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Zum 75. Geburtstag des Sängers Siegfried Vogel

Zum 75. Geburtstag des Sängers Siegfried Vogel

Siegfried Vogel war, so könnte man sagen, das DDR-Pendant zu solchen Sängern wie Franz Crass und Kurt Moll: satt orgelnde Bass-Mannsbilder allesamt, der letztgenannte sogar, wenn man eigener Erinnerung und den Wikipedia-Fotoseiten glauben darf, mit einer entfernten physiognomischen Verwandtschaft.

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Ein Portrait Siegfried Vogels, das etwa 1959 entstanden ist.

Moll wird nächstes Jahr 75; Vogel, der gebürtige Chemnitzer, ist schon heute dran. In späteren Jahren, nach Abklingen der großen Karriere, die ihn zu fast allen namhaften Häusern und Festspielen führte, ist er gelegentlich ins dortige Heimat-Opernhaus zurückgekehrt - und Dresden lag und liegt ihm als Sachse natürlich, in vielerlei Bedeutung, auch nahe.

Eine der Rollen, die er hier gesungen hat, ist der König Marke, und Könige jeder Art waren (mit fließendem Übergang in sonstige Stammesfürsten oder höhere Beamte, politische Vaterfiguren jeder Art also) ohnehin eine beeindruckende Spezialstrecke für diese wuchtig ausladende und dabei dennoch samtige, ja balsamische Stimme: Heinrich im "Lohengrin" oder Ludwig in Webers "Euryanthe" zum Beispiel. Auch Komödiantischeres - die Mozart-Rollen, Strauss' Ochs - lagen ihm nicht fern, ebenso wenig gelegentliche Ausflüge zu Lied, Kantate und Oratorium, aber in erster Linie verbindet man Siegfried Vogel doch mit Gravität und Würde: da konnte er selbst in nicht allzu umfangreichen Partien Tiefenwirkung hinterlassen.

Was dann wieder dazu passte, dass es kaum seine Sache war, sich in den Mittelpunkt zu spielen. So gesehen bildete sein Bass nicht nur klanglich, sondern auch ideell nicht die glänzende Fassade, wohl aber das Fundament mancher Aufnahme: rund, solide und absolut zuverlässig - ein Mannschaftsspieler, dessen Fehlen man am deutlichsten daran merkt, wie lange man überlegen muss, um auf aktuelle Sänger mit einem vergleichbaren Profil zu kommen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.03.2012

Gerald Felber

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