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Zeichnungen von Gerhard Bartsch in der Galerie Margareta Friesen

Zeichnungen von Gerhard Bartsch in der Galerie Margareta Friesen

Die Linien scheinen ohne Anfang und Ende, einem ständigen Fluss entsprungen. Ein wenig erinnert dies an die von den Surrealisten erprobte écriture automatique (hier allerdings ohne Drogenexperimente im Hintergrund).

Alle Zeichnungen vermitteln den Eindruck von Landschaftlichem. Man glaubt, steile Gebirgsgipfel, tiefe Täler oder sanfte Hügel zu sehen, in die Seen und Flüsse eingebettet sein könnten, seltener Häuser. An manchen Stellen scheinen die Berge zum Meer hin abzufallen. Dies alles hat freilich mit Studien realer Landschaften nichts zu tun. Vielmehr handelt es sich um eine Art Chiffren, die jedem vor Augen stehen, wenn er an Landschaft denkt. Als solche wirken die Kompositionen eigenartig fern - bezüglich des Ortes, noch mehr der Zeit. Zeitlosigkeit ist wohl das richtige Wort dafür. Zugleich kann man diese, kleine Formate ausfüllenden Linien-"Netze" in eine andere Richtung interpretieren, scheinen manche doch entfernt an Querschnitte durch sensible Teile des menschlichen Körpers zu erinnern - etwa durch Wirbel oder das Gehirn. Aber auch diese sind "Landschaft".

Insofern ist es auch für den Uneingeweihten durchaus möglich, die derzeit in der Galerie Margareta Friesen präsentierten Blätter als das Ergebnis einer "Reise" anzusehen - einer realen ebenso wie einer gedanklichen - jener ins eigene "Ich". Und tatsächlich hat der promovierte Kunsthistoriker Gerhard Bartsch (geb. 1943 in Danzig), von 1983 bis 2006 Professor für Kunst- und Designgeschichte an der FH Hamburg, beides in den letzten Jahren sechs Jahren getan. Er ist gereist - nach Korea, woher seine Frau, die Künstlerin Eun Nim Ro, stammt, auch nach Kalifornien. Er hat sich früherer Reisen - eigener und fremder - anhand von Fotos und Dokumenten erinnert und zugleich sich selbst entdeckt beziehungsweise wiederentdeckt. Dieses Entdeckertum war nötig geworden, hatte er doch 2005 eine lebensgefährliche Erkrankung erfahren müssen - eine Herdenzephalitis -, die es in der Folge nötig machte, das Leben neu zu ordnen.

Am Beginn dieser neuen Phase hatte der die Behandlung abschließende Spruch seines Therapeuten gestanden: "Sie sind Odysseus!" Das konnte wohl auch heißen: "Sie sind Meister Ihres eigenen Geschicks!" Und Gerhard Bartsch hat sich dran gehalten. Er ist auf Entdeckungsreise gegangen wie einst Odysseus - in seiner Gegenwart, in die Vergangenheit und von da wieder zurück. Dabei ging es nicht so sehr um den konkreten Ort, sondern um das Abrufen von Erfahrungen, die ganz unterschiedlicher Art sein können. Die Entdeckungsreise entwickelte sich - abgesehen von den konkreten Unternehmungen - nicht zuletzt zu einer des Geistes. So entstanden innere Vernetzungen und Bilder, die ihren äußeren Ausdruck in den sparsamen Zeichnungen von 2012 fanden, die in der Galerie Margareta Friesen in Anlehnung an des Künstlers Auseinandersetzung mit den Implikationen der Aufforderung seines Therapeuten unter dem Titel "Odysseus Travelling" gezeigt werden. Andere Werke hatten schon in den Jahren 2010/11 den Weg nach Korea gefunden, in Museen und Galerien in Pusan und Seoul.

Lisa Werner-Art

Bis 7. September, geöffnet Di-Do 14-19 Uhr und nach Vereinbarung, Tel. 0351/216 5252.

Im Angebot ist ein umfangreicher Katalog mit Texten des Künstlers und der Galeristin.

www.galerie-friesen.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.08.2012

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