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Zurück aus dem Niemandsland - Die Dresdner Band "Lotos" steht wieder auf der Bühne

Zurück aus dem Niemandsland - Die Dresdner Band "Lotos" steht wieder auf der Bühne

Es gibt so Momente, da meint man, die Zeit sei stehengeblieben, eingefroren und plötzlich wieder aufgetaut. Als sei nie etwas dazwischen gewesen. So ähnlich muss es auch für die Mitglieder der Dresdner Band "Lotos" im Sommer 2013 gewesen sein.

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Nach 25 Jahren Pause und bald auch mit neuen Titeln wieder auf der Bühne (v.l.): Michael Leonhardt, Jörg Schurig, Dirk Ebersbach und Andreas Goldmann.

Quelle: PR

In jenem Moment, als die DDR-Combo aus den 80ern sich nach fast 25 Jahren Pause erstmals wieder in einem Probenraum in der Dresdner Neustadt traf - und die Hits von damals spielte. "Es hat sich unerwartet gut angefühlt, sogar die Macken von allen waren noch dieselben", sagte Andreas "Goldi" Goldmann und lacht verschmitzt.

Zwischen 1985 und 1989 trugen Jörg Schurig (Gesang), Andreas Goldmann (Synthesizer), Dirk Ebersbach (Synthesizer/Keybord) und Michael Leonhardt (Gitarre) als "Lotos" auch den Spitznamen "Depeche Mode der DDR", sie tourten durch die Republik, gaben im Schnitt 15 bis 20 Konzerte im Monat und konnten davon alle "gut leben", wie sie heute sagen. Dieter Heidloß hatte die Band anno 1981 aus der Taufe gehoben, ihr von Anfang an den für die 80er typischen Synthesizer-Klang verpasst und nach einigen Umbesetzungen 1987 schließlich das Management der Truppe übernommen.

Titel wie "Domino" und "Twisted life" dürften noch manchem ein Begriff sein, denn die vier von "Lotos" waren in den Diskotheken der Republik damals der Renner. "Wo wir gespielt haben, war es voll", sagt Heidloß. Für den professionellen Sound mit Westaroma sorgte dabei nicht nur die fundierte musikalische Ausbildung der Bandmitglieder (drei sind studierte Musiker), sondern auch sein heißer Draht zur Westverwandtschaft in Hamburg. Allein über den findigen Import des damals auserlesenen Instrumentariums könnte Heidloß unzählige Geschichten erzählen. Ebenso über die Konzerterlebnisse, sei es am Alexanderplatz in Berlin oder beim Musikvideodreh mit dem DDR-Fernsehen.

Doch mit der Wende zerbröckelte das Bandgefüge. "CDs von 'Depeche Mode' konnte man nach der Deutschen Einheit überall kaufen und die Diskokugeln schimmerten im Westen sowieso noch bunter", erinnert sich Heidloß. Bald konnte keiner der Beteiligten mehr von den Auftritten leben, die Musiker gingen getrennte Wege. Der Kontakt zwischen den Mitgliedern brach ab, zwischen sie und die wilden Jahre ihrer gemeinsamen Bühnenkarriere drängten sich neue Aufgaben, gutbürgerliche Lebenskonzepte.

Bis sich ein früherer Weggefährte aus Zwickau im vergangenen Jahr alter Zeiten im Jugendclub "E5" erinnerte, die vier Musiker im Sommer 2013 nach und nach ausfindig machte und anrief. Anlass war das 40-jährige Bestehen des Zwickauer Stadtteils Neuplanitz, dem man mittels "Lotos"-Auftritt eine passende Portion 80er-Nostalgie verpassen wollte. "Wir waren alle sofort dabei", sagt Andreas Goldmann. Allein der langjährige Bandmanager Dieter Heidloß blieb skeptisch. "Ich habe gesagt, das kann nicht gutgehen. Macht diese eine Mucke, dann ist Schluss", erzählt er.

Doch schon bald nach der besagten Probe stellte sich - dank moderner Medien - auch bei früheren Fans die Nostalgie und die Erinnerung an den Zauber längst vergangener Momente mit "Lotos" wieder ein. Via Facebook tauchten plötzlich ehemalige Fanclubmitglieder, Autogrammkarten und Schwarz-Weiß-Fotos der Band aus den 80ern auf. Ein Fan reiste sogar aus Köln zum jenem ersten Comeback-Auftritt im Erzgebirge an. Auf einmal war "Lotos" wieder da - und auch der frühere Bandchef Heidloß endlich von der Sache überzeugt: Es soll weitergehen, nicht nur in Zwickau.

Nicht mehr so krachend wie in den 80ern, sondern langsam wollen die vier nun wieder durchstarten. Die erste Single ist schon fertig. "Niemandsland" heißt der Titel, mit dem "Lotos" nicht einfach nur wiederholen, was in den 80ern mal "in" war, sondern es klanglich sachte weiterentwickeln. Dabei trägt dieser voluminöse Elektropop-Sound aber noch hörbar die Handschrift von damals. Der Titel wird am Mittwoch - zunächst rein digital - veröffentlicht. Mitte Juni steht das nächste Konzert beim Stadtfest in Pirna an. Für das Fest in ihrer Heimatstadt Dresden konnten die vier ihre Terminkalender allerdings nicht vereinen, denn inzwischen hat jeder noch andere Projekte. "Das ist aber das Schöne, es geht hier niemandem ums Geld", sagt Dieter Heidloß, der das Management seiner Band erneut übernommen hat. Die will im Laufe des Jahres auch ein neues Album aufnehmen - denn "Lotos", da sind sich alle Beteiligten einig, soll nicht so bald wieder im "Niemandsland" entschwinden.

@www.lotoshome.com

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.04.2014

Nicole Czerwinka

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