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Zar, Gauner, Graf und Milchmann - Die Spielzeit 2014/15 der Staatsoperette Dresden gibt sich männlich

Zar, Gauner, Graf und Milchmann - Die Spielzeit 2014/15 der Staatsoperette Dresden gibt sich männlich

Ach das geht ans Herz, dieses Lied vom einsamen Soldaten in der russischen Weite am Wolgastrand, der dem Himmel sein einsames Leid klagt. Franz Lehár schrieb das melancholische "Wolgalied" für den Tenor Richard Tauber, und der machte damit die 1927 in Berlin uraufgeführte Operette "Der Zarewitsch" weltberühmt.

Aber so gänzlich schwermütig bleibt es nicht in der Musik, es wird im dritten Akt, der in Neapel spielt, auch südländisch, und neben unverzichtbaren Walzerklängen gibt es auch den damals gerade aufgekommenen Modetanz "Onestep" in dem schönen Stück vom Verzicht auf die Liebe zugunsten der Staatsraison. Solche Männer braucht das Land. "Der Zarewitsch" wird die erste Premiere der neuen Operettensaison in Dresden sein, am 10. Oktober hebt sich der Vorhang. Und damit beginnt auch die vorletzte Saison im Leubener Haus.

Frank Abagnale war ein Trick- und Scheckbetrüger. Er hat sein amüsantes Gaunerleben selbst in einem Buch beschrieben. Daraus machte kein Geringerer als Steven Spielberg einen Film mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle. 2011 kam das Musical nach dem Film am Broadway in New York heraus, und im letzten Jahr gab es die deutsche Fassung von "Catch Me If You Can" zur Wiedereröffnung der Kammerspiele in der Wiener Josefstadt. Regisseur Werner Sobotka bringt zu Beginn des nächsten Jahres an der Staatsoperette Dresden die deutsche Erstaufführung über diesen sympathischen Jäger und Gejagten heraus. Und auch solche Männer braucht das Land, denn am Ende winkt dem Betrüger ein Job bei der Polizei.

Und auch beim Walzerkönig Johann Strauss lassen sich immer noch unbekannte Stücke finden. Mit "Cagliostro" wird das nunmehr fünfte Dresdner Johann Strauss Festival am 2. Mai des nächsten Jahres eröffnet. Hier kommt zunächst der Titelheld als Schwarzkünstler im Wien der Kaiserin Maria Theresia mit einem kaiserlichen Sittenkommissar namens Baron Schnucki in Konflikt. Ein Hofkonditor namens Teiglein wird ihn retten. Der Schwarzkünstler, in Wahrheit natürlich ein Graf, hat einen politischen Auftrag. Im Namen Frankreichs soll er die Verbindung eines Wiener Erzherzogs mit einer Spanischen Infantin hintertreiben. Außerdem behauptet er, den Stein der Weisen gefunden zu haben, Gold produzieren zu können, und somit gehört er ganz selbstverständlich zu den Männern, die jedes Land braucht. Es gibt eine Flucht im Ballon, eine Tante, die eine Kaution stellt, am Ende eine zufriedene Kaiserin und einen Baron im Liebesglück, ganz ohne Schwarzkunst, denn eine gute Tante zahlt.

Das Stück konnte sich nicht durchsetzen im Vergleich zu anderen Reißern des Walzerkönigs. Aber dann wurde es bearbeitet, der Kaiserwalzer eingefügt, und auf der Leubener Bühne werden ganz sicher allerneueste Erkenntnisse der internationalen Operettenforschung beweisen, dass dieser Baron "Cagliostro" zu Unrecht vergessen wurde. Zur Not mit einigen Tricks aus der Kiste der schwarzen Operettenkunst.

Die Saison beginnt mit einem Operettenklassiker und klingt mit einem Musicalklassiker aus. Ab 26. Juni 2015 wird Tevje der Milchmann den Traum aller Lottospieler besingen: "Wenn ich einmal reich wär'". Mit "Fiddler on the Roof", nach den Geschichten des Sholem Aleichem, inspiriert durch ein Bild von Marc Chagall, mit der Musik von Jerry Bock, 1964 erstmals von Jerome Robbins am New Yorker Broadway, am Imperial Theatre, choreografiert und in Szene gesetzt, geht die vorletzte Saison der Staatsoperette im Leubener Interim zu Ende.

Im Musical müssen Tevje und die Seinen auf Befehl des Zaren und wegen drohender Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung in Russland zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihr Dorf Anatevka, das Schtetl, verlassen, ihr Glück wollen sie in Amerika suchen. Handlung und Musik dieses mehrfach ausgezeichneten und auch verfilmten Werkes, grandios von Walter Felsenstein an der Komischen Oper in Berlin 1971 mit Rudolf Asmus in der Titelrolle und der kürzlich verstorbenen Irmgard Arnold als dessen Frau Golde inszeniert, dürften neben Bernsteins "West Side Story" zu den besten dieses Genres gehören.

Tevje gibt nicht auf. Solche Männer braucht das Land. Es wäre schön, ihn dann auch mitten in der Stadt in einem Kraftwerk der Unterhaltungskultur wieder zu sehen. Aber jetzt erst mal auf nach Leuben, lange geht das nicht mehr, und wer noch nicht da war, es ist höchste Zeit!

www.staatsoperette-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.03.2014

Boris Gruhl

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