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Zum Jubiläum von Grimms Märchen bringt Christoph Werner am tjg-Puppentheater "Frau Holle" heraus

Zum Jubiläum von Grimms Märchen bringt Christoph Werner am tjg-Puppentheater "Frau Holle" heraus

So viele Märchen und abermals Märchen gibt es überhaupt nur in der Vorweihnachtszeit. Da tummeln sich auch diverse Gestalten der Brüder Grimm auf den Bühnen, und da sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.

Der in Dresden bereits gut bekannte Regisseur und Autor Christoph Werner, Künstlerischer Direktor des Puppentheaters Halle, inszeniert nach "Dornröschen" eine weitere Geschichte mit Hund Max und dem Geschichtenmann, der nun eine Geschichtenfrau ist, am tjg-Puppentheater. Dass der erfahrene Theatermann ein Märchenliebhaber par excellence sein dürfte, kann man annehmen. Und allein das wäre 200 Jahre nach dem ersten Erscheinen der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm schon Grund genug, dass ihm Gabriele Gorgas dazu ein paar Fragen stellt.

Frage: Werden in den Familien überhaupt noch Märchen erzählt oder passiert das mehr auf den Bühnen?

Christoph Werner: Das ist sicher sehr unterschiedlich, aber in unserer Familie gehört das Geschichten- und Märchenerzählen mit dazu. Manchmal auch dann, wenn Besuch da ist und wir alle draußen am offenen Feuer sitzen. Mein kleiner Sohn fordert das Erzählen geradezu ein, versucht es auch selbst, und meine große Tochter liest natürlich, was sie will, schreibt auch eigene verrückte Sachen, die sie mir dann schenkt. Darüber freue ich mich sehr. Mein Vater hatte uns Kindern jeden Abend vorgelesen. Das war wie ein Ritual. Und alles mögliche gehörte dazu, auch orientalische Märchen oder Falladas "Geschichten aus der Murkelei". Aber er las nicht die Märchen der Brüder Grimm. Denn davon hatten wir jede Menge Schallplatten, und die hörten wir uns unentwegt an. Ich kenne heute noch die Texte und den Duktus der Sprecher.

Welche der Grimm-Märchen bevorzugen Sie denn?

Jetzt gerade ist es "Frau Holle" und dann ist es wieder ein anderes. Was mir an diesen Märchen so gefällt, ist, dass sie schnell zur Sache kommen. Drei Sätze und dann weiß man schon, worum es geht. Es sind starke Motive, erkennbare Charaktere. Bei "Dornröschen" ist es das Märchen vom rechten Zeitpunkt, bei Frau Holle das Märchen von der verpassten Chance. In der Fassung von Andreas Hillger gibt es mit Max und Erzähler eine Mittlerebene, doch die bekannte Geschichte bleibt trotzdem erhalten. Die Kinder lieben insbesondere Max, der alles kommentiert und Fragen stellt. Märchen sind überhaupt die Urformen des Erzählens. Und auch so etwas wie Heimat, nach der man sich sehnt. Es gibt sie in jeder Kunstform, auch im Kino.

Was vermag das Geschichtenerzählen?

Ich glaube, es ist die letzte sinnstiftende Bastion. Wir verlieren überall Boden unter den Füßen, suchen verzweifelt nach Halt, Zusammenhalt, Ursache, Wirkung. Märchen geben da eine gewisse Struktur vor, schaffen klare Unterscheidungen. Und sie sind auch so etwas wie Heimat, nach der man sich sehnt, assoziieren Geborgensein, Sicherheit. Franz Fühmann nannte Märchen die gefallenen Mythen.

Am tjg haben sie schon mehrfach als Gast inszeniert, auch für die Sommerbespielung im Stallhof. Wie hat sich das ergeben?

Die Puppenspielerszene ist nicht so groß - man kennt und begegnet sich. Wie es überhaupt so ist bei den Theaterleuten. Ich schätze die Dresdner Bühne sehr. Hier wird hochprofessionell und mit Leidenschaft gearbeitet. Und es ist auch sympathisch, wenn Schauspieler und Puppenspieler zusammenarbeiten. Überhaupt macht es Spaß, an einem anderen Ort zu inszenieren. Ich hatte Dresden ewig nicht gesehen und war erstaunt, wie sich alles verändert hat. Unsere Bühne in Halle, die auch bald 60 Jahre besteht, besitzt eine Besonderheit - wir sind das einzige Puppentheater, das mehr für Erwachsene als für Kinder spielt, haben im Abendspielplan eine Auslastung von rund 90 Prozent. Und wir sind zudem viel auf Reisen. Ausgangspunkt für diese Entwicklung war die Inszenierung "Das Bildnis des Dorian Gray", die von 1995 bis 2002 insgesamt 136 Vorstellungen hatte, immer vor ausverkauftem Haus.

Ist es nicht merkwürdig? In der Vorweihnachtszeit rennen alle ins Theater, zu Märchen und jeglichen Geschichten.

Im Dezember können die Theater noch mal so richtig ihre Besucherzahlen auffrischen. Wer es dann nicht mehr schafft, auf eine gute Auslastung zu kommen, muss etwas falsch gemacht haben. Aber kurios ist es schon, dass wir modernen Menschen, die Heizungen aufdrehen und Licht anknipsen können, plötzlich wie vor hunderten Jahren, wenn es draußen immer dunkler wird, Geschichten hören wollen. Da ist diese Sehnsucht, die Geborgenheit der Familie, eine Art Zusammenrücken.

Premiere: heute 16 Uhr

www.tjg-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.12.2012

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