Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Google+
Zum Tod des Dresdner Architekten Dieter Schölzel

Bekenntnis zur Denkmalpflege Zum Tod des Dresdner Architekten Dieter Schölzel

Der Dresdner Architekt Dieter Schölzel ist am 6. Mai 2016 nach langer Krankheit verstorben. Das teilte die Sächsische Akademie der Künste in Dresden mit. Heinrich Magirius, 1994 bis 2000 Sächsischer Landeskonservator, würdigt ihn in einem Nachruf in den Dresdner Neuesten Nachrichten.

Dieter Schölzel

Quelle: Klaus Michael

Dresden. Am 6. Mai 2016 ist Dieter Schölzel verstorben. Damit verliert Dresden einen Architekten von hohem persönlichen Anspruch gegenüber den baumeisterlichen Traditionen der Stadt. Er selbst sah sich stets berufen, Wertvolles auch weiterzuführen. Seiner stillen Beharrlichkeit, die sich nie vordrängte, aber andererseits der Verantwortung seines Berufs stets bewusst war, bleibt in Erinnerung.

Mir begegnete der am 4. Juni 1936 in Hauswalde Geborene erstmalig um 1960 als Student der Architektur, der sich bereit erklärt hatte, mir bei der Vermessung von Ausgrabungsergebnissen im Zisterzienserkloster Altzella zu helfen. Die dabei geführten Gespräche bewiesen ein ungewöhnlich starkes Einfühlungsvermögen in die Traditionen des Klosters und seiner baulichen Gestaltung. Beim Warten auf einen Bus in Nossen fielen Urteile zum Städtebau, die für mich damals neu waren und deshalb unvergessen sind.

Erst beim Wiederaufbaugeschehen der Semperoper in Dresden seit 1977 setzten berufliche Kontakte ein. Zu seiner Arbeit an Vorbereitungen zum Wiederaufbau der Oper im Institut für Kulturbauten schreibt Schölzel selbst: „1967 lag in Form einer Technisch-Ökonomischen Zielstellung eine umfassende Dokumentation vor, in der die funktionelle Prinzipien zum Wiederaufbau dargelegt waren“. Was auch weiterhin von den Mitarbeitern des Instituts für Kulturbauten beim Wiederaufbau der Oper geleistet wurde, tritt heute hinter dem Namen des Chefarchitekten zurück, war aber eigentlich ein Schlüssel für das Gelingen der in wenigen Jahren erreichten Vollendung der neuen Semperoper, die dank des Zusammenstimmens aller Kräfte zu einer der „Sternstunden“ der Denkmalpflege im 20. Jahrhundert zählen dürfte. Auch dem Wiederaufbau anderer Monumente des Zentrums von Dresden, dem Residenzschloss und dem Taschenbergpalais, sind die Vorbereitungen des Instituts für Kulturbauten zugutegekommen. Nicht zuletzt ist an die Tätigkeit bei der Wiederherstellung des Theaters in Putbus zu erinnern. Dieter Schölzel führte die Erfahrungen beim Opernbau auch wissenschaftlich mit Studien zum Theaterbau Sempers weiter, die im Jubiläumsjahr 1979 erschienen sind.

Mit dem Datum der friedlichen Revolution von 1989 verbinden sich für Dresden die Anfänge eines weiteren Großprojekts, des Wiederaufbaus der Frauenkirche 1991–2005. Dabei dürfte es erst recht nicht zutreffend sein, nur einige Wenige für das Gelingen namhaft zu machen. Zu den selten oder gar nicht genannten Namen des Wiederaufbaus gehört der von Dieter Schölzel. Schon 1988 war er dabei, einen Auftrag der Sächsischen Landeskirche zu erfüllen, nämlich in der Ruine der Frauenkirche eine „Freiluftkirche“ einzurichten. Dieser mit Dr. Walter Köckeritz zusammen erarbeitete Versuch erbrachte den Beweis, dass das keine dauerhafte Lösung werden könnte. Als Mitunterzeichner des „Rufs aus Dresden“ 1990 stellten sich beide Architekten hinter die Wiederaufbauidee. In der „Gesellschaft zur Förderung des Wiederaufbaus der Frauenkirche“, jahrelang auch im Vorstand der „Gesellschaft“, deren Ehrenmitglied Schölzel war, brachte er immer wieder Lösungsvorschläge ein, die dem Wiederaufbau nützlich waren. Sein besonderes Anliegen war es, in der „Gesellschaft“ selbst, aber auch in deren Publikationen, darauf hinzuweisen, dass die Frauenkirche mit einem wiederaufgebauten Bild des Neumarkts ein ihr angemessenes Umfeld erhalten sollte.

Dieter Schölzel nahm stets am kulturellen Leben der Gegenwart Anteil, oft in Begleitung seiner Frau. Seit 1996 gehörte er als Gründungsmitglied der Sächsischen Akademie der Künste, Klasse Baukunst, an. Nicht unerwähnt bleiben sollte aber auch seine Mitwirkung in der „Gestaltungskommission“ der Stadt Dresden. Dabei hielt er sich mit kritischen Anmerkungen gegenüber extremen Positionen in der Akademie und in der Gestaltungskommission nicht zurück.

Beachtlich sind einige seiner Akademiepublikationen, zum Beispiel „Bautzen, Probleme der Stadtentwicklung“ (1999), „Dresden. Stadtplanung und Stadtentwicklung“ (1999) und „Architektur und Städtebau der Nachkriegsmoderne in Dresden“ 2003. Mehr in der Stille blieben eigene Initiativen, so die Wiederherstellung des Giebels vom 1. Dresdner Hoftheater von Ernst Rietschel in Bautzen (2005), die Vorschläge zur Erhaltung des Saals im Kulturpalast als Zeugnis der Nachkriegsmoderne in Ostdeutschland oder die durchaus nicht einfache Anbringung des Adventssterns in der Laterne der Frauenkirche. Jede Arbeit, auch die kleinste, wurde von ihm mit aller Sorgfalt vorbereitet und durchgeführt. In der Gestaltung der Dienstaltäre in der Katholischen Hofkirche in Dresden und in der Klosterkirche von St. Marienthal zeigte sich Schölzel als ein der Moderne verpflichteter Architekt, dennoch bemüht, im Angesicht der historischen Vergangenheit der Bauwerke zu bestehen. In Allem war Dieter Schölzel stets eine integre, vertrauenswürdige Persönlichkeit. Ohne je der offiziellen Denkmalpflege angehört zu haben, ist mit ihm ein Architekt des Bekenntnisses zur Denkmalpflege von uns gegangen.

*Unser Autor Prof. Heinrich Magirius war 1994 bis 2000 Sächsischer Landeskonservator

Von Heinrich Magirius

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Onlineabo

    "DNN-Exklusiv" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Sie überall und rund um die Uhr nutzen können - zu... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr