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Zeugnisse einer Künstlerfreundschaft: Werke von Friedrich und Dahl im Dresdner Albertinum

Zeugnisse einer Künstlerfreundschaft: Werke von Friedrich und Dahl im Dresdner Albertinum

Sie kann ein "Renner" werden - die gemeinsam von Galerie Neue Meister und Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in Kooperation mit dem Nasjonalmuseet for kunst, arkitektur og design Oslo im Albertinum ab heute präsentierte Schau "Dahl und Friedrich.

Romantische Landschaften". Caspar David Friedrichs Schaffen wurde hier letztmals vor 40 Jahren so umfangreich präsentiert, wie SKD-Generaldirektor Hartwig Fischer gestern vor der Presse erinnerte.

Mit 38 Werken repräsentiert der Künstler ein knappes Drittel des Gezeigten, während nahezu sechzig Bilder und Zeichnungen der rund 120 Exponate von Johan Christian Dahl stammen. Hinzu kommen Arbeiten von Schülern beider. Möglich ist eine solche Schau natürlich nur mit Leihgaben, von denen allein rund 50 aus Norwegen kommen, weitere von anderswo, etwa Friedrichs "Kreidefelsen auf Rügen" (1818) aus Winterthur.

Sinnstiftend für diese Präsentation ist, dass die, für die Dresdner Romantik und deren Entwicklung tragende Freundschaft von Caspar David Friedrich (1774 -1840) und Johan Christian Dahl (1788- 1857) noch nie in einer Ausstellung ausgebreitet wurde. Vorausgehen musste dem eine umfangreiche wissenschaftliche Arbeit, die nicht zuletzt die Kuratoren leisteten - von deutscher Seite Petra Kuhlmann-Hodick und Gerd Spitzer.

Ganz unbeabsichtigt erhält die Schau - darauf wies Andreas Rieger, Sprecher der Ostsächsischen Sparkasse, als Vertreter der die Kunstsammlungen seit 2006 bei großen Vorhaben unterstützenden Sparkassen-Finanzgruppe hin - in Zeiten von "Pegida" einen zusätzlichen Akzent: Beide Künstler, der eine in Greifswald, das erst 1815 preußisch wurde, der andere im norwegischen Bergen geboren, waren hier zunächst Fremde. Angezogen vom künstlerischen Klima der Stadt, bereicherten sie es bald selbst in enormer Weise, so dass, wer heute von der Romantik in Dresden spricht, unweigerlich auf diese beiden Namen zurückkommen muss.

Zu den Aha-Erlebnissen, die man aus der Ausstellung mitnimmt und die natürlich jeden Dresdner besonders erfreuen, gehört, dass man auch eine örtliche Vorstellung von diesem Romantik-Nukleus bekommt. Ein Foto von 1875 hat das Haus "An der Elbe" 33 für die Nachwelt festgehalten, wo Friedrich ab 1820 und ab 1823 auch Dahl lebten und arbeiteten - der Ältere in der zweiten Etage, der Jüngere in der dritten, mit Atelier in der vierten (später wirkten ihre Söhne hier). An diesen Ort kamen Interessenten, Käufer, Schüler. Hier tauschten sich die beiden Maler aus. Von hier aus unternahmen sie ihre größeren und kleineren Reisen: in die Dresdner Umgebung, etwa den Plauenschen oder den Uttewalder Grund, nach Böhmen, ins Riesengebirge, in die Alpen oder nach Rügen und natürlich - im Falle Dahls - nach Norwegen.

Viele der gesammelten Eindrücke finden sich auf studien- oder bildhaften Zeichnungen und selbstredend Gemälden. In der Betrachtung besonders der Letzteren kann man sich das Gemeinsame wie das Unterschiedliche der beiden Künstler in ihrer Landschaftsauffassung vor Augen führen. Begonnen hatte die Wertschätzung des Älteren für den Jüngeren, der eigentlich auf dem Weg nach Italien war und in Dresden "hängen blieb" (er begab sich dann später doch noch über die Alpen) mit dem Bild " Szene aus dem Plauenschen Grund" (1818).

Die Ausstellung und auch der ansehnliche Katalog leiten den Besucher mittels sechs Kapiteln durch das Landschaftsschaffen von Dahl und Friedrich. Ein Prolog stellt zwei Gemälde ins Zentrum, die die Freundschaft belegen, weil beide Künstler sie sich gegenseitig zueigneten: Friedrichs "Zwei Männer in Betrachtung des Mondes" (1819/20) und Dahls "Fluss im Plauenschen Grund" (1820), das aus dem norwegischen Bergen nach Dresden kam. Man kann angesichts dieser Werke durchaus annehmen, dass der "Philosophischere" der beiden wohl Friedrich war. Immer wieder stößt man darauf, dass Letzterer - natürlich auf Basis eines genauen Naturstudiums, das sie beide pflegten - oft stärker "seine" Landschaft konstruierte. Man denke nur an die "Ruine im Riesengebirge" (um 1834), die auf jene in Eldena bei Greifswald zurückgeht, die Friedrich schon als junger Mann zeichnete.

Das Bild findet man unter dem Motto "Landschaft und Geschichte", wo nordisch wirkende, herbstliche oder winterliche Szenerien mit Hünengräbern, aber eben auch mit Ruinen vereinigt sind, darunter Friedrichs bekanntes "Hünengrab im Schnee" (1807). Ein nächstes Kapitel zeigt "Steine, Felsen, Berge", darunter den "Watzmann", gemalt von Friedrich 1824/25, von Dahl 1825. Zu Meer und Schiffen fühlten sich die beiden Nordländer selbstredend hingezogen (Kapitel "Meer und Ufer"). Beeindruckend die schicksalhaften Schiffbruch-Bilder Dahls, ebenso aber besinnliche - etwa Dahls "Sonnenuntergang an der Elbe" und Friedrichs "Elbschiff im Frühnebel" (beide 1821). Einbezogen werden in die Schau zudem Schüler wie Carus, Oehme, Heinrich, Fearnley, Balke und Baade, die wohl von beiden profitierten. Den Abschluss bildet "Dresden - Stadtbild und Bild der Stadt", unter anderem mit den für die Romantik typischen, aber durchaus unterschiedlichen "Fensterblicken" sowie Dahls gewiss von vielen verehrten Ansichten von Dresden bei Mondschein. Schließlich bekommt man auch noch ein "Bild" der beiden Künstler - gemalt von Kersting (Friedrich) und Siegwald Dahl.

Und es sei auf die ständige Präsentation verwiesen, wo wie immer Friedrichs Tetschener Altar (1807/08) und sein Spätwerk "Das Große Gehege bei Dresden" (1832) sowie weitere romanti- sche Landschaften zum Betrachten einladen.

6. Februar bis 3. Mai 2015, 10 bis 18 Uhr, Mo geschlossen, Katalog 24,90 Euro (im Buchhandel 39,80 Euro) zum umfangreichen Begleitprogramm siehe Flyer oder www.skd.museum

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.02.2015

Lisa Werner-Art

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