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Zwischen Fremdschämen und Courage - Die Interkulturellen Tage beginnen in Dresden

Zwischen Fremdschämen und Courage - Die Interkulturellen Tage beginnen in Dresden

Ist Dresden eine tolerante, weltoffene Stadt? Alle Jahre wieder stellen die Interkulturellen Tage diese Frage - und legen damit durchaus einen Finger in eine schwärende Wunde.

Zumindest zeigt die Stadt Dresden, dass ihr dieses Thema wichtig ist. Anders als in vielen anderen Gemeinden, wo es meist "nur" eine Interkulturelle Woche gibt, nimmt man sich hier ab diesem Sonntag ganze zwei Wochen Zeit, um mit mehr als 70 Kultur- und Sportveranstaltungen Einblicke in das Leben der Dresdner Migranten zu geben, Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen und Berührungsängste auf diese Weise abzubauen. Vom 23. September bis zum 7. Oktober präsentieren sich zahlreiche Vereine, Kulturschaffende und ganz normale Menschen verschiedenster Herkunft und Kultur an mehreren Veranstaltungsorten einladend und als Teil Dresdner Identität.

Ja, werden viele auf die eingangs formulierte Frage antworten, Dresden ist bunt, multikulturell, ein Touristenmagnet, auf dessen Innenstadtstraßen und Märkten täglich ein Gewirr unterschiedlichster Sprachen anzutreffen ist. Doch wie sieht es außerhalb der touristischen Zentren aus? In den Wohnvierteln, den kleinbürgerlich-verwinkelten oder großbürgerlich-gediegenen, den sozialen Brennpunkten und den Amtsstuben? Spätestens mit dem aufrüttelnden Mord eines russischen Spätaussiedlers an der Ägypterin Marwa Elsherbiny im Jahr 2009 hat das schöne neue Weltoffenheitsimage Dresdens einen hässlichen Kratzer bekommen. Fremdschämen möchte man sich gar, sieht man sich in den Dresdner Heimen für Asylbewerber um, wo Menschen, die voller Hoffnung auf ein besseres Leben hierher kamen, unter teils haarsträubenden Bedingungen und über mehrere Jahre hinweg ein trauriges Dasein fristen.

Dies ist die andere, die unschöne Seite der Medaille, die, die man ungern vorzeigt. Über all dies immer wieder nachzudenken, so Dresdens Ausländerbeauftragte Dr. Uta Kruse bei der Vorstellung der diesjährigen Interkulturellen Tage vergangene Woche, dazu wolle man anregen. "Wir tragen eine Verantwortung dafür, dass niemand ausgeschlossen wird", so Kruse. "In diesen zwei Wochen können vor allem die Vereine zeigen, was sie das ganze Jahr über für die Integration von Migranten leisten." Das Motto "Herzlich willkommen - wer immer Du bist" sei trotz der nach wie vor täglich anzutreffenden Fälle von Beschimpfungen, Diskriminierung oder gar Gewalt gegen Migranten ehrlich gemeint, so Dresdens Ausländerratsvorsitzender Asad Mamedov, da es trotz allem viele Menschen gebe, die danach lebten.

Eröffnet werden die diesjährigen Interkulturellen Tage durch Dresdens Zweitem Bürgermeister Detlef Sittel (CDU) am Sonntag, 14 Uhr, mit einem interkulturellen Ratsschmaus im Kulturrathaus. Vielsagend fällt auf den Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober auch der Tag der offenen Moschee. Als morgenländisch-traditionell geprägter Kontrapunkt zum abendländischen Christentum hat es der Islam in Deutschland nach wie vor besonders schwer. In der Vielzahl der Veranstaltungen vom vietnamesischen Vollmondfest über Podiumsdiskussionen zum Thema Integration bis hin zu multikulturellen Lieder- und Literaturabenden sticht eine besonders heraus: Das Stück "Wege nach Chemnitz" zeichnet Flüchtlingsschicksale in jener zentralen Sammelstelle in Sachsen nach, in der Gestrandete zunächst anlanden - inszeniert vom Armes Theater Chemnitz, gespielt von Flüchtlingen aus Pakistan, Afghanistan, dem Irak, die den Weg der Flüchtlingsbürokratie selbst durchliefen. Zur Aufführung kommt es passend zum Weltflüchtlingstag am 5. Oktober im projekttheater. Am 7. Oktober enden die Interkulturellen Tage dann schon mit "indischem Monsunzauber". Und wieder bleibt die Hoffnung, dass Dresden danach wieder ein klein wenig weltoffener und toleranter wird. Jane Jannke

So, 23.9. 14: Interkult. Ratsschmaus, 15-17: Eröffnung, Königstr. 15,

Mo, 24.9. 10: "Tatort Stadtion", Ausstellungseröffnung, glücksgasstadion, Lennéstr. 12 (b. 7.10. tägl. 10-19 Uhr)

Di, 25.9. 18.30: Situation der Asylbewerber, Johannstädter Kulturtreff, Elisenstr. 35; 19: IV. Dresdner Kulturfestival, Theaterhaus Rudi, Fechnerstr. 2a

Mi, 26.9. 18: Stadtschreiber Akos Doma liest aus "Die allgemeine Tauglichkeit", Kulturrathaus, Königstr. 15

Fr, 28.9. 20: "Just a little bit racist", Societaetstheater, An der Dreikönigskirche 1a

Sa, 29.9. 12-18: Interkult. Straßenfest, J.-Gomondai-Platz, 19: Vokalensemble Slavica "Gesang der Engel", Hofkirche

Di, 2.10. 16: "Die Geschichte der Mondfrau", Indische Märchenlesung, Johannst. Kulturtreff, Elisenstr. 35

Mi, 3.10. 12-17: Tag der offenen Moschee, Islam. Zentrum, Flügelweg 8, 17: Mithrechcha u. Duo Krachkowsky, Dreikönigskirche

Fr., 5.10. 18: Entwicklung im Nahen Osten, Vortrag+Diskussion, Begegnungszentrum H.-Zille-Str. 6

Sa, 6.10. 10: Schokolade zum Frühstück, alles rings um den Kakaoanbau, Mädchentreff Lucy, R.-Matzke-Str. 23

www.dresden.de/interkulturelletage

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.09.2012

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