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Zweifrauenstück "Die Strategie der Schmetterlinge" feierte in Hoppes Hoftheater in Dresden-Weißig Premiere

Zweifrauenstück "Die Strategie der Schmetterlinge" feierte in Hoppes Hoftheater in Dresden-Weißig Premiere

Zeit für ein lange aufgeschobenes Zusammentreffen in der Schwüle eines abgelegenen ehemaligen Bootshauses im Tigre-Delta unweit von Buenos Aires: Carlos' Ehefrau, die reife und sehr reiche Dame Eve, sucht Adriana auf, die junge Geliebte ihres Mannes, die mit Carlos' Kind schwanger ist.

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Schwüles Klima, kaltblütige Frauen: Beate Laaß (vorn) und Mandy Partzsch.

Quelle: M. Mosler

Carlos ist tot. Eine schmerzliche Begegnung im ehemaligen Versteck der Liebenden.

Vordergründig entspinnt sich in diesem Zweifrauenstück "Die Strategie der Schmetterlinge", das in Hoppes Hoftheater Premiere feierte, ein Spiel der Gegensätze. Ehefrau und Geliebte, alt und jung, reich und arm, blasshäutige Nachfahrin britischer Kolonialisten und "echte Argentinierin", aufgeräumte Witwe im weißen Sommerdress gegen die trauernd Zurückbleibende. Das sind viele Gelegenheiten, Ressentiments Raum zu geben, und beide Figuren arbeiten sich vorhersehbar daran ab.

Aber nicht nur, schließlich ist das Stück von Esther Vilar in der Inszenierung Helfried Schöbels als Kriminalstück angekündigt. Und so trägt vor allem die immer neue beantwortete Frage die Handlung, was beide Frauen von einander wollen könnten.

Eve, mit unter eindrucksvoller Beherrschung brodelnder Unruhe von Beate Laaß gespielt, lässt zunächst keine Frage offen. Sie hält Adriana (Mandy Partzsch) einen Wisch hin, der ihr ein halbe Million Dollar verspricht. Einzige Bedingung: Sie will nichts mehr hören von der jungen Frau, auch nichts von Carlos' Kind. Ganz kühle Bourgeois also, die finanzielle Risiken minimiert. Adriana schwankt, spielt mit, will Eve nicht gehen lassen und fesselt sie schließlich an einen Stuhl, als diese es doch versucht. Es wird kriminell.

Denn die junge Argentinierin glaubt nicht, dass sich ihr Carlos ausgerechnet in der Nacht umbrachte, in der er ihr nach vier Jahren endlich versprach, Eve zu verlassen. Ein Techtelmechtel mit dem Untersuchungsrichter hat ihr Gewissheit gebracht: Eve hat Carlos erdolcht, als er schlief, und nachher die Polizisten bestochen. Jetzt soll die Witwe gestehen, und das tut sie auch, nach langem Hin und Her. Das ist der Wendepunkt, an dem die Fassaden bröckeln. Denn die angeblich so heißblütige Adriana, die Carlos' Lavieren zwischen Ehebett und Liebesnest mit drei Selbstmordversuchen quittierte, zeigt kühle Berechnung. Der Babybauch ist nur gespielt, die kindliche Naivität auch, und keine Zumutung von Eve kann sie aus dem Gleichgewicht bringen. Sie sei nur eine Bettgeschichte, habe Carlos über Adriana gesagt, giftet Eve. "Was sollte man sonst mit einem Mann wie Carlos tun?", kontert Adriana.

Ganz anders die Ehefrau. Sie spürte, dass sie Carlos verliert, und handelte wie eine Verzweifelte: Als wiederholte Schönheitsoperationen nichts helfen, besticht sie ihn, damit er bei ihr bleibt. Jeder Selbstmordversuch Adrianas bringt ihm ein Vermögen ein, jedes Mal entschied er sich trotz aller Versprechungen an die Geliebte zum Bleiben. Seine Frau habe Brustkrebs, schwindelt er ihr vor. So sind beide Frauen Betrogene desselben Mannes, bleiben aber dennoch in Frontstellung.

Menschliche Tiefe wird in der Blöße spürbar, die Eve sich gibt. Ein Mann, der von zwei Frauen begehrt wird, das sei doch wie eine überzeichnete Aktie, empört sie sich. Und spricht von der Befreiung, die sie verspürte, als sie mit ihrem Mord dem verlorenen Wettlauf ein Ende bereitete.

Das ist ehrlich und damit alles, was Adriana von ihr verlangte. Die will jedoch auf einmal mehr, all das Geld, mit dem Carlos sich kaufen ließ. Eve soll deshalb sterben und ersticht im Todeskampf die junge Argentinierin. Ein Brief offenbart, dass es Adriana von Anfang an darum ging: Von der selben Hand zu sterben wie ihr Geliebter, damit sie in der Erinnerung der Mörderin vereint seien. Das ist viel Theatralik. Zu viel für diese Taktiererin und diese ruhige Inszenierung. Das hinterlässt einen faden Geschmack, der den Gesamteindruck dieses spannenden Kammerspiels jedoch nicht wirklich trübt.

Wieder am 13. April, 20 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.03.2013

Uwe Hofmann

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