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„Zeitschichten“ in der Türckischen Cammer: Gesprächsangebot zu fremder Kultur

Das andere Publikum „Zeitschichten“ in der Türckischen Cammer: Gesprächsangebot zu fremder Kultur

„Wir haben tatsächlich Lampenfieber“, sagte Joachim Klose, Leiter des Politischen Bildungsforums Sachsen der Konrad-Adenauer-Stiftung. Die Stiftung versucht sich gemeinsam mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) und dem Forum Tiberius an einem neuen Veranstaltungsformat.

Die Türckische Cammer im Residenzschloss beherbergt unter anderem osmanische und orientalisierende Waffen des 16. und 17. Jahrhunderts.

Quelle: Matthias Hiekel/dpa

Dresden. Es ist ein Experiment. Dessen sind sich alle Beteiligten bewusst. Ebenso der Tatsache, dass es ein sehr notwendiges Experiment ist. Eins, das Menschen ins Museum und zu Diskussionen einlädt, die nicht zur angestammten Museumsgänger-Klientel gehören.

„Wir haben tatsächlich Lampenfieber“, sagte am Montag Joachim Klose, Leiter des Politischen Bildungsforums Sachsen der Konrad-Adenauer-Stiftung. Die Stiftung versucht sich gemeinsam mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) und dem Forum Tiberius an einem neuen Veranstaltungsformat. „Zeitschichten“ ist es benannt – und soll Menschen ansprechen, „die wir sonst nicht erreichen“, wie Klose anfügte. Er will einen bislang doch oft elitär daherkommenden Bildungsdiskurs öffnen. Für die „Zeitschichten“ sei gezielt in Dresdner Stadtteilen wie Prohlis und Gorbitz geworben worden, auch in den Straßenbahnen sei Werbung gelaufen.

Worum aber dreht es sich bei dieser neuen Reihe, die morgen ab 18 Uhr in der Türckischen Cammer des Residenzschlosses ihren Auftakt erleben soll? Es geht vor allem darum, anhand von Exponaten aus dem reichen Ausstellungsfundus der SKD zu erzählen: von fremden Kulturen und Religionen – und den Einflüssen, die sie hierzulande immer schon ausgeübt, den Spuren, die sie hinterlassen haben.

Der morgige Startschuss soll das Publikum dabei sozusagen ins Zentrum osmanischer Kultur führen: in die Türckische Cammer. Er wolle die Faszination bei den Besuchern dafür wecken, sagte Dirk Syndram, Direktor der Rüstkammer. Der Ablauf des Abends soll dabei so gestaffelt sein, dass die Besucher erst freien Zutritt haben in die Türckische Cammer, wo Museumsmitarbeiter zu einigen Exponaten etwas erzählen werden. Anschließend kann, wer möchte, mit hinüber in die Heinrich-Schütz-Kapelle wechseln, wo Syndram und der Leipziger Professor für Islamisches Recht Georg Ebert betont kurze Vorträge halten. Danach soll das Gespräch und die Diskussion gesucht werden.

„Ich freue mich sehr über dieses neue Format“, sagte SKD-Generaldirektorin Marion Ackermann, die seit vier Wochen die Geschäfte im Haus führt. Es gehe darum, „aus den Sammlungen zu schöpfen und zur politischen wie gesellschaftlichen Diskussion beizutragen.“

Zur Kenntnis über die Geschichte gehöre auch der Perspektivwechsel, fügte Ackermann an. Dabei stehen natürlich aktuelle Entwicklungen in Deutschland, in Dresden Pate. Dennoch betonen die Beteiligten, dass es nicht um ein bloßes Abarbeiten am Problem Pegida gehe. „Die Gesellschaft driftet auseinander“, meinte Klose. Dafür verantwortlich machte er einen „Identitäts- und Heimatverlust“. Das beinhalte auch den demographischen Aderlass. „Von 1988 bis heute hat Sachsen mehr als eine Million Menschen verloren.“

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Zeitschichten, Mttwoch 18 Uhr, Türckische Cammer im Residenzschloss, Eintritt frei

Zum Islam gebe es derzeit fast nur negative Bilder. Über die Exponate im Schloss, über Kunst und Kunsthandwerk soll dagegen ein neuer und anderer Erzählfaden zu dieser Kultur und Religion hin geknüpft werden, hoffen die Organisatoren. „Es gibt gerade durch den Reichtum der Dresdner Sammlungen vielfältige Anknüpfungspunkte an eine globale Perspektive“, betonte Ackermann.

In Dresden war die Begeisterung für das Osmanische Reich einst ganz stark ausgeprägt. Und doch blickte man auch schon zu Zeiten Augusts des Starken recht ambivalent auf die Fremden und das Fremde. Schließlich galten die Osmanen spätestens seit der Belagerung Wiens auch als nicht zu unterschätzende Feinde.

Die „Zeitschichten“ sollen 2017, nach Auswertung des Auftakts, in eine Reihe münden mit zwei bis drei Abenden pro Jahr. Wann es genau weitergeht, steht noch in den Sternen. Der Ort ist aber schon sehr wahrscheinlich: das Damaskuszimmer im Japanischen Palais.

Von Torsten Klaus

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