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Zum Tode des Kamenzer Malers Gottfried Zawadzki

Kunst war sein Lebenselixier Zum Tode des Kamenzer Malers Gottfried Zawadzki

Seine unbedingte Hingabe an die Berufung als Maler schwang in jedem seiner Worte. Malen war sein Lebenselixier, das ihn durch und durch erfüllte und ihn bis in die letzten Jahre verjüngte und vital bleiben ließ. Jetzt ist der Kamenzer Künstler Gottfried Zawadzki im Alter von 93 Jahren verstorben.

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Gottfried Zawadzki

Quelle: Gabriele Seitz

Dresden. Freundlich, fast liebevoll, aber mit Nachdruck, erzählte mir Gottfried Zawadzki aus seinem Leben anlässlich einer Eröffnungsrede zu einer Ausstellung von ihm. Seine unbedingte Hingabe an die Berufung als Maler schwang in jedem seiner Worte. Malen war sein Lebenselixier, das ihn durch und durch erfüllte und ihn bis in die letzten Jahre verjüngte und vital bleiben ließ. Nun ist Gottfried Zawadzki im Alter von 93 Jahren verstorben.

Die Begeisterung für die künstlerische Arbeit, seine menschliche Mission, drückte sich unmittelbar in seinen Werken aus, in denen die Schöpfung vom christlichen Standpunkt aus vorstellbar und glaubhaft gemacht wurde. Dabei bediente er sich der Abstraktion und einer mehr symbolischen Kunst, indem der Kreis. aber auch andere geometrische Formen wie das Dreieck als elementarer Ausdruck der Natur in dem Mittelpunkt gestellt wurden. Sphärische Farbklänge, Lichterscheinungen wie das Sonnenrad und die Elemente, schließlich die gesamte Natur, die Erde und der Kosmos schwingen in seinen Bildern, vor allem als Holzschnitt, Ölbild, Mischtechnik und Pastell.

Immer blickte der Künstler optimistisch in die Zukunft, obwohl er und seine Familie im letzten Krieg und danach Schweres zu erleiden hatten und die Jahre in der DDR mit Mühe und existenziellen Sorgen verbunden waren. Im Krieg machte er schlimme Erfahrungen an der Ostfront und in der Gefangenschaft, trug lebenslang an den Folgen einer schweren Verwundung. An der Front und im Gefangenenlager bildete sich sein religiöses Bewusstsein. Sein Vater ging im Mai 1945 den russischen Soldaten mit der weißen Fahne entgegen und verhinderte damit die Zerstörung von Kamenz.

Gottfried Zawadzki

Gottfried Zawadzki. Kommendes IV

Quelle: Evangelischer Kunstdienst Sachsen

Mit seiner großen Familie (vier Kinder) wohnte Gottfried Zawadzki in einer beengten Mietwohnung in Kamenz. Erst nach 1989 konnte er sich der freien Malerei widmen und sich seinem innersten Anliegen hingeben, ernsthaft Kunst zu machen, die Bestand hat und überdauert. In zehn Mal-und Zeichenkursen seit 1948 in Kamenz, Zittau und Dresden profitierten Generationen von Kunstinteressierten von der Lehrtätigkeit des Künstlers, wie auch der Coswiger Maler Michael Horwath, mit dem ihn eine tiefe, lang andauernde Freundschaft verband.

Gottfried Zawadzki hat auf dem Gebiet der Kirchenarchitektur und -kunst Beachtliches geleistet. Allein 500 Glasfenster für Kirchen und kirchliche Einrichtungen, 63 katholische und evangelische Kirchenraumgestaltungen im Inland und in Polen, sowie baubezogene Kunst halfen ihm in der DDR über die Jahre mit Auftragskunst hinweg und sicherten ihm in Zeiten der Formalismusdenunziation die Existenz. In dieser Zeit bevorzugte er den farbigen Holzschnitt, den er oft in den jeweiligen Kirchenraum integrierte. Wichtige Ausstellungen richtete der Evangelische Kunstdienst Sachsen aus. Die Festlegung auf religiöse Inhalte ist bis in Zawadzkis Malerei gedrungen und beeinflusste sein tiefes Welt-und Gottesverständnis. Bedeutsam für sein Werk war vor allem seine Serie von Ölbildern und grafischen Arbeiten zu Franz von Assisis „Sonnengesang“. 1987 erhielt er die Barlach-Medaille und 1993 den Oberlausitzer Kunstpreis, 2003 das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

In seiner bekannten Reihe „Schöpfung und Chiffren“ wurden konkrete Beobachtungen und sensible Erfahrungen in der Natur verarbeitet und zu teils abstrakten Kompositionen verdichtet. Ihre leuchtende Farbigkeit strahlt und stellt das innere Licht in den Mittelpunkt. In den Gestaltungen der Gestirne, des Meeres und der Erd-und Himmelslandschaften, ihrer inneren Tektonik, gewinnt der Kosmos an bildnerischer, durchgeistigter Kraft und Bedeutung. In den letzten Jahren ist seine Malerei immer abstrakter geworden. Seine Bildräume verströmen zunehmend Weite, Unendlichkeit, aber auch Behaustheit und Geborgenheit, also positive Bewertungen des Daseins, die ihm über die beschwerlichen Jahre des Alterns hinweghalfen.

Gottfried Zawadzki wurde am 15. August 1922 in Kamenz geboren. 1937-1940 absolvierte er eine Lehre als Dekorationsmaler, später studierte er an der Kunstgewerbeschule Dresden Raumgestaltung, 1947-1953 an der HfBK Dresden Wandmalerei (Prof. Carl Rade) und freie Grafik bei Prof. Hans-Theo Richter. Er war ein spiritueller Maler, aber fern esoterischer Schwärmerei und religiösen Fanatismus’. Sein Christentum ist in ihm fest verankert gewesen. Für ihn war es wichtig, Kunst und Leben zu verbinden und in dieser Einheit vorbildlich zu sein. Gott offenbarte sich ihm vor allem in der Natur, in ihr fand er alle Stärkung und Kraft.

Von Heinz Weißflog

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