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"Zuhör-Orgie" im Mikrokosmos - Das Dresdner "Sound of Bronkow"-Festival geht in die vierte Auflage

"Zuhör-Orgie" im Mikrokosmos - Das Dresdner "Sound of Bronkow"-Festival geht in die vierte Auflage

Schon das erste Festival "Sound of Bronkow" im Jahr 2010 hatte jene künstlerische Qualität und (fast) jenes Ausmaß wie das jetzige vierte. Mit dem Societaetstheater als Heimstatt präsentiert es an drei Tagen über 20 internationale Bands und Solisten im Spannungsfeld zwischen Singer/Songwriter, Folk und Rock'n'Roll.

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Mario Cetti vom Label Kumpels & Friends mit Ina Conradi vom Societaetstheater.

Quelle: Hauke Heuer

Der Rahmen ist überschaubar und familiär, die Tickets sind begehrt. Für die DNN sprach Andreas Körner mit den Veranstaltern Ina Conradi vom Societaetstheater und Mario Cetti, der mit Lars Hiller das Label und Agentur Kumpels & Friends (K & F) betreibt.

Frage: Hat das Wort "Etablierung" für Sie beide im Jahr 2013 einen eher guten oder schlechten Klang?

Mario Cetti: Es klingt für mich auf jeden Fall positiv, denn wir hatten das Festival von Anfang an auf Langfristigkeit angelegt. Mit diesem Jahrgang haben wir erstmals das Gefühl, dass "Sound of Bronkow" in der Stadt bekannt ist.

Ina Conradi: Für uns ist es mittlerweile fester Teil der Spielzeiteröffnung. Spätestens mit der dritten Ausgabe im letzten Jahr ist das Festival auch hier im Haus im guten Sinne etabliert.

Warum haben Sie sich gerade den jeweils anderen Partner für eine Zusammenarbeit gewählt?

I.C.: Ich kann mir das rein menschlich mit keinem anderen vorstellen. K & F sind wirklich Kumpels und Freunde geworden. Künstlerisch fügt es sich zudem hervorragend in die Dienstagskonzertreihe ein, die es hier im Haus seit sieben Jahren gibt.

M.C.: Außerdem haben wir es selbst sehr gern, in einer Theateratmosphäre Musik zu hören. Das Societaetstheater hat mit den kleinen Bühnen und dem Garten, noch dazu so ideal zwischen Neu- und Altstadt gelegen, genau die richtige Größe für solch ein Festival.

Das musikalische Spektrum der Reihe und des Festivals wird in Dresden an mehreren Orten von mehreren Veranstaltern bedient. Wo sehen Sie trotzdem Unterschiede, oder braucht es vielleicht gar keine Unterschiede?

I.C.: Die Musiker sagen immer wieder, dass es bei uns immer besonders leise und die Aufmerksamkeit besonders hoch sei. Das erlaubt eine eigene Qualität des Zuhörens.

M.C.: Ich merke zunehmend, dass die Künstler diese Art Familientreffen besonders schätzen. Für uns als K & F ist es ja auch eine Art Label-Fest. Aura und Harmonie übertragen sich auf die Besucher, und das gibt es so oft nicht in der Stadt. Es existiert kein großer Backstage-Bereich, die Künstler verteilen sich an drei Tagen liebend gern mitten im Publikum.

Von vornherein hat "Sound Of Bronkow" nicht auf ein gängiges Festivalkonzept gesetzt, also um ein, zwei Highlights jede Menge Entdeckungen zu gruppieren. Ist es aus der Not heraus geboren oder gewollt?

M.C.: Es ist Konzept, aber durchaus auch aus der Not heraus geboren. Das hat einfach finanzielle Gründe. Wir verkaufen knapp 300 Festivaltickets, was eindeutige Budgetgrenzen setzt. Um eine faire Bezahlung aller Künstler zu gewährleisten, verzichten wir auf diese Art Highlights. Wir haben aber das Glück, aus dem direkten Umfeld von Label und Agentur immer wieder Musiker verpflichten zu können, die für sich genommen viele Besucher ziehen, beispielsweise Gisbert zu Knyphausen, Moritz Krämer oder Käptn Peng.

Der Termin fällt stets in eine Art Zwischenzeit. Die Sommerfestivals sind passé, die Herbsttourneen noch nicht gestartet -

M.C.: Das erschwert das Buchen, ganz klar. Wir haben aber ein eigenes Prinzip entwickelt. Es stehen zeitig Wunschbands fest, von denen einige gern auch unrealistisch sein dürfen, aber man weiß ja nie. Dann haben wir Bands dabei, die realistisch sind und die wir schon im Oktober mit unseren Anfragen fürs nächste Jahr belästigen. In zwei Fällen hat es diesmal geklappt. Frontier Ruckus aus den USA spielen hier beispielsweise ihr einziges Deutschlandkonzert und haben ihre anderen Europatermine um den Dresdner herumgebaut. Es ist aber immer auch Kampf. Und Glück.

Über 20 Bands und Solisten an drei Tagen auf relativ engem Terrain. Wie halten Sie es mit der Reizüberflutung? Hat das Publikum überhaupt genügend Luft für Entdeckungen?

M.C.: Die Frage ist berechtigt. Wir merken oft bereits beim Vorverkauf, dass es eben nicht der Selbstläufer ist, den wir bei diesem Angebot und diesem wirklich ordentlichen Eintrittspreis vielleicht erwarten. Und wir kommen immer wieder sehr schnell darauf, dass wir dem Publikum einiges zumuten. Da ist eben kein Badesee in der Nähe, kein Kasten Bier, den du mitschleppen kannst, kein Zelt, in das du reinschlüpfst, wenn du Pause brauchst. Die Zerstreuungsangebote seitens des Festivals sind begrenzt. Du bist angehalten, drei Tage lang vor allem zuzuhören. Es gibt aber mittlerweile einen nicht gerade kleinen harten Kern, und wir selbst finden diese Art Mikrokosmos toll, in dem nur das Zusammensein und die Musik zählen und aus dem du jede Menge Schätze mit nach Hause schleppen kannst. Das ist gleichzeitig eine Vision. Ich verstehe aber durchaus jene, die das als Reizüberflutung empfinden.

I.C.: Über 20 Bands klingt sehr viel. Aber wirklich alle Künstler zu erleben, ist nicht Sinn und Zweck der Sache. Deshalb haben wir vier Bühnen und Konzerte, die sich zeitlich überschneiden. Dadurch gibt es immer eine wunderbare, langsame und leise Bewegung im und ums Haus.

Und es gibt für die Abende und Nächte ausgelagerte Orte. Warum "Sound of Bronkow" auch in Dreikönigskirche, Groove Station und Kino Thalia?

M.C.: Um einen kleinen Überraschungsaspekt hineinzubekommen und auch größere Kapazitäten bedienen zu können. Die Kirche ist gleich nebenan, hat eine sehr schöne Aura und fasst eben 500 Menschen, also können Besucher nur für dieses eine Konzert kommen. Das Thalia lieben wir einfach, nicht nur, weil es dort die Sunset-Mission-Musikreihe gibt. Und die Groove Station ist gut, weil man sich dort nach der Zuhör-Orgie im Theater einfach mal durchschütteln kann.

I.C.: Von uns aus ist wichtig zu erwähnen, dass wir unsere Nachbarn schützen wollen. Wir sind schließlich in einem Wohngebiet und haben schon drei Wochen Sommerbespielung im Garten. Da muss es nicht sein, dass wir übertreiben. Also ist an beiden Abenden draußen 20 Uhr, drinnen 24 Uhr und am Sonntag 17 Ruhe. Wir wollen schließlich noch ein paar Jahre Festival machen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.08.2013

Andreas Körner

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