Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Google+
Zögern vor dem Neuen - Eine Vorschau des "KulturHauses Loschwitz"

Zögern vor dem Neuen - Eine Vorschau des "KulturHauses Loschwitz"

Schwierige Zeiten für die Veranstalter von Lesungen in Dresden. "Die Leute, die bereit sind, sich auf Neues einzulassen, werden immer weniger", sagt Susanne Dagen, die gemeinsam mit ihrem Mann Michael Bormann das "KulturHaus Loschwitz" neben ihrem "BuchHaus" betreibt.

Jahr für Jahr etwa hundert Veranstaltungen haben sie dort seit 2005 angeboten.

Reichlich Gelegenheiten dabei, sehr gute Schriftsteller zu entdecken, auch wenn die nicht in aller Munde sind. "Aber unsere Erfahrung ist: Autoren, die nicht durch Massenmedien oder Preise herausgehoben werden, haben es schwer." Am deutlichsten hat Susanne Dagen das Anfang November des vergangenen Jahres bei Eugen Ruge gemerkt. "Für seine Lesung aus 'In Zeiten des abnehmenden Lichts' hatten wir am Tag vor der Verkündung des Buchpreises für ihn zehn Vorbestellungen. Am Tag danach hundert." Schön für's Geschäft.

"Aber glücklich macht es einen nicht. Offenbar ziehen weder ein Thema noch der Autor von selbst. Erst wenn er medial präsentiert wird, gehen viele Promi-Gucken." Häufig kommen selbst dann zumeist ältere Zuhörer. Die im jüngeren und mittleren Alter sieht Susanne Dagen hingegen selten. "Offenbar wollen diejenigen, die berufstätig sind, bei ihrer wenigen Freizeit auf Nummer sicher gehen, um sie garantiert sinnvoll zu verbringen."

Weil ihr Zielpublikum für Literaturveranstaltungen also immer kleiner wird, zieht Susanne Dagen Konsequenzen und wird von März bis Juni 2012 weniger Veranstaltungen anbieten. Wagt aber dennoch Neues: So will sie die Buchillustratoren aus dem Schatten holen. "Die werden kaum als freie Künstler wahrgenommen." "Strichstärke" nennt sie ihre Reihe. Da sollen Zeichner ihre Illustrationen in Ausstellungen präsentieren. Felix Scheinberger zum Beispiel. Der hat nicht nur Wilhelm Hauffs Märchen "Das kalte Herz" bebildert, sondern auch Thomas Manns "Tod in Venedig" oder Max Frischs "Homo faber". Außerdem zu sehen sein werden Hans Baltzer ("Hans im Glück", "Die Stadt im Wandel der Zeit") und Judith Drews ("Vom Himmel hoch, da komm ich her", "Ratgeber für Kinder"). Begleitend zu jeder Ausstellung wollen sie einen Workshop für Kinder und Erwachsene mit dem jeweiligen Illustrator organisieren.

Für eine Woche wird das Kulturhaus im Mai zur Bibliothek. Der Hanser-Verlag stellt seine neu übersetzten Klassiker (Tolstoi, Dickens, Twain) dort vor. "Dazu wollen wir täglich zu einer bestimmten Zeit Leute aus den Klassikern vorlesen lassen, jeder vielleicht eine halbe Stunde. Eine offene Veranstaltung. Besucher können kommen und gehen."

Fortführen wollen die beiden Buchhändler ihre Reihe "Erzählungen am Abend" mit Evelyn Kitzing. Mit Märchen der Romantik - frei erzählt und kombiniert mit Musik, das ist das Besondere daran. "Das Geschichtenerzählen ist ja in unserer Tradition kaum verhaftet", sagt Susanne Dagen. Fortgesetzter Versuch also, das zu etablieren. Dass solche Ideen Zeit brauchen, weiß sie. "Manche Dinge muss man eine Weile anlaufen lassen. In dieser Hinsicht bin ich Langstreckenläuferin."

Autoren aus Ost- oder Südosteuropa, hierzulande kaum wahrgenommen, laden die Buchhändler zu Lesungen in ihrer Reihe "Rückzugsgebiete. Erkundungen im postsowjetischen Raum" ein. Eginald Schlattner aus dem rumänischen Siebenbürgen wird in diesem Rahmen zum Beispiel nach Loschwitz kommen.

Eine ganze Reihe Autoren werden ihre Neuerscheinungen vorstellen. Felicitas Hoppe etwa ihren für Frühjahr angekündigten Roman "Hoppe" (S. Fischer), eine ungewöhnlich Traumbiografie. Friedrich Christian (F.C.) Delius, Büchnerpreisträger 2011, kommt mit seinen biografischen Erinnerungen "Als die Bücher noch geholfen haben" (Rowohlt) - seine Deutungen der tiefen politischen Spaltungen von den 1960er Jahren bis 1989 und Porträts literarischer Weggefährten. Der Ukrainer Andrej Kurkow will aus "Der Gärtner von Otschakow" (Diogenes) lesen, seiner Satire auf Ostalgie und Retro-Mode. Hans Joachim Schädlich aus seiner Novelle "Sire, ich eile" (Rowohlt), in der es um Voltaire bei Friedrich geht und die Unvereinbarkeit von freiheitlichem Geist und absolutistischer Macht. Zum 80. Geburtstag von Peter Biele ist die Buchpremiere von "Nähe und Ferne" mit dem Autor geplant; dazu stellt Klaus Drechsler seine Illustrationen zu diesem Band aus.

Und 2012 kommt kein Freund guter Literatur an Hermann Hesse (1877-1962) vorbei - am 9. August steht der 50. Todestag des Autors von "Steppenwolf", "Glasperlenspiel" und "Narziß und Goldmund" an. Bärbel Reetz wird bereits im April im Kulturhaus erwartet. In ihrer Biografie "Hesses Frauen" (Insel) schreibt sie über jene ungewöhnlichen Menschen an seiner Seite, über die wenig bekannt ist. Da erfahren wir, wie schwierig das Zusammenleben mit einem großen Autor gewesen ist.

www.kulturhaus-loschwitz.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.01.2012

Tomas Gärtner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Onlineabo

    "DNN-Exklusiv" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Sie überall und rund um die Uhr nutzen können - zu... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr