturen inspiriert sein könnten. Entsprechende Modelle aus den geologischen Sammlungen der TU sind ebenfalls in die Schau einbezogen.

Jana Morgensterns minimalistische Formfindungen, gezeichnet, gemalt, grafisch gestaltet, sind allgemein bekannt. Sie bringt sich ins Thema "Elbsandstein" mit der Gestalt eines Fünfecks ein, das mittels Ölkreide auf einem farblich gestalteten Grund vielfach "abgerollt" wird, so auf dem sehr ansprechenden Bild "Fünfeck, grau" (2015), das passend zu Aufnahmen des Talwächters und der Schrammsteine von Walter Hahn platziert ist, die das Große, Beeindruckende der in grauer Vorzeit entstandenen Felsen vor Augen führen. An anderer Stelle, in der zweiten Etage, setzen sich Morgensterns Fünfeck-Varianten fort - hier mit Fettkreidezeichnung auf Tuschefonds, während unweit davon Mikrostrukturen von Gestein in Dünnschliffpräparaten und dazu gehörigen vergrößerten Ansichten sichtbar werden (Karl-Heinz Mäder, 1956, Geologische Sammlungen). Von Scheffler finden sich hier ebenfalls Abwicklungsfiguren. Gudrun Brückel zeigt sich mit einer "Hommage à C.D.F." und schlägt damit einen Bogen zu jenem Romantiker per se, dessen Werk bis heute noch auf die künstlerische Auseinandersetzung mit "Landschaft" ausstrahlt. Und so wie ihm vor 200 Jahren die Sächsisch-Böhmische Schweiz ein Ort tiefen Erlebens und der zeichnerischen Studien war, kann sie durchaus auch heute noch für Künstler von Interesse sein, wie nicht zuletzt die besprochene Ausstellung zeigt.

Der besondere "Atem" dieses landschaftlichen, aber auch geologischen Kleinods scheint nicht zuletzt am Treppenaufgang zur ersten Etage zu "wehen" - mittels eines beeindruckend großen Digitaldrucks eines Krone-Fotos vom Kleinen Kuhstall bei Hohnstein sowie eines mit Erde getränkten, großflächigen Objektbildes, das seine Schöpferin, die Künstlerin Klara Meinhardt (Jg.1987), "Fundstück" (2011) nannte.

Insgesamt kann man wirklich von einer bemerkenswerten Ausstellung sprechen, die auf ausgesprochen unaufdringliche Weise Kunst und wissenschaftliche Aspekte zusammenbringt. Den Hut ziehen muss man auch vor dem Umfang des Gezeigten und dem wirklich gelungenen Arrangement. Bemerkenswert ist zugleich die Liste der Kooperationspartner, angefangen bei der Deutschen Fotothek. Partner waren zudem die Kustodie der Bergakademie Freiberg, Senckenberg Naturhistorische Sammlungen Dresden, der Neue Sächsische Kunstverein, die Sächsischen Sandsteinwerke und die Euroregion Elbe/Labe, Kommunalgemeinschaft Euroregion Oberes Elbtal/Osterzgebirge e.V. Dass der Generalkonsul der Tschechischen Republik in Dresden die Schirmherrschaft über die Schau hat, sollte ebenso erwähnt werden. Lang ist auch die Liste der Förderer, darunter die Hermann-Krone-Stiftung der TU Dresden, die finanziell und materiell einsprangen. Nur so war das umfangreiche Projekt wohl realisierbar.

Bis 29. Januar, Mo - Fr 10 bis 18 Uhr, Führung: 20. Januar, 17 Uhr (kostenfrei), 29. Januar, 20 Uhr: Jazz in der ALTANA. Günter Baby Sommer trifft -

von Lisa Werner-Art

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