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Zum 10. Todestag der Dresdner Kunstsammlerin Ursula Baring

Zum 10. Todestag der Dresdner Kunstsammlerin Ursula Baring

"Sie lebt weiter. Auf immer und ewig." Die eigene, etwas vermessen klingende Äußerung vor zehn Jahren als Reaktion auf jene Nachricht, dass die Kunstsammlerin Ursula Baring im Alter von 95 Jahren verstorben sei, hat sich offenbar nicht ins Gegenteil verkehrt.

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Ursula Baring bei der Eröffnung der Strüver-Ausstellung im April 2002 im Stadtmuseum Dresden.

Quelle: Gabriele Gorgas

Weil das Erinnern an diese so außergewöhnliche Frau unverändert wach geblieben ist, die Geschichten um ihre Erwerbungen, Ausstellungen, Eröffnungen immer weiter in Dresden kursieren werden. Dazu gehört auch jenes Bonmot des Kunsthistorikers und Publizisten Dieter Hoffmann: Gibst du der Baring den kleinen Finger, bricht sie dir gleich die ganze Hand.

Wer ihre Eigenarten kennt, wird das zu verstehen wissen. Die rührige Sammlerin, die Kunstwerke auch wieder verkauft hat, um neue erwerben, Künstler unterstützen und ermutigen zu können, hat konsequent das getan, was sie tun wollte. Und bediente sich beharrlich der Hilfe anderer, wenn es ihr irgendwie in den Sinn gekommen ist oder notwendig erschien. Dann musste es eben sein, egal zu welcher Stunde. Für das Umhängen ihrer geliebten Bilder wie auch für jegliche Projekte brauchte sie Helfer, und wer sich einmal in ihrem Netz verstrickt hatte, blieb darin gefangen.

Am 12. September 2002 ist Ursula Baring in Dresden verstorben. Und hatte mit Vehemenz schon rechtzeitig dafür gesorgt, dass ihre geliebte Kunst-Familie in gute Hände kommt. Dazu gehörten Arbeiten von Ernst Barlach, Otto Gußmann, Paula Lauenstein, Willy Wolff, Carlfriedrich Claus oder Hermann Glöckner. Im Februar 2003 erfolgte mit Hans-Ulrich Lehmann als Nachlassverwalter die offizielle Übergabe von rund 440 Gemälden, Grafiken und Plastiken an die damals im Aufbau befindliche Städtische Galerie Dresdner Kunst. Als unveräußerliches Eigentum, wie Ursula Baring testamentarisch verfügt hatte. Damals gab es viele Versprechen zur künftigen Nutzung der Sammlung im Bestand der Galerie, und manche wurden auch eingelöst. Beispielsweise folgte eine Art Kabinettausstellung, die ausgewählte Werke in einer Art Rauminszenierung vorstellte. Als Assoziation dafür, wie sie einst bei Ursula Baring beieinander waren. So hatte sich diese das Domizil ihrer Kunst-Familie auf Dauer gewünscht, aber das lässt sich offenbar nicht realisieren. Einige wenige Arbeiten sind in der ständigen Ausstellung zu sehen, darunter Werke von Willy Wolff und Wilhelm Müller, andere werden als ergänzende Leihgaben zur Verfügung gestellt oder auch in die eigenen Sonderausstellungen einbezogen. Man könnte sich noch mehr wünschen, aber ob es dann auch geschieht?

Die Sammlung von Friedrich Pappermann (1909-1995) beispielsweise, die einst in seinen Dresdner Wohnräumen als kuriose Mischung der Zeiten und Stile zu erleben war, hat in der Städtischen Galerie Freital ein angemessenes Domizil erhalten und lässt die eigen- willige Atmosphäre des unmittelbaren Zusammenlebens mit Kunst immer- hin erahnen. Solch ein Luxus ist der großzügigen Schenkung von Ursula Baring offenbar nicht vergönnt, aber darüber nachdenken ließe es sich schon. Zumal allein die Dokumentation über das Wirken dieser Frau, die mit ihren nicht eben üppigen finanziellen Möglichkeiten als Heilgymnastikerin einen so eigenwilligen Kunstbestand zusammenbrachte, doch äußerst spannend wäre.

Wieso schreibt eigentlich keiner ein Buch über Ursula Baring? Die in den politischen Systemen und Ideologien des 20. Jahrhunderts hin- und hergebeutelt wurde und dennoch nicht kleinzukriegen war. Welche ihre sprachphilosophischen Studien abbrechen musste, weil ihre Familie sie brauchte und der Professor in Kiel von den Nazis entlassen wurde. Die in Dresden ihre Liebe zu den Modernen entdeckte, in Güstrow Erwerbungen der "Entarteten" aus beschlagnahmten Beständen machte, in ihrer Geburtsstadt das Inferno erlebte, Nachlassverwalterin von Otto Gussmann, Paula Lauenstein war und sich noch im hohen Alter für junge Künstler engagierte. "Der stete Wandel war ihr eine Lust." Treffender als mit dieser Bemerkung von Grit Mocci lässt sie sich kaum charakterisieren.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.09.2012

Gabriele Gorgas

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