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Zum heutigen 20. Todestag von Palucca - eine außergewöhnliche und authentische Frau und Künstlerin

Zum heutigen 20. Todestag von Palucca - eine außergewöhnliche und authentische Frau und Künstlerin

"Ich kannte Palucca, ehe ich sie kannte. Später sah ich sie tanzen und lernte sie kennen." So begann Will Grohmann sein im Jahre 1935 im Carl Reissner Verlag Dresden erschienenes Buch über "Die Tänzerin Palucca", und er wählte für den Autorennamen das Pseudonym Olaf Rydberg.

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Gret Palucca im Jahr 1972 in Dresden.

Quelle: ADN Löwe

"Ich sah Palucca in größeren Abständen tanzen und sprach mit ihr. Nicht allzu oft, aber jedes Mal mit dem intensiven Verlangen, ihr Geheimnis zu erfahren. Ich habe es nicht erfahren, und sie wird es selber nicht wissen, nur ahnen wie wir. Die Lösung wäre das Ende, jeder Künstler nimmt sein Geheimnis mit ins Grab."

Will Grohmann bezieht diese Äußerung sowohl auf die Frau wie auch auf die Tänzerin, Künstlerin, und er benennt ihre Eigenarten, spricht davon, dass Kunst und Leben bei ihr eine Einheit sind. Sie sei "ein singuläres Wesen", "weltverloren und erfahren, nicht ganz heimisch in dieser Welt und fest auf dem Boden stehend, jenseitig und diesseitig". Er beschreibt zum Beispiel auch ihre Beziehung "zu den Vielen", wie er sagt. "Sie ist für jeden da. Für jedes Kind, das ihr Blumen bringt, jeden Studenten, der ihr begeistert schreibt, jedes Mädchen, das Berufssorgen hat, jeden Erwachsenen, der Vertrauen erwartet." Diese Zuwendung, vielleicht auch nur für Momente, hat tatsächlich wohl jeder erfahren, den sie mochte, mit dem sie arbeitete, der ihr begegnete. Und dafür nahm sie sich Zeit, reagierte auch neugierig auf Gäste. Sie konnte jedoch ebenso, herausgefordert zum Beispiel durch Nachlässigkeit, Desinteresse, Dummheit, heftig reagieren. Nicht, indem sie die Stimme hob oder Stühle warf. Wenn Ihre gebändigte, gebündelte Kraft explodierte, dann tötete sie mit Blicken, verletzte mit Worten. Und vor allem - sie entzog sich dem Betreffenden. Palucca war dominant auf ihre Weise, wählte unter den Schülern Bevorzugte aus, wusste aber auch zu schätzen, wenn deren Begabung weniger im Bereich des Tanzes lag. Starke Persönlichkeiten hat sie nicht gebrochen oder nach dem eigenen Bilde zu formen gesucht. Sie hat sie eher aus dem Nest geworfen - und das ist diesen auch überwiegend gut bekommen.

"Alles, was sie anrührt, wird ihr zu Tanz." Grohmann hat es in einem einzigen Satz gesagt. Und wir wissen, dass sie jegliches, was ihr wichtig war, mit unglaublicher Energie anpackte - das Tanzen und das Unterrichten. Und sie hat sich auch Auszeiten genommen, ist allein, mit Partnern oder Freunden immer wieder ans Meer gefahren. Wer sie am 8. Januar 1987 zu ihrem 85. Geburtstag im Kreise der Schüler auf der Bühne der Semperoper erlebte, wird das wohl nie und nimmer vergessen. Diese kleine, schmale Frau als eine der Großen des 20. Jahrhunderts, rundum umgeben von Liebe und Hochachtung, von Künstlern jeglichen Alters, die sie maßgeblich mit auf den Weg gebracht hat, von Kreativen in vielen Berufen. Palucca vermittelte das ihr Wichtige, und das prägte jeden, der dafür empfänglich war.

Den 90. Geburtstag 1992 verbringt Palucca bewusst zurückgezogen, in aller Stille - nur wenige konnten sie an ihrer Haustür mit Blumen überraschen. Und als sie am 22. März 1993 kurz vor Mitternacht im Alter von 91 Jahren der Tod ereilt - sie litt an einer schweren Bronchitis und wurde aufgrund eines Schwächeanfalls ins St. Joseph-Stift gebracht -, lebte sie schon längere Zeit sehr zurückgezogen. Am 1. April wurde Palucca beigesetzt auf dem Inselfriedhof in Kloster auf Hiddensee, und auf dem großen runden Findling mit ihrem Namenszug in der charakteristischen Schreibweise finden sich auch heute noch immer wieder kleine Steine zur Erinnerung.

Die Gedächtnisfeier am 31. März 1993 in der Semperoper war sehr berührend. Auch der lange Zug jener, die im Vorbeigehen unzählige rote Rosen auf die Bühne legten. Ruth Berghaus, einst ihre Schülerin, sagte damals: "Wer durch diese Schule gegangen ist, hat es nicht leicht gehabt, und macht es sich nicht leicht." Und sie spricht diesen so rätselvollen und zugleich klaren Gedanken aus: "Was zählt, ist das Beispiel. Der Tod bedeutet nichts." Wie viel Wahrheit in diesen Worten liegt. Palucca lebte nicht "das Prinzip Palucca" - sie ist das Beispiel, das zählt. Und der Tod bedeutet nichts.

iAus Anlass von Paluccas 20. Todestag lädt die Palucca Hochschule für Tanz erstmals Absolventen der vergangenen Jahrzehnte zum hochschulinternen Alumni Tag ein.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.03.2013

Gabriele Gorgas

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