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Zweiter Dresdner Satirepreis geht an Joachim Zawischa

Zweiter Dresdner Satirepreis geht an Joachim Zawischa

Es ist erst die zweite Vergabe des Dresdner Satirepreises nach dem Start 2014. Und doch wurde die aktuelle Endrunde von den Zuschauern bereits als ein echtes Highlight gehandelt.

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Joachim Zawischa, doppelter Preisträger, zwischen Manfred Breschke (r.) und Thomas Schuch.

Quelle: Elisabeth Schuch-Wiens

Das Teilnehmerfeld der Bewerber für den Preis 2015 war ebenso schrill wie bunt. Fünf Männer und (leider nur) eine Frau schafften es in die Endrunde. Sie fand unter Anwesenheit eines ausgesprochen gut gelaunten Publikums am Sonnabend im Dresdner Kabarett Breschke & Schuch statt. Erklärtes Ziel der sechs Teilnehmer war die noch sehr junge Krone des Dresdner Satirepreises, die 2014 aus dem Stand heraus bereits eine beeindruckende Popularität gewann.

Am vergangenen Freitagabend nun trat die Jury erneut zusammen, um für 2015 den oder die Träger der zwei Preise - den des Publikums (mit 500 Euro dotiert) und den der Jury (mit 1000 Euro) - zu küren. Sieben Juroren - darunter als Juryvorsitzender das Dresdner Kabarett-Urgestein Wolfgang Stumph - bewerteten die Beiträge. Die Überraschung blieb allerdings aus. Denn das Votum der Jury wie auch das des Publikums zielte schon sehr bald auf Joachim Zawischa. Dessen zugleich ebenso spitzzüngiges, tiefsinniges und wunderbar emotionales Programm erfüllte zweifellos alle Anforderungen, die man an einen Kabarettisten der Gegenwart stellen sollte.

Die Basis im Fall des doppelten Preisträgers ist aber auch sehr stabil: Zawischa - der eigentlich Sachse ist und heute unweit von Hamburg lebt - hat Musik und Theologie studiert und hat darüber hinaus noch eine Schauspielausbildung absolviert. Feinsinnig, aber auch - wenn nötig - sehr direkt ist sein Kabarett. Stellvertretend dafür dürfte Zawischas Minigeschichte von der Oma und dem Neonazi stehen. Die Oma nämlich drückt ihr Mitleid mit dem neben ihr auf einer Bank sitzenden Neonazi in dem folgenden Statement aus "Sie haben's aber auch nicht leicht, junger Mann. Erst die orthopädischen Schuhe und dann auch noch die Chemo..." So sollte - nein, so muss wohl - das politische Kabarett der Gegenwart sein.

Aber auch andere Endrundenteilnehmer hatten Gewichtiges beizusteuern. Wie Klaus Urban - er feiert am 27. April seinen 71. Geburtstag -, der im Sudetenland geboren wurde, Volksschullehrer war, 1976 promovierte und ganz nebenbei schon immer auch kritische Lyrik verfasste. Urban hatte unter anderem einen "Blues von den mutigen Leuten" im Gepäck, der mit sehr viel eigener Lebenserfahrung angereichert ist. Urban prägte für das Satirefest auch den wunderbaren Satz "Die Fröhlichkeiten werden immer ernster."

Kai Spitzl (der dem Jahrgang 1963 entstammt und eigentlich Kurt Richard Pitz heißt) lebt sowohl in London als auch in Garmisch-Partenkirchen. Er servierte Ausschnitte aus seinem aktuellen Programm, dem er den recht braven Titel "Ich sehe was, was Du nicht siehst" gab. Oder der 43-jährige Berliner Andreas Krenzke, ein Lesebühnenkünstler vom Prenzlauer Berg mit dem Spitznamen "Spider", der sich den Poetry-Slam-Jüngern angeschlossen hat und die gegenwärtige Politik mit dem Satz "Die Titanic sinkt heute ganz ohne Eisberg" definiert. Tilman Lucke - mit gerade mal 21 Jahren der jüngste Bewerber um den Satirepreis -, dessen aktuelles Programm zwar den Titel trägt "Wichtigkeit kennt keine Grenzen", das aber letztendlich doch relativ begrenzt daher kommt. Von ähnlichem Kaliber scheint Claudia Wipfler (sie nennt sich auf der Bühne "Cloozy" und gehört zu den Stand-up-Comedians) zu sein. Sie betritt mit einem forschen "Hallöchen!" die Bühne, erzählt von ihren Bemühungen, unbedingt vegan zu werden, und hat auch eine neue Definition für das Kürzel FDH parat. Sie übersetzt die drei Buchstaben nämlich mit "Friss das heimlich!"

Joachim Zawischas Dank für den Preis aber verlief ziemlich emotional. Als er ihn in den Händen hielt, ergriff er spontan das Mikrofon und sagte gerührt: "Ach ja, so sind eben die Sachsen."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.04.2015

Wolfgang Zimmermann

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