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Zum 100. Todestag des Autors, Übersetzers und Herausgebers Jarolsav Vrchlicky

Zum 100. Todestag des Autors, Übersetzers und Herausgebers Jarolsav Vrchlicky

"Jaroslav Vrchlicky ... hat die Entwicklung der tschechischen Literatur jäh und in so umfassender Weise vorwärtsgetrieben, dass sein schöpferisches Lebenswerk die Leistung einer Reihe dichterischer Generationen zusammenfasste und die unmessbare sprachliche und formale Entwicklungslücke mit einem gewaltigen Satze überbrückt", schrieb der deutschsprachige Prager Dichter und Literaturvermittler Otto Pick 1932 im Vorwort zu einem Auswahlband von Gedichten, der anlässlich des zwanzigsten Todestages von Vrchlicky erschien.

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Jarolsav Vrchlicky

Tatsächlich war es das Verdienst Vrchlickys, mit seiner kosmopolitischen Ausrichtung den Anschluss der tschechischen Literatur an die literarische Entwicklung Europas vollzogen zu haben. Er tat das nicht nur mit seinem umfangreichen eigenen Werk - Vrchlicky veröffentlichte 75 Lyrikbände, 32 Bände Dramen, außerdem Prosa und Essays -, sondern vor allem durch seine Übersetzertätigkeit. Er übertrug die Werke der Franzosen Hugo, Dumas, Balzac, Maupassant, France, Moliere oder Baudelaire, die Italiener Tasso, Dante oder Petrarca und gab Anthologien mit französischer und italienischer Poesie heraus. Er übersetzte die Weltliteratur: Hafis und Calderon, Whitmann und Byron, Shelly und Poe, Ibsen und Andersen, Mickiewicz und Petöfi, Schiller und Goethes Faust.

Eine Fülle, die Gefahren barg, und so machte auch Pick "viel Mergel und schlechtes Ziegelwerk zwischen strahlenden Marmorblöcken aus". "Viel tat auch die Unrast, die sein Dämon war, ... das grauenhafte Los des Dichters eines kleinen Volkes, der an manchen Tagen hunderte Verse Tasso und ähnliches übersetzen musste, um leben zu können. Und dann war es eben die erschütternde Tatsache, dass ein einziges Hirn von der Vorsehung erkoren war, das Schicksal eines ganzen Volkes auszuwetzen, es auszuwetzen auch durch eine unausdenkbare Arbeitsleistung."

Jaroslav Vrchlicky war das Pseudonym des tschechi- schen Juden Emil Frida, der am 17. Februar 1853 in Louny als Sohn eines Kaufmanns geboren wurde. Nach dem Besuch des erzbischöf- lichen Seminars in Prag studierte er Theologie und Geschichte. 1875/76 war er Erzieher beim Grafen Montecuccoli in Italien und bereiste mit seinen Zöglingen Westeuropa, wurde später Lehrer der Lehrerbildungsanstalt in Prag und heiratete die Toch- ter der Schriftstellerin Sofie Podlipska. Ab 1893 war Vrchlicky Professor für Weltliteratur an der tschechischen Universität in Prag und wurde 1901 Mitglied des österreichischen Herrenhauses, dem Oberhaus des Reichsrates.

Angeregt durch Victor Hugos Epos "Weltlegende" hatte Vrchlicky seit 1875 versucht, die Entwicklung der ganzen Menschheit in einem umfangreichen Verszyklus darzustellen, wobei er auch dem nationalen Befreiungskampf der Tschechen breiten Raum einräumte. Die Stoffe seiner philosophisch-reflexiven Versepen suchte sich der Eklektiker Vrchlicky aus allen Kulturkreisen und Epochen. Er gehörte mit Julius Zeyer zu den führenden, von tschechischen Nationalisten als Kosmopoliten angegriffenen Köpfen im Umfeld der Literaturzeitschrift "Lumir". Freundschaften verbanden ihn mit den Prager deutschen Dichtern und Neuromantikern Hugo Salus und Friedrich Adler, der Gedichte von Vrchlicky ins Deutsche übertrug.

Die "unausdenkbare Arbeitsleistung" forderte ihren Tribut, ab 1908 war Vrchlicky wegen Überarbeitung geisteskrank. Er starb am 9. September 1912 in Domazlice, sein Grab befindet sich auf dem Vysehrader Friedhof in Prag.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.09.2012

Jens Wonneberger

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