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Zum 20-Jährigen der Dresdner Hofmusik

Zum 20-Jährigen der Dresdner Hofmusik

Über ganz reale Länder- wie über sogenannte Genregrenzen, zudem Zeiten verbindend, das Alte ehrend mit ganz heutigen Ausdrucksformen. Ausverkauft. Wie manch vergangenes Programm an diesem Ort und wohl auch nachfolgende.

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Wo viele gern nur ein kleines Häuflein Sonderlinge mit viel zu speziellem Interesse vermuteten, stellt man das Gegenteil unter Beweis. Der Verein Dresdner Hofmusik e.V., der in diesem Jahr sein 20. Gründungsjubiläum begeht, lud in die Kapelle im Dresdner Residenzschloss ein, für deren Wiedergewinnung als Aufführungsort für Alte Musik er sich seit langem und nicht nur mit der eigenen Reihe "Konzerte in der Schlosskapelle" einsetzt.

Hier hat Heinrich Schütz gewirkt, auf dessen Schaffen so manches zurückgeht, dessen sich die Stadt heute weltweit rühmt. Ihn zu ehren, wie es die Hofmusik u.a. hiesiger Kooperationspartner für das deutlich aufstrebende Heinrich Schütz Musikfest tut, sollte selbstverständlich sein und muss noch lange nicht heißen, nur im eigenen Saft zu schmoren. Schütz war ein europaweit wirkender Musiker, das kann und will man auch für Dresden nutzbar machen, wie der Abend eindrücklich unterstrich.

Das Programm lenkte den Blick ins England des Elisabethantischen Zeitalters, Hort einer sehr charakteristischen, bis heute reizvollen Musik. John Dowland, William Byrd, Thomas Morley sind Namen, die Bestand haben. Werke von diesen und weiteren Komponisten brachte die Cappella Sagittariana Dresden als unter dem Dach der Hofmusik agierendes Ensemble zu Gehör, frönte dabei vor allem der sprichwörtlichen Melancholie jener Epoche. Die hatte für die vokalen unter den Stücken in der Sopranistin Maria Skiba eine unaufdringliche Sachwalterin, die die Musik für sich sprechen ließ, sich jeder Melodramatik enthielt.

Für ausgewählte Stücke fand zudem Katja Erfurth eine stimmige tänzerische Umsetzung. Bediente sie sich für Byrds "Wolsey's wilde" und Thomas Simpsons "Galliard" einiger akzentvoll gesetzter Anleihen an die Gestik alter höfischer Tänze, so fand sie etwa für Dowlands berühmtes "Flow my tears" eine ausschließlich heutige Bewegungssprache. Sehr eindrücklich beschrieb sie das Gefangensein in schmerzvoller Einsamkeit, damit zugleich unterstreichend, dass diese aus tiefster Vergangenheit stammende Musik heutigen Betrachtungsweisen nicht nur standhält, sondern Anreiz bietet.

Dass die Schlosskapelle an diesem stimmigen Abend bis auf den letzten Platz besetzt war, machte zwar ob des entsprechenden "Klimawandels" den alten Instrumenten der in Gambenconsort-Besetzung musizierenden Cappella Sagittariana hörbar zu schaffen, ist aber vordergründig als ermutigendes Zeichen für den Verein zu werten, dass dessen Arbeit ihr Echo findet und Alte Musik kein verstaubtes Nischenprodukt sein muss.

Den Mut werden die Vereinsmitglieder brauchen in einer Zeit, in der die Stadt Dresden ihre Kunstschaffenden an der kurzen Leine hält. 15 000 Euro bekommt die Hofmusik aktuell im Jahr von der Landeshauptstadt; mit der Förderung der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und projektbezogen der Mitteldeutschen Barockmusik summiert sich der Jahresetat auf rund 35 000 Euro. Bei aller Knappheit sind jedoch neben künstlerischen Konzeptionen in 20 Jahren Hofmusik strukturelle und organisatorische Strukturen entstanden, die eben zum Beispiel auch sämtliche in Dresden stattfindende Veranstaltungen des Heinrich Schütz Musikfestes stemmen. 2014 waren das 17 in knapp zwei Wochen mit hochrangigen internationalen Künstlern.

Zu Recht blickt man bei der Hofmusik darauf mit Stolz zurück und nutzt eben jenen, um neben dem Rechnen das zukunftsgewandte Denken nicht zu vergessen. Die Alte Musik Dresdner wie europäischer Tradition zu pflegen, zu erfrischen, in Kontexte zu stellen, bleibt dabei ebenso im Blick wie die weitere Profilierung der Schlosskapelle, für die Geschäftsführerin Dr. Katrin Bemmann auf eine inhaltlich noch fruchtbarere Zusammenarbeit mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden als Hausherrin hofft.

Noch zwei Konzerte veranstaltet der Hofmusik e.V. in diesem Jahr in der Schlosskapelle: Am 30. November, 17 Uhr, gastiert das Ensemble La Mouvance mit deutscher Weihnachtsmusik des Mittelalters, und am 25. Dezember, 17 Uhr, präsentiert die Cappella Sagittariana mit dem Programm "Johann Schelle: Actus musicus auf Weyhnachten" selten zu hörende Musik aus der Feder eines zutiefst in Sachsen verwurzelten Komponisten. Wer noch Karten haben will, muss sich beeilen - beide Konzerte erfreuen sich eines regen Vorverkaufs und dürften in Kürze als ausverkauft gelten.

Karten unter www.dresdner-hofmusik.de, an den Konzertkassen der Kreuzkirche und im Florentinum sowie an weiteren VVK-Stellen in Dresden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.11.2014

Sybille Graf

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