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Zehn Jahre Vocal Night im Jazzclub Tonne

Zehn Jahre Vocal Night im Jazzclub Tonne

Vom ersten Tag an hatte der Januar eine Menge Jazz zu bieten. Auch Jubel und Jubiläen. Angefangen mit dem vor vierzig Jahren gegründeten Zentralquartett, dessen Dresdner Neujahrskonzerte seit einem halben Jahrzehnt willkommener Anlass sind, sich auf den Jahreswechsel zu freuen, bis hin zu James Blood Ulmer, der vor fast genau einem Jahr seinen 70. feiern konnte und den Monat am 31. beschließt, geht es ziemlich legendär zu.

Da hat sich die 60. Vocal Night der Musikhochschule am Donnerstag bestens eingefügt. Diese Reihe besteht seit zehn Jahren und stellt in schöner Regelmäßigkeit Studierende der Gesangsklasse im Fach Jazz / Rock / Pop vor. Inzwischen gibt es hörenswerte Ableger beispielsweise mit Gitarren- und Drums-Nächten. Die 4. Guitar Night folgt am 23. Januar, eine Woche später heißt es zum zweiten Mal "Trompets No End!", wenn die Professoren Till Brönner und Malte Burba mit ihren trompetenden Zöglingen auftreten.

Fünf Dutzend Vocal Nights müssen gefeiert werden! Sechs Sängerinnen und ein Sänger wurden von einer einmaligen Dozenten All Star Band begleitet, die Studiosi durften sich von den besten Professoren unterstützt wissen - und da fiel ihnen nichts anderes ein, als mit nur drei Songs aufzutreten? Es waren drei Songs, die es in sich hatten. "Equinox" von John Coltrane, John Hendersons "Bye, Bye, Blackbird" und "In My Solitude" von Duke Ellington haben diesen Abend abwechslungsreich erfüllt. Die Arrangements wiesen Experimentierfreude auf, waren mal mehr und mal gar nicht von Ehrfurcht vor den Originalen erfüllt und kamen beim zahlreich erschienenen Publikum wirkungsvoll an.

Olga Xavier fiel die schwierige Aufgabe zu, den Abend mit "Equinox" zu eröffnen. Ihr warmes Timbre sorgte für konzentrierte Aufmerksamkeit, die noch etwas verhaltene Präsenz hatte gewiss auch mit der Startposition zu tun. Ob es da eine gute Wahl war, dass die Gesangsprofessorin Céline Rudolph gleich als Nummer zwei antrat und zeigte, wo der sprichwörtliche Hammer hängt? Ihr "Blackbird" war gründlich gestaltet, der Abschied hatte Folklore in sich, ihre nur pianistisch begleitete "Solitude" geriet nuancenreich und berührend - ja, das war eine gute Wahl, denn sie hat den Boden bereitet für andersartige Interpretationen dieser Standards. Anna Lena Bolz lieferte eine moderne Variante des Ellington-Hits, wurde am Piano von Christopher Lübeck in adäquater Weise begleitet. Inez Schäfer zeigte, wie exzentrisch "Equinox" klingen kann, Matthias Bätzel unterstrich das auch an den tosenden Tasten. In Whisky-Stimmung brachten Jana Pöche mit Tom Götze am Bass das Entree der Einsamkeit, der Chilene Victor Sepulveda Rodriguez spurtete den Abschiedssong mit Finn Wiesner am Saxofon so flott, dass der Saal ans Kochen geriet. Die Freiheit, sich über das Original zu erheben, gönnte man sich. Ein extravaganter Flug durch "Equinox" gelang auch Céline Rudolph, Inez Schäfer fügte sehr emotional eine theatrale Version von "Solitude" an, in der Björk als Vorbild anzuklingen schien. Dora Osterloh schließlich setzte da ein "Bye, Bye" von ziemlicher Tiefe drauf.

Spielfreudig und virtuos machte die Dozentenband um Matthias Bätzel (Klavier), Tom Götze und Jäcki Reznicek (Kontra- und E-Bass), Finn Wiesner (Saxofon) und Sebastian Merk (Schlagzeug) mit, unterlegte mal sanft, donnerte aber auch mal ganz wild solistisch drauf los. In der Zugabe schwiegen sie, denn die geriet a capella, nur besenrein an der Trommel bestrichen. "Bye, Bye, Blackbird" unplugged, also ohne Verstärkung, da wurden die unterschiedlichen Stimmkräfte ganz offenbar.

Bye, bye, Vocal Night heißt es nun bis Mitte April, dann folgt die 61. Ausgabe im Jazzclub Tonne.

www.jazzclubtonne.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.01.2013

Aldo Lindhorst

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