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Zweite Dresdner Theaternacht trotzt der großen Konkurrenz und lockt noch mehr Leute als vor einem Jahr

Zweite Dresdner Theaternacht trotzt der großen Konkurrenz und lockt noch mehr Leute als vor einem Jahr

Die Qual der Wahl war groß: 22 Theaterhäuser mit über 30 Spielstätten und fast 140 Shows bedeuteten 25000 Einzelplätze, die hätten besetzt werden können.

Doch wer viel sehen, also auf die Maximalausbeute von sechs halbstündigen Aufführungen in sechs Stunden kommen wollte, musste genau planen und möglichst auf Randabstecher verzichten. Doch das Konzept der "Langen Nacht der Dresdner Theater", die am Pfingstsonnabend ihre zweite Auflage erfuhr, ist ein anderes. Für acht Euro im Vorverkauf darf man zweimal reservieren und den Rest flanieren - sich also spontan auf freie Plätze einschleichen: Treiben statt Trieb ist die Devise. Die Häuser, unter denen sich auch die Kleinen, die Kabaretts und die Exoten beteiligten, garantierten dafür, dass nur maximal die Hälfte der Plätze vorbestellt werden konnten. Der Transfer war mit einem VVO-Kombiticket, fünf eigens eingerichteten Shuttlebus- und zwei verstärkten Tramlinien gewährleistet. Dennoch war der Andrang zu Beginn enorm: Die Startschlange um halb sechs reichte vom Großen Haus bis zum Postplatzpilz, auch im Treppenhaus des Societaetstheaters bildeten sich kapazitätssprengende Menschenketten.

Dabei suchten einige große Randlieger Cityasyl: Die Staatsoperette enterte 18 Uhr einmal das Große Haus, die Landesbühnen stellten einen Bus auf den Postplatz und bespielten ihn zweimal mit "Lillys Bus" - eine dynamische Sololeistung von Sophie Lüpfert. Auch das Theater Junge Generation beschränkt sich - wohl mindestens bis zur sechsten Nacht - auf ihre Puppenbühne im Rundkino, denn so lange wird das Kulturkraftwerk wohl noch dresdenlike auf sich warten lassen.

Der Theaterfreak sucht sich derweil Produktionen, die er sonst nicht sieht, um sein Spektrum zu erweitern, und verzichtet bei strangulierter Dramatik gern auf den Verweis, dass man ja wiederkommen könne, um alles zu sehen. Lieber sind ihm Crossover-, also Querschnittsangebote, wie sie Peter Försters Kammerspiele ohne Firlefanz anboten. Er verwob seine beide aktuellen Komödien, so dass Venus und Casanova zusammenfanden. Oder eigens ausgeklügelte Exklusivprogramme. Das Theaterhaus Rudi bot so eine sympathische, runde Gesamtkomposition mit eigenem Programmzettel, an der sich alle sechs Amateurtheatergruppen des Hauses zusammen und auf gutem Niveau präsentierten. Zehn Programmpunkte in dreißig Minuten, zelebriert als Hausrundgang mit Hausmeister Erik Kaubitzsch und beendet in der Kneipe mit Narrenleid als Rauswurf.

Martina Aschmies, Pressechefin des federführenden Staatsschauspiels, weiß nach einer sehr kurzen Nacht schon erste Zuschauerzahlen: Mindestens 6 700 Zuschauer, also zweihundert mehr als bei der Premiere 2012, trotzten Schönwetter, Sportstudio, Dixieland, Euro-Schlager-Vision, Musikfestspielen respektive Wagner-Frauenkirchenkonzert. "Ein großer Erfolg, auch wegen dieser Konkurrenz", freut sie sich. Allein die Semperoper verkaufte 660 Eintrittsbändchen am Abend - viele auch an Touristen, die sich schlicht wunderten, an einem Sonnabend so einfach und spontan in den Musiktempel zu gelangen. Die Abschlussparty ab Mitternacht auf der Sternenbühne des Staatsschauspieles hat zudem in der Spitze bis zu fünfhundert, bis in den Morgen hinein insgesamt eintausend Gäste.

Für die dritte und vierte Theaternacht stehen die Termine schon fest: Am 3. Mai 2014 und zum Frühlingsanfang 2015 wird sich Dresden wieder als wahre Theaterhauptstadt gerieren. Da bleibt noch etwas Zeit zu überlegen, ob der Stundentakt nicht zu sportlich und die Halbstundenhäppchen zu knapp bemessen sind. Denn das Ganze funktioniert nur, wenn sich alle penibel an Anfangszeiten und Spielzeit halten - ansonsten heißt es einmal zwangsweise aussetzen.

Bei "Lillys Bus" und "Sprechende Männer" waren 40-Minuten-Versionen schlicht zu lang für den kommenden Wechsel. Doch auch beim Planmodus von je 30 Minuten Kunstgenuss und Wegezeit bleibt für Beifall, Verpflegung und Sanitärpäuschen kaum Freiraum. Und der Verkehrsverbund könnte sich generell überlegen, wie er seine zahlreichen Stammkunden (neben Abonnenten also auch Studenten und Radfahrer) - also jene, die bei einem Kombiticket immer in die Röhre gucken, weil sie es per se nicht brauchen - belohnt oder entschädigt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.05.2013

Andreas Herrmann

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