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Zum 100. Geburtstag von Jean Marais

Zum 100. Geburtstag von Jean Marais

Bambi, das Rehkitz aus weißer Keramik, erblickte in Karlsruhe das Licht der schönen Scheinwelt. Sein Tiervater Karl Fritz, Verleger der "Film- und Moderevue", überbrachte 1948 den ersten deutschen Medienpreis noch persönlich.

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Jean Marais (l.), "Engel und Muse" des Dichterfürsten und genialen Regisseurs Jean Cocteau (r.)

Quelle: Rene Jarland

Den Bambireigen eröffneten die unverwüstlich über Zeitenwenden hinweg steppende Marika Rökk und das Pariser Kino- und Theateridol Jean Marais, den seine Freunde "Jeannot" nannten. Auch DEFA-Regisseur Kurt Maetzig erhielt für "Ehe im Schatten" einen Bambi-Erstling. 50 Jahre später, am 7. November 1998, das Reh war im Hause Burda längst goldig geworden, sollte Jean Marais als Laudator für Marika Rökk und ihr Jubiläumsbambi nach Karlsruhe kommen. Da eine Lungenentzündung den Altstar ans Bett gefesselt hatte, verlas man einen Brief, der mit den Worten endete: "Haben Sie die Güte, Marika Rökk meine Komplimente zu übermitteln und ihr meine Bewunderung und Freundschaft auszudrücken". Zu diesem Zeitpunkt war Jean Marais bereits tot. Er starb in jener Nacht im Alter von 84 Jahren in Cannes.

Es war im Sommer 1956 im unvermauerten Berlin in der "Filmbühne am Steinplatz" nahe Bahnhof Zoo. Jeannot kommt zur Berlinale und wird sein zweites Bambi (ein Jahr später das dritte) als Publikumsliebling entgegennehmen. Im Mutterkino der Gilde deutscher Filmkunsttheater wird er Cocteaus "Les parents terribles" präsentieren. Diese Kunde drang bis ins Tal der damals noch nicht ganz Ahnungslosen und erreichte auch einen Filmverrückten, dem es tatsächlich gelang, eine Karte für drei Ostmark zu ergattern. Der Franzose, "schön wie ein griechischer Adonis", hatte mit einer Doppelrolle in "Ruy Blas" ("Der Geliebte einer Königin"), 1954 in Dresden aufgeführt, nicht nur Kinobesucherinnen aller Altersgruppen in seinen Bann gezogen. Auch Jungen schwärmten, etwas von dem müsste man haben, noch nicht ahnend, dass der Beau längst unterwegs war als "Engel und Muse" des Dichterfürsten und genialen Regisseurs Jean Cocteau (1889-1963), der ihm auf Bühne und Leinwand zum Durchbruch verholfen hatte. Es heißt, beide habe die Kunst zu lieben mit der Liebe zur Kunst verbunden.

Der in aller Filmwelt gefeierte Star, damals im besten Alter von 42 Jahren, hatte seine sportliche Figur im blauen Anzug in modischer V-Form untergebracht und wirkte noch verführerischer als auf der Leinwand. Mit echt französischem Charme stimmte uns Marais auf das 1949 ins Filmische übertragene Bühnenstück ein.

Dann entschwand der Gast mit federndem Gang. Vielleicht zum "Kino im Kindl" am "Kudamm", wo sein triumphaler "Orphee" im fünften Jahr (!) zu bewundern war. Auch ich hatte im "KiKi" Marais als Orpheus durch den Spiegel schreiten und in jene Welt der Mythologie eintauchen sehen, die mich fasziniert und verwirrt hatte. Ja muss man denn ein Kunstwerk bis auf den Grund entschlüsseln? Verstehen wir etwa all unsere Träume?

Jean Alfred Villain-Marais erblickte am 11.12.1913, im "Jahr der Avantgarde", in Cherbourg das Licht der Welt. Der Arztsohn stand bereits als Schüler auf der Bühne, nahm privat Schauspielunterricht, begann mit kleinen Rollen seine Bühnenkarriere und wirkte ab 1933 in einigen Filmen von Marcel L'Herbier mit.1937 entdeckte Jean Cocteau das außergewöhnliche Talent seines jungen Landsmannes und ließ sich von ihm zu seinen berühmten Stücken und Verfilmungen inspirieren wie "Der ewige Bann", "Es war einmal" ("La belle et la bete") "Der Doppeladler" oder "Das Testament des Orpheus".

Nach den anspruchsvollen Cocteau-Klassikern schlug sich der vielseitige Marais vor allem in den 60er Jahren furios und mit gewagten Stunts durch das Genre des "Mantel-und-Degen-Films" und dessen Artverwandten. In der DDR stieg er zum Publikumsliebling auf mit Streifen wie "Der Graf von Monte Christo", "Der Gejagte", "Le Capitan" "Der ehrenwerte Stanislas" oder "Fantomas". Jean Marais bewältigte 76 Filmrollen und stand bis ins hohe Alter auf den Bühnen von Paris. Als Regisseur, Maler, Bildhauer, Bühnen- und Kostümbildner, Schöpfer eines Balletts und Buchautor ("Spiegel meiner Erinnerung") bewies der schöne Weltstar sein universales Können.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.12.2013

Siegfried Thiele

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