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Zwischen Kandinsky und Klee: Die Galerie Döbele zeigt Max Ackermann aus der Sicht Will Grohmanns

Zwischen Kandinsky und Klee: Die Galerie Döbele zeigt Max Ackermann aus der Sicht Will Grohmanns

Seit langem ist die Galerie Döbele dem Werk Max Ackermanns (1887-1975) verbunden. Schon verschiedentlich wurde - auch seit der Ansiedlung in Dresden - das Schaffen des Künstlers gewürdigt.

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Max Ackermann: Cimbalo singt im Mond, 1946, Öl-Tempera auf Pappe.Repro: Katalog

Derzeit werden in den Räumen auf der Pohlandstraße, aber auch in der neuen Dependance in der Schössergasse erneut Arbeiten Ackermanns präsentiert. Anlass ist die große, dem Wirken Will Grohmanns gewidmete Schau der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden "Im Netzwerk der Moderne" im Lipsiusbau auf der Brühlschen Terrasse. Unter den vielen, teils von weither aus den USA geholten Werken ist auch Max Ackermanns der Abstraktion verpflichtetes Gemälde "Überbrückte Kontinente" von 1954, das sich heute in der Sammlung der Landesbank Baden-Württemberg befindet. Eine frühe Würdigung hatten dieses und zahlreiche andere Werke 1955 in dem von Will Grohmann herausgegebenen, im Kohlhammer Verlag erschienenen und Max Ackermann gewidmeten ersten Personalkatalog - auch dieser Künstler hatte in der Nazi-Zeit zu den "entarteten" gehört, hatte seine zunehmend gegenstandsfreie Malerei nur in der inneren Emigration weiter verfolgen können - gefunden.

Wenn sich Grohmann und Ackermann auch persönlich nie begegneten, stattdessen einen lebhaften Briefwechsel pflegten, so war das Interesse des Kritikers schon älter als das Erscheinen der Publikation, in der er dem Künstler einen Text widmete und unter anderem mit Bezug auf Kandinsky und Klee dessen eigenständige Position herausarbeitete: "Ackermann steht in seiner Zielstrebigkeit selbständig zwischen den beiden, er hat den Mut zum Absoluten, scheut aber vor Anspielungen auf optisch Erlebtes und Erinnertes nicht zurück-" Der Kontakt zu Ackermann war bereits im Zusammenhang mit der auch in westliche Besatzungszonen führenden Grohmann/Grundig-Reise zur Vorbereitung der Allgemeinen Deutschen Kunstausstellung 1946 in Dresden entstanden. Auf dieser waren dann sechs Pastelle des Künstlers zu sehen. Seitdem verfolgte Grohmann das Schaffen des Künstlers, widmete ihm Kritiken, etwa jene zu der Ausstellung in der Berliner Galerie Rosen 1949, in der auch eins der bei Döbele gezeigten Bilder hing: "Warm-Kalt-auf Schwarz" (1947), das jedem Besucher der aktuellen Schau dank seines Platzes im Hauptraum und natürlich seiner prägnanten Ausstrahlung sofort auffallen dürfte. So ist es alles andere als weit hergeholt, wenn die Galerie ihre aktuelle Ausstellung mit "Max Ackermann - aus der Sicht Will Grohmanns" überschrieb.

Dies gilt umso mehr, als außer dem bereits erwähnten Bild "Überbrückte Kontinente" auch eine Reihe Arbeiten aus der Präsentation in der Pohlandstraße bereits im Personalkatalog von 1955, der 32 Werke vorstellte, verankert waren. Zu nennen wäre "Cimbalo singt im Mond" (1946), für das durchaus zutrifft, was Grohmann bezüglich der Rolle von "optisch Erlebtem und Erinnertem" im Werk Ackermanns feststellt. Hier sind abstrahierte Formen eines Instruments mit solchen eines Gesichts und Anmutungen von Figur sowie fröhlich anmutenden, fast floral zu nennenden Elementen zu einem Bildorganismus verbunden. Weiter sei "Sonne" (1950) erwähnt, eine transparent, ja durchaus kosmisch wirkende, auf Eitempera und Kreiden beruhende Komposition. Schließlich von 1953 "Durchbrochene Formen", im 1955er Katalog mit "Emporstrebendes" bezeichnet und im Ausschnitt der Einladung beziehungsweise dem Cover des kleinen Ausstellungsbuchs als Motiv dienend. Der kleine Katalog der aktuellen Ackermann-Schau bei Döbele verzeichnet 70 Werke aus der Zeit zwischen 1936 und 1969. Gerade die frühen Arbeiten, etwa zwischen 1936 und 1952 entstanden, waren, wie Marcus Döbele, ausgewiesener Kenner des Ackermannschen Werks feststellte, Grundlage für Grohmanns Sicht, die zwar anerkennend, aber wohl eher "distanziert" gewesen sei. Arbeiten der frühen Jahre wiederum, die bereits genannten machen dies deutlich, bilden den Kern der Ausstellung bei Döbele. Allerdings dürfte mancher überrascht sein, dass er auch auf Bilder trifft, die er vielleicht nicht mit Max Ackermann in Verbindung gebracht hätte (und Grohmann wohl auch nicht). Beispielhaft zu nennen in diesem Zusammenhang ist das Tryptichon "Ostern", das die Stirnwand des Hauptraums ausfüllt. Es handelt sich hier um von einer Farbe dominierte, von einer wohl durch breite, kurze Pinselbahnen herbeigeführten Struktur charakterisierte Malerei, die durchaus eine gewisse Transzendenz spüren lässt, was ja wiederum dem Thema gemäß ist. Diese durchaus dem Informel verwandten Bilder sind Teil einer größeren, etwa 190 Werke umfassenden Gruppe aus Ackermanns Schaffen, die dieser nie öffentlich gezeigt hatte und die erst in den letzten Jahren stärker wahrgenommen wurde. So bietet diese Ausstellung wohl auch selbst dem Ackermann-Kenner Überraschendes. Lisa Werner-Art

bis 12. Januar, Katalog 10 Euro

Über Weihnachten und Neujahr gelten folgende Öffnungszeiten:

Pohlandstr. 19: bis 22.12. normal 12-18 Uhr, 24.12. geschlossen, 27. & 28.12. 12-18 Uhr, 29.12.-5.1. geschlossen. Ab 7.1. wieder Mi-Sa 12-18 Uhr

Schössergasse 29: bis 22.12. normal 12-18 Uhr, 24.12. geschlossen, 27.-29.12., 31.12. & 2.1.-5.1. 12-18 Uhr.

Nach vorheriger Vereinbarung sind immer Besuche, auch in der Pohlandstraße möglich.

www.galerie-doebele.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.12.2012

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