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Zwei begeisternde Konzerte in der neuen Dresdner Dixie-Spielstätte Alter Schlachthof

Zwei begeisternde Konzerte in der neuen Dresdner Dixie-Spielstätte Alter Schlachthof

Die großen Konzerte sind umgezogen mit Pauken und Trompeten von der guten alten "kulti"-vierten Spielstätte zum Alten Schlachthof. Sogar ein Fetzen von Dekoration samt Nilpferd überstand den Umzug, ließ den Dixiefreund wieder heimisch werden und Stimmung aufkommen unter den verbliebenen 900 Getreuen im Saal.

Und da war ja noch die vertraute Stimme von Karlheinz Drechsel, Moderator auf Lebenszeit, der mit einem Blick auf die Messehallen verkündete, intim sei allemal besser als größer. Außerdem stimme ja die Akustik am neuen Ort. Gewöhnungsbedürftig dagegen waren eine nicht nur durch heiße Rhythmen erzeugte dicke Luft im Saal und das Unvermögen, ein Pausenende einzuläuten. Und so wurstelten sich Bummelanten mit Bock und Bier durch die Reihen, während auf der Bühne längst wieder die Synkopen tanzten.

Internationaler Abend, ja was denn sonst? Aus dem Nachbarland im Osten kam Stanislaw Piwowarski, der vor knapp 50 Jahren in der "Scheune" (Stodola) von Warschau zu jazzen begonnen hatte und nun seit Jahren mit seiner "Hagaw Association" swingend und mit viel Humor im Trompetenrohr europaweit unterwegs ist. "Stani" liebt Überraschungen, verzichtete darauf, das für alle Bands gemeinsame Schlagzeug zu besetzen, und hatte die süße Kaja im Gefolge. Sie verwöhnte uns stimmlich mit "Shugar" und besang am Ende "Mister Sandman".

Der kam nicht. Dafür sorgte das "Milano Hot Jazz Orchestra", gestandene "wilde Zwanziger". Wann sah und hörte man so viel blitzendes Blech in einer Achterformation? Einen virtuosen Höhepunkt erreichten die Italiener, als sich beim "Roll On Mississippi" Sopran-, Tenor- und Baritonsaxophon zum Trio formierten.

Zum Publikumsliebling sang, spielte und flachste sich Wolfgang Friedrich mit seiner "New Orleans Dixielandband". Er kam mit seinen überwiegend erfrischend jungen Jazzern von der weinlaunigen Wachau, entführte uns mit Charme in ein "kleines Cafe in Hernals", servierte gejodelte "Ice Cream", sang wehmütig von Satchmos wundervoller Welt oder präsentierte Thomas Scherrer, der ein für die Posaune vorgesehenes Solo auf dem Banjo zelebrierte.

Die "Bla Mandag Jazzband" zeigte sich in Bestform, machte bunt statt blau. Die Dänen spielten traditionell britisch und waren unentwegt zu musikalischen Scherzen aufgelegt. Mit ihrer Powerfrau Lisa M. Bentzen, die auf großer Bandbreite sang und hottete, versetzten die Blaumänner das Publikum in einen nicht enden wollenden Dixie-Rausch.

Deutschlands dienstälteste Band prägte das Große Konzert am Sonnabend. Im alten Dixieland gilt Barrelhouse als Spelunke, wo hochprozentiger Alkohol gleich vom Fass ausgeschenkt wird. Und so machte die Frankfurter "Barrelhouse Jazzband" vom Main ein Fass auf und lieferte hochprozentigen Jazz. Reimer von Essen und seine Spitzenkönner auf allen Instrumenten haben die kreolischen Wurzeln des Jazz aufgespürt, kultiviert und mit Kompositionen des Trompeters Horst Schwarz bereichert. Damit machen die Ehrenbürger (1968) von New Orleans noch heute im Dixie-Mutterland Furore. Als Special Guest war Harriet Lewis mitgekommen, Wahlschwäbin, Chefin eines Gospelchores und bald auf dem Weg zurück nach Sacramento. Das komödiantische Kraftpaket im Tina-Turner-Format befand sich im vergnüglichen Dauerplausch mit dem Publikum und machte mit einem "Mei Schnuckerl" selbst den eloquenten "KHD" sprachlos.

Das in ausgelassene Stimmung versetzte Publikum wollte die Barrelhouser einfach nicht von der Bühne lassen, feierte schließlich die folgenden Bands ebenso enthusiastisch. Die niederländische "Limehouse Jazzband" kam mit einem volltönenden Saxophon-Dreiersatz schon "bigbändig" daher, und die britischen "Gentleman Jim McIntosh And The Jazzaholics" boten, was ihr Name verspricht, Dauerjazz der hemdsärmeligen Art. Eine mitreißende Parade auf der Bourbon Street beendete ein wirklich "Großes Konzert".

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.05.2013

Siegfried Thiele

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