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Zoë Keating gab ein ausverkauftes Mini-Kammerkonzert im Thalia

Zoë Keating gab ein ausverkauftes Mini-Kammerkonzert im Thalia

Als Zoë Keating das erste Mal in Dresden war, im Jahr 2008, kam sie als Begleitung von Amanda Palmer in den Beatpol. Sie war die ruhige Cellistin neben dem lasziven Wirbelwind, auf Videos vom Konzert blitzen meist nur ihre rotgefärbten Haare ins seitliche Bild.

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Naturkind und Meisterin der Improvisation: Zoë Keating im Thalia.

Nun war sie wieder hier, im Saal des Thalia-Kinos, und die Hauptattraktion des Abends. Ihre Bühne geriet zwar wesentlich kleiner, das Konzert dafür zu einer träumerischen Reise in die kalifornischen Wälder.

40 Jahre ist Frau Keating mittlerweile alt, sieht aber deutlich jünger aus mit ihren zu einem bunten Schopf zusammengezwirbelten Haaren, die Seiten kurz. Sie ist so schmal, dass ihr Instrument so gut wie alles von ihrem Körper bedeckt. Nur rechts und links schauen die Beine hervor, die dafür sorgen, dass sich ihr Cellospiel vervielfacht, denn sie loopt ihre Musik und spielt sich so ganz homogen zum eigenen Orchester hoch. Bei dem entstehenden Vielklang fragt man sich, wieso nicht viel mehr Menschen auf die wärmenden Töne dieses Instrumentes setzen. Keating jedenfalls hat bisher zwei Alben produziert und selbst vermarktet, und darauf beschreibt sie ihr Leben, ohne nur ein Wort daran hängen zu müssen. Sie spielt "pieces", also Stücke, keine Lieder, obwohl kaum eines länger als fünf Minuten lang ist.

Keating redet dazwischen viel, als müsste sie die Textlosigkeit ihrer Musik ausgleichen. Sie erzählt, dass sie es liebt, auf der Bühne zu entscheiden, wie ein Stück an diesem Abend klingen wird. Sie erzählt von horizontalen Publikumserlebnissen und von dem Wald, in dem sie nun wohnt, eineinhalb Stunden (und das sind in Amerika immer Autostunden) nördlich von San Francisco, wo sie davor 15 Jahre in einer Art Kreativkommune lebte. Die geborene Kanadierin hat nach anfänglichen Fluchtversuchen ein enges Verhältnis zur Natur entwickelt. Das ahnt man auch, wenn man ihre Stücke hört, die "The Path", "Lost", "Into The Woods" oder auch "The Last Bird" heißen und problemlos Deutungen in Richtung Naturmystik zulassen. Sie erlauben aber auch jede andere Interpretation.

Die Frau und das Cello. Die Verbindung ist, wie es im Roman "Die Entdeckung des Himmels" von Harry Mulisch beschrieben steht, auch eine erotische. Sinnbild des Weiblichen, zwischen den Beinen gespielt. Und wie Zoë Keating da so sitzt und mit ihren schwarz-weiß beringelten Strumpfhosenbeinen ihr Instrument festhält, da kommen einem diese Passagen wieder in den Sinn, denn sie benutzt es sanft und durchaus sinnlich und vor allem in seiner ganzen Körperlichkeit. Sie klopft am Hals, sie zupft und streichelt die Saiten, bis die richtigen Töne herausströmen. Auch die unsauberen, die rauen. Ein Konzert von Zoë Keating ist keine festgezurrte Konzertaufführung, es atmet durch die Improvisation und Intuition. Als Zugabe spielte sie einen Auszug aus Beethovens siebter Sinfonie und macht auch diese fremdkomponierte Musik zu ihrer ganz eigenen.

Mit 13 Jahren bekam sie eine CD von den zwölf Cellisten der Berliner Philharmoniker in die Hände und verliebte sich sofort. Warum sich mit Gitarrespielen aufhalten, wenn man zwölf Cellos haben kann? Sie spielte da schon seit Jahren Cello, es bestärkte sie vermutlich nur in ihrer Wahl. Ihr Weg führte über die klassische Ausbildung in einer noblen Privathochschule in New York, sie spielte im Jugendorchester und schließlich in Bands wie der Rockband Rasputina, aus der auch Julia Kent in ihre Solokarriere startete. Seit zweieinhalb Jahren hat sie einen Sohn und nun ist sie das erste Mal ohne ihn unterwegs. Doch nicht ganz, sie schrieb ihm das Stück "Optimist" und spielte es in Dresden. Nächstes Jahr will sie mit einem neuen Album wiederkommen. Juliane Hanka

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.09.2012

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