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Zeichen setzen zum Zehnjährigen: der Aufbaustudiengang KunstTherapie der HfBK Dresden

Zeichen setzen zum Zehnjährigen: der Aufbaustudiengang KunstTherapie der HfBK Dresden

"Zeichen setzen im Bild" ist ein Doppelband überschrieben, der morgen während einer Veranstaltung des Aufbaustudiengangs KunstTherapie an der Hochschule für Bildende Künste Dresden (HfBK) präsentiert wird.

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Interessiert sich für Psychologie und Kunst und verknüpft mit ihrer Professur diese Vorlieben: Doris Titze.

Quelle: privat

Sein Erscheinen markiert eine Dekade, die vom Wirken Professor Doris Titzes (Jg. 1953) geprägt ist. Deren Weg hatte einst an der Münchner Kunstakademie bei Hans Baschang, einem Vertreter der Neuen Figuration, begonnen. Später hatte sie dort das frisch eingerichtete Aufbaustudium "Bildnerisches Gestalten und Therapie" absolviert. Hinzu kam eine weitere kunstpsychotherapeutische Ausbildung. Im Gespräch verweist Doris Titze darauf, dass sie sich "schon immer für Psychologie interessiert" habe. Die KunstTherapie sei "eine Möglichkeit gewesen, ihre Interessen zusammenzuführen".

Bereits vor ihrer Professur in Dresden hatte sie eine solche an der Fachhochschule für Kunsttherapie Nürtingen inne gehabt. Zum Wechsel gereizt habe sie auch, "an eine Kunsthochschule angebunden zu sein", so Doris Titze. In Dresden konnte sie an das von Sigrid Völker ab Mitte der 1990er Jahre Erreichte anknüpfen. Nach Münchner Vorbild hatte diese den Aufbaustudiengang KunstTherapie etabliert.

Entwickelt hat sich die Therapieform besonders während der letzten Jahrzehnte. Als niederschwelliges Angebot soll sie Menschen helfen, ihre Ängste, Hoffnungen und Wünsche zu veranschaulichen und mit Hilfe der Gestaltung überraschende Lösungen zu entwickeln. Natürlich "bleibt ein Bild ein Bild", wie Doris Titze betont. Was aber Menschen in einem gestalterischen Prozess ausdrücken und wie sie sich dabei verhalten, etwa, wenn es nicht so gelingt, es schwierig wird, gibt dem Therapeuten Möglichkeiten, kreative Energien, Selbstheilungskräfte und Selbstverantwortung der Beteiligten stärker zu unterstützen.

Im klinischen Bereich ist die Kunsttherapie heute fest verankert, gewinnt aber auch auf sozio- und interkultureller Ebene zunehmende Bedeutung. Letzteres belegt etwa das vom Aufbaustudiengang begleitete Körperbild- Projekt "Wir sind schon da", das den Umzug der Kreuzschüler in ihre Interimsschule in Prohlis begleitete und sich für diese als sehr hilfreich erwies (DNN berichteten).

Der nun vorgestellte Doppelband thematisiert einerseits die "Präsenz des Bildes im kunsttherapeutischen Prozess". Zum anderen wird unter dem Motto "Jede Linie ist eine Weltachse" der Blick auf die Kunst selbst gerichtet. Erinnert wird damit auch an die Ausstellung "Zeichen setzen" mit Werken von Hans Baschang, Elke Hopfe, Dieter Krieg, William Kentridge, A.R. Penck, Doris Titze, Remy Zaugg und anderen, die 2011 einen gleichnamigen Kongress in Dresden begleitete, der Berufskollegen und Vertreter verwandter Fachrichtungen vereinte. Die Nummern 5 und 6 der jetzt publizierten Bände verweisen zugleich auf Vorläufer wie "Kunstaustausch" und "Aus der Mitte" sowie - als Buch zum Projekt - "Wir sind schon da".

Wenn man die imposanten, im Sandstein Verlag publizierten Bücher sieht, die - aufwendig genug - ja eine Quintessenz der Arbeit, nicht die Arbeit selbst sind, dann wächst die Achtung vor dem Geleisteten, denn die personelle Besetzung ist wahrlich nicht üppig: Vorgegeben sind die Professur von Doris Titze sowie eine befristete Mitarbeiterstelle. 50 Prozent des zweijährigen Studiengangs werden mit Honorarkräften realisiert. Gleichwohl schließen die alle zwei Jahre immatrikulierten zukünftigen Kunsttherapeuten (derzeit 19) mit einem Diplom ab, was keineswegs allgemein üblich ist und mit zum guten Ruf der Dresdner beiträgt. Dem ist wohl auch das kontinuierlich breite Bewerberfeld (jeweils etwa 70) zu verdanken.

Voraussetzung für die Zulassung ist ein abgeschlossenes Hochschulstudium der Freien Kunst oder in einer angewandten Disziplin, nur in Ausnahmen - bei entsprechendem künstlerischem Talent - ein anderes Hochschulstudium. Das hohe Gewicht des Künstlerischen ist sinnvoll, stehen im Zentrum der Lehre doch Parallelen, Differenzen und Synergien künstlerischer und therapeutischer Prozesse. Gerade Künstler, das betont auch Doris Titze, verfügen über Erfahrungen mit Krisen und Blockaden, ebenso mit deren Überwindung. Sie wissen um das Glücksgefühl, das in kreativ-fordernder Arbeit entstehen kann. Im Studium kommen dann die differenzierte Schulung in Selbst- und Fremdwahrnehmung, Grundlagen der Entwicklungspsychologie, der klinischen Psychologie und Psychosomatik dazu. Vermittelt werden Einblicke in verschiedene psychotherapeutische Schulen sowie der Umgang mit unterschiedlichen Krankheitsbildern. Die Analyse ästhetischen Ausdrucks ist ebenfalls Ausbildungsschwerpunkt. Selbstverständlich sind Praktika Pflicht.

Der gute Ruf der Dresdner spiegelt sich nicht nur in der relativ großen Bewerberzahl, sondern auch in der Resonanz der Fachwelt auf die drei Kongresse seit 2002 wider. Doris Titze erfährt diese zudem regelmäßig während der jährlichen Psychotherapie-wochen in Lindau am Bodensee. Und die Absolventen - das ist das Wichtigste - sind in Kliniken, anderen Einrichtungen, aber auch in Gefängnissen geschätzt. Grenzen des Einsatzes setzt momentan die Anerkennung durch die Krankenkassen, die bisher eine freie Niederlassung ausschließt. Fragt man Doris Titze nach Wünschen für die nächsten Jahre, ist eine Antwort: "Wieder mehr Zeit haben für die eigene künstlerische Arbeit."

Buchpräsentation: 1. Februar, 18 Uhr, Aula der HfBK Dresden, Güntzstraße 34,

Anlässlich der Buchpräsentation Festvortrag: "Die ,Integration' des Schattens - Von den Umgangsweisen mit den dunklen Aspekten des Menschseins" (Dr. Ralf Vogel), Projektvorstellung: "Das Rosentor unter den Birken" (Christine Matzek, Aufbaustudiengang KunstTherapie), Buchpräsentation "Zeichen setzen im Bild" (Doris Titze und Thomas Hellinger).

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 31.01.2012

Lisa Werner-Art

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