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Zufall, Einfall, Abfall: Ausstellung zum zehnjährigen Bestehen der Galerie Sybille Nütt in Dresden

Zufall, Einfall, Abfall: Ausstellung zum zehnjährigen Bestehen der Galerie Sybille Nütt in Dresden

Zum zehnjährigen Bestehen ihrer Galerie richtet Sybille Nütt eine Ausstellung aus, die dem Geschmack eines Publikums gerecht wird, das hohe Anforderungen zugleich an Idee und Realisierung von Kunst stellt: 21 Künstler steuerten 65 Arbeiten bei, die einen Ausschnitt Dresdner Kunst repräsentieren.

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Quelle: Galerie

Darunter Collagen, Stoffbemalungen, Assemblagen, Objekte, Skulpturen und Fotografien namhafter hiesiger Künstler. Die einen arbeiten ausschließlich in diesen Medien, die anderen als Ergänzung zu ihrem malerischen und grafischen Schaffen.

Unter dem Titel "Wertewandel" erzählt die Ausstellung von "Schönheit, Schicksal, Poesie und Witz unnützer Dinge" (S. N.). Gebrauchsgegenstände mit funktionalem Wert werden nach ihrem Wegwerfen oder ihrer Zerstörung einem neuen Zweck zugeführt: Sie mutieren durch oft knappe Veränderungen oder originelle Kombination mit anderen Fundstücken zu Kunstwerken mit kritisch-skurrilen Aussagen über die Welt des Menschen und seiner Moral. Dabei kommt es zu einer ambivalenten Spannung zwischen einst und jetzt, zwischen ehemaliger Funktion und künstlerischer Umdeutung, mit AHA-Effekt beim Betrachter.

Sybille Nütt forschte in Nachlässen und Museen und fand zwei Arbeiten von Albert Wigand (aus dem Fundus der Tochter) und Willy Wolff, die als Wegbereiter der Objekt-Kunst des 20./21. Jahrhunderts in der Region und darüber hinaus gelten. Die Faszination von Abfall und objet trouvé äußerte schon Vincent van Gogh in seinem Tagebuch bei der Beobachtung der Aschenmänner. Paolo Bianchi bringt es 2004 auf den Punkt: "Zufall, Einfall, Abfall. Kunst kann Abfälliges in Auffälliges wandeln. (...) Was gemeinhin als Recycling gilt, lässt sich hier nur als Verzauberung des Materials erleben. Die Verteidigung der Poesie des Abfalls zelebriert die Schönheit und Anmut der letzten Dinge".

Im Schrank ihrer Schwiegermutter entdeckte Antje Krohn DDR-Bettwäsche und bemalte sie mit Bleistift und Ölfarbe. Die gute Qualität des Stoffes, damals Bückware, eignet sich ausgezeichnet für eine künstlerische Bearbeitung. Die wie Collagen wirkende Malerei wird durch das Muster des Materials verfeinert. Altes rostiges Ackergerät, das Reinhold Herrmann in den Steinrückenlandschaften des Erzgebirges fand (die Bauern sammelten Feldsteine und verbrachten sie zusammen mit Schutt und Abfällen in kleine Wälle am Rande der Felder) montierte er mit einem Schafsschädel, Fahrradsattel und Leuchter zu einem Vehikel (Kerze als Lichtzeichen), das wie eine Mischung aus urzeitlichem Fossil und einer technischen Konstruktion erscheint, die durch ihre irrationale Aussage fasziniert.

Volker Dietrichs Assemblagen, meist gerahmt, wirken wie Malerei, die mit der Stofflichkeit des verwendeten Materials - rostige Eisenversatzstücke - arbeitet und als Motive Boote und Schiffe bevorzugt. Dietrich, der, wie er sagt, "genussvoll gesenkten Hauptes durchs Leben geht", sammelt für seine Kunst Elbstrandgut und Rückstände aus alten Fabriken.

Else Golds Objekte sind kleine Kostbarkeiten aus Metall, Elektroschrott und Porzellan, die im Gestus konventionelle Vorstellungen persiflieren und über die eigenwillige Verarbeitung eine besondere Aura versprühen. Michael Langes Fotografie aus der Serie "Bibliothek des Zufalls" feiert mit Strukturen von Schrott und dem Licht auf seinen Oberflächen ein einmalig opulentes Fest des Vergehens. Der Bildhauer Matthias Jackisch hat alte Grabplatten sensibel mit zum Teil feinem Schliff versehen und mit runden Emailleplatten veredelt. Lutz Fleischers Steckdosen (aus Werbematerial der Immobilienbranche) sind mit Tapetenpapier und einem je nach Muster und Tönung dazugehörigen Namensschild codiert. In seinen skurrilen Wanzen aus Blech kommt ein bissiger Sarkasmus zum Ausdruck.

Die Schmuckkünstlerin Sandra Hennig hat einen Pflaumenkern in Silber abgegossen und mit einem in Gold gefassten Brillanten versehen. Das Künstlerduo Sutter und Schramm hat einen Adler aus lackierten Porzellanscherben mit Stahl und Beton montiert. Das vierflügelige und vierfüßige Tier gleicht dem Phönix aus der Asche. Siegfried Haas collagiert in seinen "Bubbels" Schlagzeilen aus deutschen Tageszeitungen, darunter auch den DNN, deren Schrifttypen er übrigens für die schönsten hält.

Schließlich: In einer Zeit, die auf den Wert des Geldes baut, ist Kunst ein Weg, Werte zu entdecken, die auf den ersten Blick eher unbedeutend erscheinen. Mit ihren Aussagen beantwortet Kunst immer auch aktuelle Fragen der Gesellschaft. In diesem Sinne ist die Ausstellung auch ein Appell an einen Wertewandel, der bei jedem von uns selbst beginnt.

Bis 12. Januar. Galerie Sybille Nütt, Obergraben 10, Dresden. Tel.: 0351/2529593, www.galerie-sybille-nuett.de, geöffnet: Di-Fr 11-18 Uhr, Sa 10-15 Uhr.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.12.2012

Heinz Weißflog

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