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Zum Spielzeitschluss ein Helden-Picknick mit der Staatskapelle Dresden

Zum Spielzeitschluss ein Helden-Picknick mit der Staatskapelle Dresden

Eine Stunde vor Konzertbeginn musste noch gebangt werden - wird die große dunkle Wolke da oben ausgerechnet das siebte Mal von "Klassik picknickt" vermiesen? Das wäre verflixt, schließlich saßen schon die ersten Gäste des lange ausverkauften Konzertes auf ihren Decken und in Liegestühlen, um von den besten Plätzen aus ihr Picknick zu starten, das dann von einem Konzert Erster Klasse gekrönt werden sollte.

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Klassik picknickt - mal aus einer anderen Perspektive.

Quelle: Matthias Creutziger

Zum Glück verzog sich die Wolke, weitere Besucher strömten zum Gelände vor der Gläsernen VW-Manufaktur, Zaungäste harrten auf der Lennéstraße sowie auf den Wiesen vis-à-vis aus. Wegen einer brasilianischen Sportveranstaltung begann das 2008 ins Leben gerufene Klassik-Picknick bereits 19 Uhr. So kamen alle dann noch in den Genuss blendenden Sonnenscheins.

"Klassik picknickt" Nr. 7 war aber noch aus anderen Gründen anders als die vorangegangenen Jahrgänge. Die standen thematisch im Zeichen von Ländergrenzen bzw. Kulturkreisen, voriges Jahr gab es beispielsweise eine spannende "Russische Nacht" mit dem Dirigenten Michail Jurowski. Wenn nun erstmals Chefdirigent Christian Thielemann das Picknick-Konzert leitet - er kam dazu extra von Bayreuther Festspiel-Proben nach Dresden und ist inzwischen schon wieder in der Wagner-Stätte zurück -, dann hätte man durchaus eine "Berliner Nacht" erwarten dürfen. Aber auch diese Wolke zog (glücklicherweise?) an uns vorbei. Thielemann besann sich viel mehr auf das Strauss-Jahr, das ja diese und auch noch die folgende Saison von Staatskapelle und Semperoper stark prägt. Warum also nicht auch ein Picknick? Keine bildhafte "Alpensinfonie", kein dröhnender "Zarathustra" standen auf dem Programm (auch nicht Webers angekündigte "Freischütz"-Ouvertüre), sondern mit der Burleske d-Moll für Klavier und Orchester durchaus eine Rarität von Strauss. Ein sichtlich gut aufgeräumter Rudolf Buchbinder absolvierte den "widerhaarigen" Solopart, wie ihn Hans von Bülow einst bezeichnete, der die ihm zugedachte Uraufführung 1886 ablehnte. Erst Eugen d'Albert wagte sich vier Jahre später an dieses unbändig vitale Werk des jungen Strauss.

Zwar weist es auch lyrische Momente auf, in denen Thielemann die Kapelle wie im Selbstlauf aufblühen ließ und Buchbinder seine Gestaltungskraft satt einfärben konnte, vor allem jedoch wirkt die Burleske durch ihre kraftvoll strotzende Rasanz, die präziser Abstimmung bedarf, um der durchaus vertrackten Rhythmik Herr zu werden. Solopauker Thomas Käppler setzte entsprechend Zäsuren, denn im Wechselspiel zu Klavier und Orchester erwies er sich als durchweg tonangebend.

Nur in seltenem Walzerschwung klingt in dieser Burleske der spätere Strauss schon an. Dafür freilich gab es die charmant von Moderatorin Bettina Volksdorf eingeforderte Zugabe des Pianisten, der übrigens schon Ende September mit Chopins 1. Klavierkonzert wieder in Dresden zu erleben sein wird. Hier ließ er Strauß auf Strauss folgen und becircte das davon angetane Publikum fingerfertig mit Alfred Grünfelds Konzertparaphrase über Walzerthemen von Johann Strauß.

Was für ein Themenwechsel dann zum zweiten Hauptwerk des Abends! Thielemann, der ja mit den Wiener Philharmonikern sämtliche Beethoven-Sinfonien eingespielt hat, hievte mit der "Eroica" einen ernsthaften Schwerpunkt ins Open-Air-Konzert. Darin ging es nicht nur heroisch zu, sondern sinnlich tief, thematische Übergänge wurden geradezu kammermusikalisch herausgearbeitet, teils verblüffende Tempi sorgten bisweilen für einen Klang-Dom über den Wiesen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.07.2014

Michael Ernst

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