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Zeichnungen und Gouachen von Claus Weidensdorfer im Freitaler Einnehmerhaus

Zeichnungen und Gouachen von Claus Weidensdorfer im Freitaler Einnehmerhaus

Schon seit längerer Zeit war eine Ausstellung von Claus Weidensdorfer im Einnehmerhaus des k.u.n.s.t.-vereins Freital e.V. angedacht. Jetzt wird sie zu Beginn seines dreiundachtzigsten Lebensjahres unter dem sehr persönlichen Titel "Meine kleinen Gespenster" realisiert.

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Claus Weidensdorfer. Rotes Profil, 2008, Wasserfarben, 23x24 cm, unten links sign. u. dat.

Quelle: Galerie

Schon von der Einladungskarte dreht uns ein solches, 2007 "Die Nasenflöte" spielend, eine lange Nase. Es sind zeichnerische Capriccios, groteske Gouachen und Zeichnungen menschlicher Befindlichkeiten aus den Jahrzehnten seines Lebenswerkes, eine immerwährende Re-Inkarnation "seiner Gespenster".

Am Jahresende 2011 schrieb Wolfgang Holler zu einer Ausstellung in der Loschwitzer Galerie Hieronymus in den Dresdner Neuesten Nachrichten über ihn: "...Ein wenig ist er Weltbeobachter, ein wenig Weltweiser; er ist ironisch, spöttisch, nur scheinbar im humoristischen Gewande, eher melancholisch und trotzdem voller Witz und Menschlichkeit...."

In Coswig geboren, hatte Claus Weidensdorfer das Glück, Ende der vierziger Jahre in Radebeul einem Mathematiklehrer zu begegnen, der für Interessierte Vorträge über wesentliche Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts hielt. Um so befremdlicher fand er, als kurz darauf bei seinem Kunststudium in Dresden stalinistische Ideologen diese Kunst als "formalistisch" und "dekadent" bekämpften, womit sie wohl auch "entartet" meinten. Seine Lehrer Erich Fraaß, Hans Theo Richter und Max Schwimmer wagten dem nicht zu widersprechen. Und doch konnte man in der Hochschuldruckerei von Alfred und Roland Ehrhardt noch Hans Körnig und Otto Dix begegnen...

Anerkannte Integrationsfigur der Dresdner Kunstszene

Nach dem Studium versuchte er, in der Niederlausitz als Zeichenlehrer zu arbeiten, doch auf Vermittlung Gerhard Kettners wurde er glücklicherweise in den nächsten zehn Jahren Assistent für Graphik und Malerei in Dresden. Durch Hermann Anders, einen seiner Studenten dieser Zeit, der sich später als Posaunist profilierte, begegnete Claus Weidensdorfer dem Jazz. Dessen Faszination war für ihn nachhaltig, auch für sein bildnerisches Werk. Nach weiteren zehn freischaffenden Jahren erhielt er 1975 einen Lehrauftrag an der Fachschule für Werbung und Gestaltung in Berlin-Schöneweide, bevor er 1989 an die Dresdner Hochschule zurückkehrte. Mit der folgenden Professur und als Dekan eines Fachbereiches konnte er in dieser bewegten Zeit bis zu seiner Emeritierung 1997 doch einiges bewegen.

Da sich Claus Weidensdorfer nie von der Ideologie korrumpieren ließ, wurde er frühzeitig zu einer von den verschiedenen Seiten anerkannten Integrationsfigur der Dresdner Kunstszene. 1963 wird er zum Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft des Loschwitzer Leonhardi-Museums und ist seitdem immer wieder an Aktivitäten beteiligt, die freier Kunst mehr Öffentlichkeit verschaffen wollen. In der Gründungsphase arbeitete er im Beirat der Dresdner Galerie Mitte eng mit Gabriele Muschter zusammen. Durch den Freund und Kollegen Werner Wittig begegnete er der Chemnitzer Künstlergruppe Clara Mosch, deren Weg er fasziniert verfolgte und begleitete. Mit zahlreichen Künstler-Kollegen verbanden ihn unorthodoxe Aktionen wie Gemeinschaftsarbeiten, Installationen, Performances und Buchprojekte. So mit Thea Richter und Andreas Dress, mit Helge Leiberg, Veit Hofmann und Christine Schlegel, mit Andreas Küchler und Jürgen Wenzel bis zu Jürgen Haufe und Matthias Bolz.

Die Sujets seines bildnerischen Werkes sind immer im menschlichen Bereich, im Leben der Menschen geblieben. Menschen im Raster, in der Masse, in der Straßenbahn, in der Stadt, in Verstrickungen werden zu Symbolen nicht immer trivialen Lebens, Abstraktion findet nur im Unterbewussten statt. Jenseits aller Stile und Schulen wächst und festigt sich der Stil "Weidensdorfer" unverkennbar und eigentümlich.

Die Ausstellung setzt ein mit zwei frühen Zeichnungen von 1957, die seine damalige Faszination von der Einfachheit eines Paul Holz aber auch schon vom Gespenstischen des Alfred Kubin dokumentieren. "An der Ladenkasse" standen die Gespenster auch 1970 schon an. 1979 lockt futuristische Architektur zwischen Neubaublocks die Ratte in die Falle. Welche Allegorie es damals war, sei dahingestellt. Originell nur, dass beim Aufbau der Ausstellung jemand den Titel "Rattenfalle" als "Vattenfall" missverstand; sollte der Energiekonzern in eine solche gehen, falls das russische Gas ausbleibt? 1988 gab Weidensdorfer eine Mappe zu sieben Gedichten von Lutz Rathenow heraus. Die Radierung "Zärtlich kreist die Faust" daraus hat er 1989 mehrfach überzeichnet, ein bei ihm häufiges Vorgehen; zwei Varianten zeigt die Ausstellung.

1989 hat der "Dispatcher"-Turm am Postplatz noch mal Gelegenheit, die Stadtlandschaft wie ein Grenz-Turm zu zieren, während 1992 in "Tändelei I" ein rotes Girl vor blauem Fond in aller Gelöstheit posiert. "Irdische Güter zwischen Himmel und Erde" reihen 2004 einen Hirsch, kleine Häuslein am Waldrand und zwei Jungfern, eine im Baselitz'schen Kopfstand, aneinander: eine Heimatetüde, wie gemacht für Freital als Tor zum Erzgebirge- "Hallo Baby" ist 2008 ins Handy versunken; sollte man nicht doch bald den Computer ins Hirn transplantieren? Und 2013 konterkariert "Der Eierkopf" zwei bezaubernde "Profile" von 2008.

"Gespenster" aus sieben Lebensjahrzehnten enthüllen in dieser Ausstellung zahlreiche Facetten seines zeichnerisch-malerischen Lebenswerkes. Die Blätter von Claus Weidensdorfer haben schon lange einen festen unangefochtenen Platz in der Dresdner Kunstgeschichte und weit darüber hinaus-

iDie Ausstellung im Einnehmerhaus Freital auf der Dresdner Straße 2 in Freital-Potschappel ist bis 16. November, Di bis Fr 16 bis 18 Uhr, Sa und So 10 bis 17 Uhr, zu sehen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.11.2013

Gunter Ziller

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